Es war ein Paukenschlag, als der Basler Gesundheitsdirektor Carlo Conti (CVP) am Dienstag seinen Rücktritt im kommenden Sommer ankündigte. Er gestand ein, er habe über Jahre Entschädigungen für Mandate und Referate in der Höhe von 110'000 Franken nicht korrekt verbucht. Ausgerechnet Conti, der Strahlemann in der Basler Regierung. Selbst in der Stunde seiner grössten Niederlage wird er von vielen Politikern, Journalisten und Leserbriefschreibern noch als Held gefeiert.

Doch auch eine Katastrophe wie diese bringt die CVP nicht in Verlegenheit, die Conti-Nachfolge ist längstens vorgespurt. Contis Begründung für den vorzeitigen Rücktritt ist nur ein Teil der Wahrheit. Als strammer Parteidiener – er war früher Präsident und Sekretär der CVP – hat er ein Interesse daran, dass seine Partei auch nach seinem Ausscheiden in der Regierung verbleibt.

Bei einer Ersatzwahl während der Legislatur hat die kleine CVP ungleich grössere Chancen, den Sitz zu verteidigen, als bei einer unübersichtlicheren Gesamterneuerungswahl. Für Politinsider wie Ständerätin Anita Fetz (SP) war deshalb klar, dass Conti während der Legislatur zurücktreten werde. «Es ist einfacher, ausserhalb der regulären Wahlen einen Sitz zu halten», sagte sie der «bz Basel». Contis Unregelmässigkeiten haben nur beschleunigt, was ohnehin angesagt war.

Beim abgekarteten Spiel der CVP steht auch der neue Regierungsrat bereits fest: Parteipräsident Lukas Engelberger. Die Strippenzieher um Nationalrat Markus Lehmann und Anwalt Paul Rüst haben ihn als Conti-Nachfolger in Position gebracht. Vor einem Jahr übergab Lehmann das Parteipräsidium Engelberger. Ein ideales Sprungbrett, um die Nachfolge von Conti anzutreten. Zuvor konnte sich Engelberger als Präsident der wichtigen Wirtschafts- und Abgabekommission des Grossen Rats profilieren.

Keine anderen Papabili ausser Engelberger

Lehmann bestätigt den parteiinternen Masterplan indirekt, wenn er sagt, Engelberger wäre für das Regierungsamt «gut vorbereitet». Die «Basler Zeitung» hatte das Kalkül der CVP vor zwei Jahren erkannt, als sie schrieb, Engelberger gelte als «designierter Nachfolger» von Regierungsrat Conti.

Der im Parlament bereits staatsmännisch auftretende Engelberger kann nun nur noch über sich selber stolpern. Dann nämlich, wenn er seine Ambitionen allzu forsch anmeldet. Dies tut er jedoch nicht. Er mache sich derzeit «intensiv Gedanken» über eine Kandidatur und werde sich «spätestens Ende Monat» entscheiden und erklären, sagt er.

Die anderen CVP-Exponenten, die auf dem medialen Kandidatenkarussell Platz genommen haben, stehen Engelberger nicht im Weg. Vizepräsidentin Andrea Knellwolf sagt, sie habe sich noch keine Gedanken über eine Kandidatur gemacht. Der frühere Grossrat Peter Eichenberger und der Riehener Gemeinderat Daniel Albietz sehen sich nicht als erste Wahl. Am weitesten aus dem Fenster lehnt sich Fraktionspräsident Remo Gallacchi. Er könne sich vorstellen, sich zu bewerben, sagt er. Doch schon im nächsten Satz relativiert er seine Ambitionen sogleich wieder.

SVP und GLP, die auf einen Regierungssitz schielen, bleibt angesichts der taktischen Meisterleistung der CVP-Strategen nur das Nachsehen. Kommt hinzu, dass Patrick Hafner, Lorenz Nägelin (beide SVP) und Emmanuel Ullmann (GLP) bei den letzten Gesamterneuerungswahlen 2012 über 15'000 Stimmen hinter Conti lagen. Ungeachtet dessen gewährt die «BaZ» der SVP publizistische Schützenhilfe.

Am Donnerstag durfte Parteichef Sebastian Frehner auf der Frontseite ausgiebig darlegen, weshalb jetzt die SVP Anspruch auf einen Regierungssitz habe. Doch auch Frehner, ebenfalls ein gewiefter Taktiker, weiss wohl: Dies ist bloss ein Scheingefecht, die CVP wird ihren Sitz mit Engelberger halten.