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Das Antikemuseum will antike Schätze gerne zurückgeben – kann aber nicht

Dieses prachtvolle Grabrelief aus Pompeji befindet sich noch immer in Basel. Dabei sollte es längst in Neapel sein – wie Hunderte andere Exponate auch.

Dieses prachtvolle Grabrelief aus Pompeji befindet sich noch immer in Basel. Dabei sollte es längst in Neapel sein – wie Hunderte andere Exponate auch.

Wegen des Lockdowns sitzt das Museum auf Kisten voller Helme, Schwerter, Mosaike und Fresken aus der Gladiatorenzeit. Die Leihgeber, meist italienische Museen, werden langsam nervös. Die Not machte den Direktor erfinderisch.

Andrea Bignasca ist im Tessin aufgewachsen. Das erweist sich als Segen in der Lage, in die ihn die Corona-Epidemie manövriert hat. Derzeit ist der Direktor des Basler Antikenmuseums vor allem mit zwei Dingen beschäftigt: vertrösten und beruhigen. Meist auf Italienisch.

«Das ist absolut einzigartig, was hier geschieht», sagt Bignasca. Das Antikenmuseum sitzt auf Hunderten von antiken Kostbarkeiten, die ihm nicht gehören, für die es aber bürgen muss: Münzen, Helme, Waffen, Schilder, aber auch Grabplatten und Steinreliefe. Alles Leihgaben, die für die Sonderausstellung «Gladiator, die wahre Geschichte» zusammengetragen wurden, grösstenteils aus Italien.

Die Gladiatorenausstellung endete am 14.März vorzeitig und hätte längst weiterziehen sollen, nach Neapel. Das Museo archeologico nazionale wollte die in Basel konzipierte Schau am 8.April eröffnen. Doch dann kam Corona dazwischen.

Kulturminister muss Okay geben – sonst geht nichts

Das Antikenmuseum braucht aber den Platz selber. Deshalb ist Bignasca bestrebt, die Exponate abzubauen und in Kisten zu verpacken. Eigentlich müsste bei diesen heiklen Vorgängen Personal des Leihgebers zugegen sein, eine eiserne Regel im Museumsbusiness. Weil das jetzt nicht geht, ist Bignasca fast ununterbrochen am Verhandeln, mit Leihgebern, aber auch mit Versicherungen, Zügelfirmen – und nicht zuletzt mit dem italienischen Staat. Die meisten Objekte gehören ihm, ohne Plazet des Kulturministeriums dürfte man einen Dreizack oder Mosaikboden aus der Römerzeit nicht einmal anfassen.

«Ich verschicke ständig Skizzen, Pläne, Fotos und sogar Videos, um alles zu dokumentieren», sagt Bignasca. «Zum Glück geniessen wir grosses Vertrauen – sonst wäre das, was wir machen, nicht möglich.» Die Liste mit den 15 Leihgebern ist voller klingender Namen. Darunter befinden sich neben dem archäologischen Nationalmuseum Neapel, dem Parco archeologico del Colosseo, dem Museo Nazionale Romano sowie den Kapitolinischen Museen in Rom auch die Schweizer Museen von Augst und Avenches.

Trotz aller Bemühungen: Erst ein Drittel der Exponate sei transportbereit, sagt Bignasca. Das habe mit dem Lockdown zu tun: «Um ein Mauerfresko zu verpacken, braucht es ein halbes Dutzend Zügelmänner samt Hebekran. Das können sie derzeit nirgends auftreiben.» Von seinen italienischen Partnern habe er vernommen, sie könnten sich nur an eine vergleichbare Situation erinnern: 2011 seien Objekte aus Pompeij in Japan gezeigt worden. Nach dem Reaktorunglück in Fukushima habe für die Begleitung des Rücktransports aber niemand auf die Insel reisen wollen.

Die Gladiatorenausstellung hätte bis 22.März dauern sollen. Doch das Antikenmuseum musste bereits am 14.März schliessen.

Im Notfall landen die Schwerter im Tresor

Nach den Lockerungsplänen des Bundesrats dürfen Museen am 8.Juni wiedereröffnen. Andrea Bignasca sagt, er wisse noch nicht, wie es weitergehe. «Fest steht: Wir brauchen die Ausstellungsräume selber. Sind die Leihgaben nicht bis Mai weg, müssen wir für die Kisten wohl oder übel Tresorräume anmieten.»

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