Die Liegenschaften am Riehenring aus dem 19. Jahrhundert werden abgerissen, an ihre Stelle soll schon bald der rund 100 Meter hohe Claraturm stehen. Bereits am Samstag lief der Mietvertrag der bisherigen Mieter ab, den Montagvormittag nutzen die Wirte und Ladenbesitzer nun, um die letzten Aufräumarbeiten zu erledigen.

Auf dem Trottoir vor dem «alten Warteck» türmen sich Abfallsäcke, Matratzen und Bretter. Drinnen erinnern nur noch vereinzelte Stühle und der grosse Tresen an die geselligen Abende im Restaurant. Die Wirte müssen sich beeilen, in knapp zwei Stunden wird die Liegenschaft übergeben. Die Küche wurde schon länger rausgerissen. «Am Samstag hatten wir hier aber noch ein privates Bankett, das wir bereits vor eineinhalb Jahren geplant haben, deshalb wurde es zeitlich etwas eng mit den Aufräumarbeiten», erzählt Carlos Reuss Geschäftsführer und Inhaber des «alten Warteck».

Kündigung als Chance

Bis zur Abgabe ist noch viel zu tun. In den 160 Jahren, in denen das Gebäude an der Ecke Riehenring/Clarastrasse genutzt wurde, hat sich so einiges an Gerümpel angesammelt. Zwei Tonnen Abfall haben Reuss und sein Stellvertreter und Küchenchef Pasquale Maybaum aus dem alten Gebäude geräumt. Als wirklich schmerzhaft empfinden die beiden das erzwungene Ende ihres Restaurants aber nicht. «Wenn wir ehrlich sind, hätten wir dieses Jahr sowie dicht gemacht», sagt Maybaum. «Die Konkurrenz in der Umgebung ist einfach zu stark und die Messen ziehen immer weniger Besucher an. Unser Umsatz ist daher kontinuierlich gesunken.» Der Geschäftsführer Reuss wird diese Gelegenheit nun als Chance nutzen, um in andere Bereiche aufzubrechen. Von der Gastronomie hat er erst einmal genug.

Im Gebäude nebenan scheint der Abschied schon schwerer zu fallen. Bis zum vergangenen Wochenende konnten interessierte Kunden hier bei Graf Seismo Kuriositäten aus aller Welt bestaunen und kaufen. An der Decke hängen noch zahlreiche Kronleuchter, der Boden ist überfüllt mit Taschen und Kisten. «Dort hinten war früher die Musikecke, der schönste Ort in Basel» schwärmt der Inhaber. Nun aber ist sein kleiner Secondhandladen nur noch Geschichte.

Eigentlich hatte Graf Seismo vor eine Teilliquidation durchzuführen und all seine Schätze loszuwerden. «Noch 100 Tage Abriss-Blues» stand lange Zeit auf einem A4 Blatt an der Eingangstür. Aber die erwarteten Käufer kamen nicht und so bleibt ihm nichts anderes übrig, als seine Kuriositäten in einem Lager zu verstauen. Neben der Eingangstür hängt ein Zettel mit der Adresse des Lagers und einer Telefonnummer. Die Hoffnung doch noch Abnehmer für seine Schätze zu finden hat er noch nicht ganz aufgegeben.

Fünf Jahre lang herausgezögert

Eine Tür weiter beim Restaurant zum Wurzengraber ist alles bereit für die Abnahme. Eine Freundin der Inhaberin fegt gerade noch ein letztes Mal den Boden. Die Inhaberin Fränzi Wolf selbst kann heute nicht da sein, denn sie eröffnet zur selben Zeit ihr neues Restaurant mit dem Namen Pasiwo im ehemaligen Restaurant Bläsitor.

Über der Tür der nächsten Liegenschaft hing bis vor kurzem der Schriftzug «Pianobar», doch dieser wurde mittlerweile entfernt. Auch im Innenraum ist bereits alles leergeräumt. Der ehemalige Inhaber Andreas Bernauer sei schon vor einiger Zeit in die Zentralschweiz gegangen, erzählt Reuss vom «alten Warteck». Dabei war es Bernauer, der mit langen politischen und gerichtlichen Auseinandersetzungen dafür gesorgt hat, dass der Baubeginn so lange hinaus gezögert wurde.

Eigentlich war der Bau des Claraturms bereits 2013 beschlossene Sache. Im Erdgeschoss sollen Räume für Gastronomie und Gewerbe entstehen, darüber 184 Wohnungen im mittleren Preissegment und in den drei Untergeschossen Einstellplätze für Autos und Velos. Der Grosse Rat hat den Bebauungsplan vor fünf Jahren verabschiedet und das Volk hat ihn gutgeheissen. Bernauer aber startete zwei Prozesse und zog bis vor das Bundesgericht. Im November 2017 hat er seinen Kampf schliesslich aufgegeben.