Das Unheil hat sich angebahnt: Schon bei den Testfahrten Mitte Oktober gab es an der Grenze kein Durchkommen für das 8er-Tram, weil Einkaufstouristen die Fahrspur blockierten. Nun ist der Test vorbei, das Tram bleibt weiter stecken. Das Nachsehen haben Bewohner des Stadtteils Neubad, am Ende der Tramlinie 8. Ihnen stehen weniger Trams zur Verfügung.

Denn die Basler Verkehrsbetriebe (BVB) lassen stark verspätete 8er-Trams schon beim Bahnhof umkehren und holen so die Verspätungen wieder auf. Dies bestätigt Dagmar Jenny, Mediensprecherin der BVB. Im Drämmli-Jargon nennt man diese ausserplanmässige Massnahme «Einkürzen». Auch beim Schützenhaus und der Markthalle können die Trams jeweils eine Abkürzung nehmen beziehungsweise vorzeitig die Richtung wechseln. Diese «eingekürzten» Trams fehlen nachher im Neubad. Dort, wo die Trams noch verkehren, klagen Fahrgäste über Verspätungen und überfüllte Wagen.

Bei der bz meldete sich ein Berner, der am Freitag das Laguna-Badeland in Weil am Rhein besucht hatte. Für den Rückweg wollte er das Tram nehmen, das nach Fahrplan um 15.12 Uhr vom Weiler Zentrum in Richtung Basel fahren sollte. Wegen des Staus fuhr es allerdings erst dreizehn Minuten später.

Eine Stunde statt eine halbe

Danach kam es nur schleichend voran und blieb bei der Grenze gänzlich stecken, da diverse Autos das Tramgleis blockierten. Der Berner brauchte eine geschlagene Stunde bis zum Basler Bahnhof – das ist doppelt so lange, wie der Fahrplan vorsieht.

In Zukunft wird der enttäuschte Mann dem 8er-Tram ausweichen. «Für die Heimfahrt nehme ich ab jetzt wieder den 55er-Bus von der Laguna bis zum Badischen Bahnhof und steige dort auf das 2er-Tram um.»

Zu den etlichen Verspätungen auf der Linie 8 kommt hinzu, dass das grenzenlose Tram oft masslos überfüllt ist. So meldete sich – ebenfalls am Freitag – eine entnervte Anwohnerin der Klybeckstrasse bei der bz. «Die Trams sind zum Teil so voll, man kann gar nicht mehr einsteigen. Und jedes zweite Tram hat Verspätung, unabhängig von Wochentag und Uhrzeit», sagt die Anwohnerin, die jeweils die Haltestelle Bläsiring benutzt. «Täglich bekomme ich mit, wie sich die Menschen an der Haltestelle aufregen und ihre Bäuche einziehen müssen, damit sie überhaupt einsteigen können.» Rollstuhlfahrer und Mütter mit Kinderwagen haben zum Teil schon gar keine Chance, überhaupt einen Platz im Tram zu finden.

«Das überrascht uns schon»

Zwar reagieren die BVB mit der ausserplanmässigen Kürzung der 8er-Tramlinie, doch es bleibt ein Tropfen auf den heissen Stein. Die Schlussfolgerung drängt sich auf, dass das Fahrgastaufkommen unterschätzt wurde. Dagmar Jenny von der Medienstelle der BVB teilt dieses Urteil nicht. Sie spricht lieber von der Begeisterung und der grossen Freude an der verlängerten Tramlinie. «Wir nehmen aber auch wahr, dass die Trams überfüllt sind. Das überrascht uns schon ein wenig.» Jenny weist darauf hin, dass die Einführung der verlängerten Tramlinie 8 mit der Hochsaison des öffentlichen Verkehrs zusammenfalle. «Natürlich sind wir aber auch nicht zufrieden, wenn wir Fahrgäste stehen lassen müssen», sagt Jenny.

Eine Verdichtung des Fahrplans würde Abhilfe verschaffen. Diese müsste das Amt für Mobilität des Kantons Basel-Stadt zusammen mit der Stadt Weil am Rhein bestellen. Grundlage einer solchen Bestellung wären zum Beispiel Passagierzahlen, welche die BVB erheben. Doch die erste Analyse wird laut Jenny nicht vor Ende Januar fertiggestellt sein. Gut möglich also, dass die Fahrgäste noch für einige Zeit mit überfüllten Trams vorliebnehmen müssen. Derweil setzen die BVB an der Grenze sogenannte Kundenlenker ein, die dafür sorgen, dass sich die Fahrgäste gleichmässiger im Tram verteilen.

Der Zoll setzt auf eine ähnliche Massnahme: Einweiser zeigen den Schweizer Autofahrern beim Zoll Hiltalingerstrasse, nahe des Rheincenters, wo es einen freien Parkplatz hat, damit die Schweizer möglichst schnell ihre grünen Zettel abstempeln können – und so die Strasse beziehungsweise das Tramgleis weniger lange blockieren. Dies berichtete gestern die «Badische Zeitung».

Auch deutsche Autofahrer blockieren das Tramgleis, insbesondere beim Rheincenter-Kreisel. Gegenüber der «Badischen Zeitung» äusserte BVB-Mediensprecherin Jenny die Vermutung, dass die deutschen Autofahrer sich erst daran gewöhnen müssen, dem Tram beim Kreisel den Vortritt zu lassen.