Auch Kinder und Jugendliche sind vor psychischen Problemen nicht gefeit. Sie können beispielsweise an Autismus leiden, oder gar sexuell missbraucht worden sein und posttraumatische Störungen haben. In jedem Fall gilt: Diese Kinder brauchen professionelle Hilfe. In Basel findet man diese in der Kinder- und Jugendpsychiatrischen Klinik (KJPK). Etwa 1000 im Jahr kommen hierhin. Momentan haben die KJPK sechs Standorte über die ganze Stadt verteilt, was mit den verschiedensten Nachteilen verbunden ist. So werden die betroffenen Kinder heute beispielsweise an zwei verschiedenen Orten unterrichtet.

Schon lange herrscht Einigkeit darüber, dass man alle Standorte in einem Gebäude zusammenfassen will. So hat es die Basler Regierung beschlossen. Doch hier fangen die Probleme an: Die neue Klinik soll bei den Universitären Psychiatrischen Kliniken (UPK) zu liegen kommen, der die KJPK angehört. Mit eigener Adresse und getrennt von den Erwachsenen zwar, aber eben doch unmittelbar daneben. Das hat eine Gruppe Psychiater dazu bewogen, die Initiative «Im Herzen der Stadt» zu lancieren, die am Mittwoch eingereicht wurde. Zentrale Forderungen sind: Der Neubau muss an einem anderen Ort zu liegen kommen und die Jugendpsychiatrie muss ganz grundlegend von den Erwachsenen getrennt werden.

Alle Forderungen erfüllt

Diese Initiative wird das Projekt grundlegend verzögern. Könnte jetzt gebaut werden, wäre der Neubau in zweieinhalb Jahren bezugsbereit. Gibt es eine Abstimmung, wäre das erst in fünf bis acht Jahren der Fall. Deshalb sind die Verantwortlichen der KJPK gestern in die Gegenoffensive gegangen. An einer Medienkonferenz erläuterten sie, weshalb der gewählte Standort der beste, ja der einzig mögliche ist. «Wir haben einen hohen Platzbedarf», sagt Alain di Gallo, Chefarzt der KJPK. Zudem gibt es neben dem geplanten Gebäude ein öffentlicher Park, in dem Kinder spielen können. «Einen solchen Ort findet man sonst nirgends in der Stadt.»

Damit ist Psychiater Christoph Strebel nicht einverstanden. Er spricht im Namen des Initiativkomitees. «Es gibt bessere Standorte», ist er überzeugt. Die Klinik müsse Schutz geben, nahe bei Familien und gut erreichbar sein. «All dies ist erfüllt», entgegnet die Gallo. Die Gefahr, dass ein labiles Kind am gewählten Standort in Kontakt mit einem Sexualstraftäter komme, sei nicht höher als anderswo.

Expertenstreit bahnt sich an

«Ich komme gerade aus Marokko. Dort werden jedes Jahr 8000 ungewollte Kinder ausgesetzt», meinte Konrad Widmer, Verwaltungsratspräsident der UPK, vor den Medien. «und hier diskutiert man darüber, ob ein Gebäude 300 Meter weiter oder näher der Stadt gebaut werden soll.» Das könne er beim besten Willen nicht verstehen.

Initiant Christoph Strebel wiederum beteuert, es gehe ihm nur um das Wohl der Kinder. Er fordert, dass die Standorte noch mal geprüft werden. Dann sei man unter Umständen auch bereit, die Initiative zurückzuziehen. Kinderpsychiater Alain die Gallo sagt, dass die Gefahr gross sei, dass auf dem Buckel der hilfsbedürftigen Kinder nun ein Expertenstreit ausgetragen werde. Das dürfe nicht geschehen. «Dies zu verhindern ist aber auch meine grösste Hoffnung, dass wir uns doch noch finden und es keine Abstimmung gibt.»

Möglich ist es noch: Bevor die Initiative den gewohnten politischen Lauf nimmt, ist nun noch mal ein Runder Tisch zwischen der KJPK und den Initianten angesagt.