Champions League
Darum stellen sich die Pariser Behörden gegen die FCB-Fans

Der FC Basel erhält für das Champions-League-Spiel gegen Paris Saint-Germain nur ein Kontingent von 800 Tickets für mitreisende Fans. Der FCB ist empört, die Fans wütend über die Forderungen aus Paris.

Benjamin Rosch
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Ein primitives Spruchband führte 2008 zum Verbot der Bewegung «Boulogne Boys». In Wahrheit gibt es die Gruppe immer noch.

Ein primitives Spruchband führte 2008 zum Verbot der Bewegung «Boulogne Boys». In Wahrheit gibt es die Gruppe immer noch.

KEYSTONE

Arsenal erhielt über 2000 Gäste-Tickets, der FCB nur 800. Wer das verstehen will, muss sich mit der Geschichte der Fussballfans in Paris auseinandersetzen.

Der PSG, das ist Hochglanz-Fussball. Zlatan Ibrahimovic trug die Marke in die Welt, der Pop-Star beim Club aus Katar. Investoren aus diesem Land, firmiert unter der Gruppe QSI (Qatar Sports Investments), hatten den Club 2011 übernommen. Die Veränderungen, die die neuen Financiers mitbrachten, waren brachial. Eine dreistellige Millionensumme wurde eingeschossen, das Kader komplett überholt, das Logo neu designt, das Gründungsjahr darauf getilgt. Auch die Fans wurden ausgetauscht, denn diese prägten ein nur schwer vermarktbares Image.

Die Fanszene ist gezeichnet durch die verworrene Feindschaft zweier Lager. Die Boulogne Boys, auch Kop de Boulogne, besetzten eine der beiden Fankurven. Ihre Anhänger stammen oft aus gutem Haus, aus der Gegend des Parc des Princes. Eine Verallgemeinerung verschiedener Interessen unter ihnen ist schwierig. Hooligans, Ultras, die Grenzen sind oft nicht klar zu trennen. In der Tendenz aber gelten sie als rechtsextrem, wie Spruchbänder aber auch Gewaltaktionen in der Vergangenheit bezeugen.

Ihnen steht die Virage Auteuil auf der anderen Tribune gegenüber. Einige Anhänger haben Migrationshintergrund, viele wohnen in den östlichen Banlieues der Stadt. Auch hier gibt es unterschiedliche Untergruppierungen. Eine Einteilung in links und rechts – wie sie immer wieder vorgenommen wurde – wird den Tatsachen nicht gerecht, Fakt hingegen ist: Gewalttätige Auseinandersetzungen dieser beiden Kurven, in manchen Fällen auch mit der Polizei und auswärtigen Fans, hatten in den vergangenen Jahren gar zu Toten geführt.

Der «Plan Leproux»

2011 griff PSG durch. Der «Plan Leproux», benannt nach dem damaligen Präsidenten, zeigte Wirkung. Dieser sah unter anderem vor, dass Jahresabo-Besitzer einzeln in jedem Spiel neu platziert wurden. Mehrere Untergruppierungen der Tribune Auteuil wurden verboten. Ultras und Hooligans verzogen sich weitestgehend in den Hintergrund. Die Boulogne Boys sind dennoch im Stadion, wenngleich ohne Zaunfahne.

Zahlreiche gemässigte Fans wollten mit den Neuerungen nicht Schritt halten, die die Besitzer vorgaben. Deren Vorstellungen der Fussballkultur liegt nicht weit entfernt von jenen, die die hiesige Fanszene mitträgt. Dies wird nicht nur im am Montag veröffentlichten Statement der organisierten Muttenzerkurve deutlich. Darin kündigt die MK an, auf das Spiel zu verzichten und nicht nach Paris zu reisen. Die FCB-Fans widersetzen sich damit der Forderung der Pariser Behörden, Matchbesucher mittels Vouchers und Armbändel einzeln zu registrieren.

Aber auch die Veränderungen mit dem Einzug katarischer Investoren werden angesprochen: «Dass PSG sit dr Übernahm vo katarische Investore (QSI) vor allem als Marketing-Instrumänt vom Emirat Katar dient und dr Klub viel vo sinere ursprünglige Magie verlore het, isch denn au bezaichnend.»

Ausnahme als Regel

Eine Vielzahl der Fans, die den FCB international begleiten, steht im Ruf der Anhängerschaft einer idealisierten Fussballwelt. In Salzburg beispielsweise erinnerten die FCB-Fans mit violetten Rauchtöpfen an die alten Klubfarben, vor der Übernahme durch Red Bull. Das unterscheidet die FCB-Fans vom Publikum, das ein FC Arsenal nach Paris mitbringt. Befürchtete Auseinandersetzung zwischen unterschiedlichen Fanlagern, politische Messages im Stadion – für die Pariser Klubverantwortlichen bieten die Basler wenig Grund zur Freude.

Dazu kommt, dass die französischen Behörden seit den Anschlägen vor knapp einem Jahr den verhängten Ausnahmezustand mehrfach dazu benutzten, um gegen Fussballfans vorzugehen. Beim vergangenen Europa-League-Spiel gegen St. Etienne galt für FCB-Fans ein generelles Einreiseverbot. Im Fall eines FC Basel dürften die Klubverantwortlichen nicht gross protestiert haben.

Die FCB-Fans wollen dennoch als Gruppe auftreten. Wo, steht noch nicht fest, werde aber zu gegebener Zeit bekannt gegeben, heisst es zum Schluss der Mitteilung.