Erziehungsdepartement

Das Abschliessen von Turnhallen kostet Basel gegen eine Millionen Franken

Bei Renovationen werden automatische Türschlösser eingebaut.

Bei Renovationen werden automatische Türschlösser eingebaut.

Weil Sportvereine in Basel keine eigenen Hallenschlüssel erhalten, muss der Kanton Abschliessdienste bezahlen. Dieses Modell ist teuer und kommt bei den Vereinen nicht gut an.

750 000 Franken bezahlt der Kanton pro Jahr, damit die Türen seiner Turnhallen auch spätabends oder an Wochenenden fachmännisch abgeschlossen werden. Denn nach jedem Abendtraining, das in einer Basler Sporhalle stattfindet, muss ein Kantonsangestellter oder eine andere für dieses Amt ermächtigte Person nochmals zur Halle und den Schlüssel drehen. Gemäss Erziehungsdepartements-Sprecher Simon Thiriet plant und bezahlt das Sportamt diese Einsätze, zu denen auch ein Kontrollgang durch die Räumlichkeiten gehöre.

Bei den Vereinen kommt das Basler Modell nicht gut an. Eine Umfrage der bz zeigt, dass die Abhängigkeit vom Schlüssel-Inhaber einiges an Konfliktpotenzial bietet. «Wir müssen immer streng darauf achten, dass auch der Letzte um Punkt 22 Uhr draussen ist, sonst kann es rasch eskalieren, wenn der Schlüsselmensch einen schlechten Tag hat oder nicht rechtzeitig für ‹Sport Aktuell› wieder zu Hause ist», sagt ein Vorstandsmitglied eines Basler Sportvereins.

Wie alle Befragten will der Freizeitsportler anonym bleiben. Ein Mitglied eines Basler Turnvereins sagt: «Das System ist für uns nicht praktikabel, wir bezahlen in regelmässigen Abständen Bussen, weil wir die Halle unmöglich um 22 Uhr verlassen können, wenn wir Meisterschaftsspiele haben». 40 Franken pro Verzug koste das den Verein, sie hätten dafür extra ein Budget-Posten einrichten müssen.

Selbst in Schulhäusern mit einer automatischen Schliessanlage, wie etwa dem Brunnmattschulhaus, kommt der Abschliess-Profi zum Einsatz. Alle befragten Vereinsmitglieder sagen, dass ein eigener Schlüssel nicht nur die günstigere, sondern auch die wesentlich angenehmere Lösung wäre. Und mehrfach wird – hinter hervorgehaltener Hand – davon berichtet, dass es ja mehrere Vereine gebe, die noch Hallen-Schlüssel hätten, weil die Listen veraltet seien. Auch das bestätigt ein Mitglied eines Vereins im Besitz eines Schlüssels gegenüber der bz.

Auch während der Schulferien

Die Kosten für den Basler Abschliess-Service dürften deutlich steigen, weil der Grosse Rat Mitte September entschieden hat, dass sämtliche Hallen dem Breitensport künftig während des ganzen Jahres zur Verfügung stehen sollen – also auch während Wochenenden und während der Schulferien. In der Beantwortung einer Motion zum Thema von SP-Grossrat Thomas Gander schrieb die Regierung denn auch, «dass die Nutzung der Anlagen ausserhalb der Schulzeit bisher stark von der Verfügbarkeit und vom Entgegenkommen des Hauswartungspersonals abgehängt habe.» Die grossrätliche Sportkommission sprach von einem Paradigmenwechsel, weil künftig Schliessungen ausserhalb der Schulzeit aufgrund des Hauswartungspersonals ausgeschlossen werden sollen. Weil die Referendumsfrist am 5. November ungenutzt abgelaufen ist, gilt die neue Regelung bereits jetzt.

Neue Regelung steigert Kosten

Mit der erweiterten Nutzungsdauer werden auch die Kosten steigen, das Sportamt geht einem Plus von 30 Prozent aus, was zu Gesamtkosten von gegen einer Million Franken pro Jahr führen wird.

Am System mit den Abschluss-Kontrollgängen durch Abwarte oder anderes Personal will der Kanton dennoch festhalten. «Das System gibt es seit vielen Jahren und eine Abkehr davon ist nicht geplant.»

Darauf hätten auch moderne Schliesstechniken, wie sie bei Schulhaus-Neu und Umbauten eingesetzt wird, keinen Einfluss, sagt Thiriet. «Automatische Schliesssysteme können zwar Türen verriegeln, aber kontrollieren, ob am nächsten Tag die Schülerinnen und Schüler zum Beispiel funktionierende Duschen oder aufgeräumte Garderoben vorfinden, kann sie nicht.»

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