Basel

Das Bangen um das Sommercasino geht weiter

Ob das Sommercasino längerfristig als Veranstaltungsort überlebt, ist weiterhin unsicher.Kenneth Nars/archiv

Ob das Sommercasino längerfristig als Veranstaltungsort überlebt, ist weiterhin unsicher.Kenneth Nars/archiv

Das Basler Erziehungsdepartement und der Trägerverein sindsich nicht einig über die Zukunft des ältesten Schweizer Jugendtreffs

Das Sommercasino ringt sich langsam aus der Krise. Vom 22. Bis 24. August testet die Jugendarbeit Basel (JUAR) das neue Betriebskonzept für den ältesten Schweizer Jugendtreff an einem Sommerfest. Am Freitag ist der Eintritt für die Konzerte von neun jüngeren Basler Bands gratis. Am Samstag steht der Basler Rap-Doyen Black Tiger mit vielen Gästen auf der Bühne und am Sonntag gibt’s gemeinsam mit dem Quartierverein einen Flohmarkt. Denn das Credo des Trägervereins, der JUAR, heisst nach vielen Jahren in den roten Zahlen: zurück zu den Wurzeln. Das Soca soll wieder ein Auftrittsort für lokale Bands, Tanz- und Theatergruppen sein. Tagsüber soll ab Herbst, spätestens ab Frühling 2015, ein Bistro-Betrieb die Villa mit Leben füllen. Die Büros sollen an Mieter vergeben werden, deren Arbeit den Jugendlichen zu Gute kommt, ob Beratungsstellen, Ausbildungsstätten oder Anbieter, die die Produktion von Jugendkultur unterstützen.

Trotzdem blickt Christian Platz, Vereinspräsident von JUAR, besorgt in die Zukunft. «Ich kann nicht positiv über die Zeit nach 2015 hinausschauen.» Grund für seine Bedenken sind die anstehenden Subventionsverhandlungen in der offenen Jugendarbeit in Basel. Christian Platz befürchtet, dass das bisherige Modell die Verhandlungen nicht überleben wird: «Dann steht das Sommercasino im Fadenkreuz.» Einerseits belastet der Mietzins von 216 000 Franken für die Villa das Budget. Andererseits hat die Konkurrenz unter den Veranstaltern in Basel zugenommen.

Lösung noch nicht in Sicht

Kommt hinzu, dass sich das Erziehungsdepartement (ED) und JUAR überhaupt nicht einig sind, wie es mit dem Sommercasino weitergehen soll. Zwei Sitzungen verliefen ohne Einigung. Und diese Woche hat die Trägerschaft einen Brief mit dem Standpunkt des ED erhalten: «Wir sind der Meinung, dass wir im Bereich der Jugendkulturförderung an anderen Orten wirksamer unterwegs sind», sagt Hansjörg Lüking, Bereichsleiter der Abteilung Jugend, Familie und Sport beim Basler Erziehungsdepartement, ohne ins Detail zu gehen. Das stehe weniger im Kontext der Bedarfsanalyse, sondern mehr im Zusammenhang mit der Jugendkulturförderung. Und davon habe sich das Sommercasino wegentwickelt. «Wir sind der Meinung, dass vermehrt die jungen Kulturschaffenden selbst und nicht Veranstaltungsorte gefördert werden sollten.» Die Differenz zu den Betreibern will er nicht als Problem verstanden haben, sondern als Ausgangspunkt für die Suche nach einer Lösung.

Änderung «nicht ausgeschlossen»

Der Ansicht, dass das Geld anderswo sinnvoller eingesetzt würde, widerspricht JUAR-Präsident Platz vehement. «Ich bin absolut der Meinung, dass Bands einen Ort brauchen, wo sie auftreten können.» Wer übe und produktiv sei, wolle auch auf der Bühne stehen. «Wer auftritt, der lernt auch wahnsinnig viel.» Der Trägerverein werde darum versuchen, die Meinung des ED schriftlich zu widerlegen, sagt Platz - auch er verzichtet auf Details.

In die nächste Runde gehen die Verhandlungen Ende August. Dann findet eine erste Anhörung für die Subventionsverhandlungen für die Jahre 2016 bis 2019 statt. Eingeladen werden sukzessive alle, die in Basel offene Kinder- und Jugendarbeit anbieten. JUAR ist einer von zwölf Anbietern und erhält jeweils eine sogenannte Globalsubvention vom Kanton. Wie das Geld eingesetzt wird, das regelt ein umfassendes Leitbild. Weil sich die Bedürfnisse der Kinder- und Jugendlichen verändern, liess die Stadt den Bedarf an offener Kinder- und Jugendarbeit untersuchen. Das hat unter anderem ergeben, dass tendenziell mehr Bedarf nach selbstverwalteten Räumen und mehr Angebote für Kinder nötig wären. Wie die Erkenntnisse in die weitere Planung einfliessen, ist noch nicht geklärt. Dass es zu einer Umverteilung unter den Anbietern kommt, ist laut Lüking «nicht ausgeschlossen».

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