Die ersten 50 bis 100 Meter neuen Gleise für eine weitere Verlängerung des 3er-Trams liegen schon. Neben der Park-&-Ride-Anlage beim Bahnhof von Saint-Louis sollen sie künftig zu einem riesigen neuen Einkaufscenter führen, das südlich des Euro-Airports (EAP) geplant ist. Die neue Haltestelle liegt einen knappen Kilometer von der jetzigen Endstation am Bahnhof entfernt. Die Weiche für die weitere Verlängerung wurde schon Anfang 2017 eingebaut.

Pikant ist das Projekt, weil der Betreiber, die Basler Verkehrs-Betriebe (BVB), erst Anfang Mai für zwei Wochen die Fahrten von der Burgfeldergrenze zum Bahnhof Saint-Louis ab 20 Uhr eingestellt hatte. Grund waren Übergriffe wie Laserattacken. Ausserdem wird die 8er-Tramverlängerung nach Weil am Rhein in Basel regelmässig als Einkaufsträmli kritisiert. Nun käme im Elsass noch eines dazu.

Die weitere Verlängerung hat erste Priorität

Das Vorhaben ist bereits als A-Projekt im Agglomerationsprogramm der 3. Generation (2019 –2023) eingegeben - es hat also erste Priorität. Als Kosten werden 8,8 Millionen Franken angegeben. Der jährliche Betrieb wird auf 220'000 Franken geschätzt. Klar ist, dass dafür keine Gelder aus der Schweiz fliessen werden; es handelt es sich um Eigenleistungen der Franzosen. Einen massgeblichen Teil davon wird der Investor des Einkaufscenters Unibail übernehmen.

Der weltweit tätige Konzern bereitet derzeit den Bauantrag vor. Laut Alain Girny, Präsident des südelsässischen Zweckverbands Saint-Louis Agglomération (SLA), soll die Voraussetzung dafür, der Richtplan für die Bebauungszone (Zone d’Aménagement Concerté, ZAC), bis zum März 2020 vorliegen. 

Das Basler Bau- und Verkehrsdepartement (BVD) wie die BVB äussern sich positiv zur weiteren 3er-Tramverlängerung. «Die BVB begrüssen grundsätzlich alles, was zur Attraktivitätssteigerung des öffentlichen Verkehrs beiträgt», teilt die Medienstelle mit. Beide betonen allerdings, dass die Federführung in Sachen Ausbau und möglicher Finanzierung bei den französischen Behörden liegt.

Martina Hilker, BVD-Mediensprecherin, weist darauf hin, dass der Bund für Massnahmen im A-Horizont einen Baubeginn zwischen 2019 und spätestens 2022 vorsieht. Klar sei auch, dass es vertragliche Anpassungen brauche. «Die bisherigen Regelungen zwischen Zweckverband, den BVB und Basel-Stadt betreffen nur die Infrastruktur und Betriebskosten für den Abschnitt bis Saint-Louis Bahnhof.» Konkrete Verhandlungen seien noch nicht angegangen worden.

Am Anfang gab es heftige Kritik des Detailhandels

Nach heftiger Kritik elsässischer Detailhändler war das Unibail-Projekt von ursprünglich 100'000 Quadratmetern auf maximal 60'000 reduziert worden. Geplant sind neben besonderen Marken viele Restaurants und Freizeitanlagen. Girny geht davon aus, dass das Center 2024 oder 2025 eingeweiht werden könnte. Bis dann muss auch die neue Tramstation fertig sein.

Später möchten die Südelsässer das Tram vom neuen Einkaufscenter weitere 1500 bis 2000 Meter bis zum Flughafen verlängern, um so auch das geplante Entwicklungsgebiet Technoport mit dem öffentlichen Verkehr zu erschliessen. Auch dieses Vorhaben findet sich im aktuellen Agglomerationsprogramm, ist allerdings noch ferne Zukunftsmusik. Als C-Projekt, also von geringer Priorität, ist die Rede vom Baubeginn 2027. Die Kosten werden mit 22 Millionen Franken angegeben. Der jährliche Betrieb würde auf 500'000 Franken kommen.

Macht das Flughafen-Tram aus elsässischer Sicht durchaus Sinn, wird von Basel aus niemand freiwillig die langwierige Fahrt mit dem Tram zum EAP auf sich nehmen. Der Flughafenbus vom Basler Bahnhof SBB ist viel schneller, und später soll ein Bahnanschluss kommen.