Es geht um Steuergelder, die verballert wurden, es geht um zwischenmenschliche Konflikte und um strategische Fragen in einem Bereich, in dem jeder ein bisschen Experte ist. Schliesslich war schon jeder einmal im Museum. Und am allerbesten: Der Politiker, dem man all dies vor die Türe legen kann, tritt nicht mehr zur Wahl an. Man kann also ruhig ein bisschen härter zutreten. Und damit auch vom Versagen vieler ablenken, indem man das Versagen des Prominentesten unter ihnen hervorhebt.

Keine der Kommissionen fühlt sich zuständig

Denn in der regierungsrätlichen Kommission zum Museum, in den drei Grossratskommissionen, die eine gewisse Aufsichtsrolle über das Museum haben und in den vielen Stiftungen rund um das Museum, da sind alle Parteien vertreten. Manche stärker, manche weniger, aber irgendwie dabei sind sie alle. Darum ist es bequemer, den Regierungspräsidenten zum Sündenbock zu machen. Natürlich trägt er im Endeffekt die politische Verantwortung. Das ist unbestritten. Aber die Geschichte wäre eigentlich der ideale Zeitpunkt, sich zu fragen, was eigentlich wirklich schiefläuft in der Basler Museumslandschaft. Und das ist so einiges.

Das Historische Museum ist der klassische Brei, an dem zu viele Köche mitkochen und der darum verdorben wurde. Da haben wir Stiftungen und den Unterstützerverein: Sie sollen Geld beschaffen, und darum sitzen hier auch die klingenden Namen des Basler Daigs Seite an Seite. Und sie machen ihre Aufgabe, sie beschaffen Geld. Aber was damit genau geschieht, das beaufsichtigen sie nicht. Dann gibt es die regierungsrätliche Kommission, deren Aufgaben so schwammig umrissen sind, dass viele glauben, sie sei ein Aufsichtsorgan. Ist sie aber nicht. Sie berät in strategischen Fragen und stellt einen grossen Teil der Mitglieder der Findungskommissionen für neue Direktoren. Und hat dabei bei der letzten Wahl den sprichwörtlichen Griff ins Klo gemacht.

Eine Aufsicht, mit Einblick in die Bücher, ist sie nicht. Genauso wenig zuständig für die finanzielle Aufsicht fühlen sich die Geschäftsprüfungskommission, die Bildungs- und Kulturkommission und die Finanzkommission des Grossen Rates. Sie verweisen an das Präsidialdepartement. Und was macht eigentlich die dort beheimatete Abteilung Kultur? Da gibt es doch eine Fachstelle Museumspolitik? Eben. Politik. Dort bastelt man seit einer gefühlten Ewigkeit an einem Museumskonzept, das die Museen irgendwie inhaltlich-strategisch ausrichten soll, ohne sie zu gängeln. Ein Konzept, das immer wieder angekündigt wird und doch nie kommt. Eine Aufsichtsfunktion wird hier ebenfalls nicht wahrgenommen. Die Verantwortung dafür darf man getrost Guy Morin zuschieben.

Die Verantwortlichkeiten müssen geklärt werden

Dieser Wirrwarr ist verantwortlich dafür, dass die Situation im HMB dermassen aus dem Ruder gelaufen ist. Es zeigt die Qualität der Mitarbeitenden in den Museen, dass dieses Verwirrspielchen um Verantwortlichkeiten bis anhin nur einmal so richtig schiefgegangen ist. Aber nun ist Zeit aufzuräumen. Es braucht eine ganz klare Verteilung von Kompetenzen und Verantwortung, von Aufsichtspflichten und Oberaufsicht. Das ist weder ein Eingriff in die gestalterische Freiheit der Museumsdirektoren noch eine Gängelei. Am Ende könnte eine simple Binsenweisheit weiterhelfen: Manchmal ist weniger eben wirklich mehr. Bei Köchen und bei Kommissionen.