Literatur
Das 36. Basler Bücherschiff ankert an der Schifflände

Die etwas andere Bibliothek steht wieder bereit. Elisabeth Tschudi-Moser, die Leiterin der Bibliothek Pädagogisches Zentrum BS hat dazu beigetragen.

Meret Knaack
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Das 36. Basler Jugendbücherschiff ankert bald wieder an seinem Stammplatz, der Schifflände Basel, Kenneth Nars

Das 36. Basler Jugendbücherschiff ankert bald wieder an seinem Stammplatz, der Schifflände Basel, Kenneth Nars

Kenneth Nars

Am 24. Januar landet das 36. Basler Jugendbücherschiff am Rheinufer bei der Schifflände. Braucht es ein solches Angebot überhaupt noch? Lesen die Kinder nicht alle nur noch E-Books?

Elisabeth Tschudi-Moser: Bücher werden immer noch geschätzt. Vor allem bei den älteren Jugendlichen ist die Einstellung zu beobachten: «Wenn ich ein Buch lesen will, soll es auch ein Buch sein!» In einem Buch kann man ganz einfach vor und zurück blättern. Linearität ist anscheinend wichtig. Vielleicht bieten Bücher neben der ganzen Digitalisierung gerade eine willkommene Abwechslung. Jüngere Kinder, vor allem die acht- bis zwölfjährigen Buben, greifen vermehrt auf E-Books zurück. Technik interessiert die Jungs. Das fördert die Leselust. Auch die umfangreichen Sprachangebote, die E-Books anbieten, werden genutzt.

Wieso wurde das Motto «Gesucht wird ...» ausgewählt?

Das Gremium wählt ein Thema, das für Kinder interessant erscheint, und zu dem es momentan viele Bücher gibt. Da in den vorgängigen Jahren die Themen stark von den Naturwissenschaften geprägt waren, sollte das Motto dieses Jahr in eine etwas andere Richtung gehen. Durch literarische Helden, die Identifikationsfiguren darstellen, soll bei den Kindern das Einfühlungsvermögen geschult werden. Kriminalromane und Thriller sind ein geeignetes Genre dazu, an dem viele Kinder interessiert sind. Anknüpfend an das Thema «Einfühlung» steht das Motto «Migration und Flucht» im Zentrum. Bei den Jugendbüchern werden dabei oft die verschiedenen Gefühle angesprochen, die sich in der Gesellschaft und bei einem selbst entwickeln, sobald solche Thematiken zur Sprache kommen oder aktuell werden – zwischen Offenheit und Angst. Angeboten hat sich das Thema «Migration und Flucht» auch deshalb, weil viele Kinder selbst davon betroffen oder damit konfrontiert sind.

Literaturspass auf dem Schiff

Drei Decks für jedes Alter

Vom 24. Januar bis zum 7. Februar ankert an der Basler Schifflände wieder das Jugendbücherschiff. Auf drei Decks werden Programme für Kinder, Jugendliche und die ganze Familie angeboten. Den Organisatoren geht es um die Vermittlung einer lustvollen Auseinandersetzung mit Sprache, Wortschatz und Büchern.
Das Programm des diesjährigen Jugendbücherschiffs steht unter dem Motto «Gesucht wird …». Ins Zentrum rücken dabei Kriminalromane und Thriller. Das Motto scheint passend, um Kindern und Jugendlichen das Lesen schmackhaft zu machen. Nerven werden gekitzelt, das Einfühlungsvermögen gefördert. Anknüpfend an die Thematik des Einfühlens bilden Bücher über Flucht- und Migration einen Schwerpunkt.
Auch dieses Jahr lichtet das Bücherschiff an zwei Tagen seinen Anker und bietet dabei die Erzählnacht-Veranstaltungen auf dem Wellengang des Rheins an.
http://buecherschiffanmeldung.edubs.ch/

Die Idee mit dem Austausch zwischen französischen, deutschen und schweizerischen Klassen und die dafür angebotene Rheinschifffahrt auf dem Bücherschiff ist sehr interessant. Was haben Ihre Erfahrungen gezeigt: Findet ein Austausch auch effektiv statt? Sind die Sprachbarrieren nicht zu gross?

Die Erzählnacht ist ein Erlebnis für die ganze Familie. Das Angebot wird jedes Jahr aktiv genutzt und geschätzt. So ist die mittlere von drei Veranstaltungen bereits seit einigen Tagen komplett ausgebucht. Die Interaktivität mit Deutschland und Frankreich lief anfangs, von 2003 bis 2006, sehr gut. Das lag auch an den engagierten Lehrerinnen und Lehrern, die ihre Schüler aktiv in diesem Projekt unterstützten und die allfälligen Sprachbarrieren zu einem kleinen Problem schrumpfen liessen. Der Austausch zwischen den verschiedensprachigen Klassen hat aber leider nachgelassen. Nicht wegen der Lehrer, sondern weil die Menschen vermehrt nur noch in Basel aufs Schiff steigen und nicht mehr die Anlegestellen in Hüningen oder in Weil am Rhein nutzen wollen.

Die Veranstaltung setzt sich stark für eine Leseförderung von Kindern und Jugendlichen ein. Zeigt diese Förderung Wirkung? Fällt es vielleicht sogar in den Schulen auf, dass nach dem Besuch des Jugendbücherschiffs mehr gelesen wird?

Wir machen es seit den letzten paar Jahren so, dass den Kindern, die das Schiff mit ihren Schulklassen besuchen, «Aufgäbeli» gegeben werden. Diese können natürlich alle auf dem Schiff selbst erfüllt werden. Die Rückmeldungen darauf waren stets positiv. Beobachten konnte man zudem einen Qualitätsanstieg und ein vermehrtes Interesse innerhalb der ganzen Familie: Eltern setzten sich sehr intensiv mit ihren Kindern und deren Lesegewohnheiten und Leseinteressen auseinander.

Nennen Sie bitte Beispiele für solche «Aufgäbeli».

Zum Beispiel Bücher aussuchen, die sie in ihrer Schulbibliothek haben wollen – und diese dann auch finden. Das kommt bei den Kindern gut an. Dieses Jahr wird zum ersten Mal eine aktive Auseinandersetzung mit Büchern in Verbindung mit digitalen Medien als Förderprogramm angeboten. Zu diesem Zweck gibts eine «Schnitzeljagd» auf dem Schiff: Die zu bewerkstelligenden Aufgaben werden über eine App auf Tablet oder Handy gegeben. Mit der kostenlosen App «Actionbound», die für Kinderbibliotheken ebenso wie für wissenschaftliche Bibliotheken gedacht ist, kann man herausfinden, wo welche Bücher zu finden sind. Dank solchen «Schnitzeljagden» werden den Kindern Lerninhalte ganz spielerisch vermittelt.