Er ist innert Kürze zu einer Eiterblase im Verhältnis zwischen Stadt und Land angeschwollen. Doch nun scheint es, als hätten die Regierungen beider Basel einen Weg gefunden, diese schmerzfrei auszudrücken. Die Rede ist vom Margarethenstich. Gestern stellten Vertreter der beiden Regierungen den Plan vor: Mit der Verlegung von rund 300 Metern Tramgleis würde das Leimental mit einem Schlag mehrere Minuten näher an die Stadt rücken. Die Tramlinie 17 würde nicht mehr am Theater, sondern am Bahnhof SBB vorbei Richtung Badischer Bahnhof fahren. Ein Riesengewinn für das Leimental, das als einziges grosses Baselbieter Tal keine eigene S-Bahn hat – und das, obwohl dort viele neue Wohnhäuser entstehen.

Bisher sollten die Kosten für dieses Tramteilstück je hälftig von Basel-Stadt und Baselland bezahlt werden. Dagegen regte sich in der Stadt lautstark Widerstand. So laut sogar, dass die Baselbieter Regierung von sich aus auf die Stadt zuging mit einem Angebot: Neu übernimmt der Landkanton zwei Drittel der Kosten, die Stadt ein Drittel.

BLT muss mitbezahlen

Da sagt die Stadt natürlich nicht Nein. Das ganze Konzept kostet rund 20,7 Millionen Franken. Konkret soll die Finanzierung jetzt so aussehen:

Basel zahlt «nur» noch 4,5 Millionen Franken.

Baselland zahlt neu 7,1 Millionen.

Die Baselland Transport AG (BLT), die die Strecke betreiben wird, zahlt 2 Millionen aus dem eigenen Sack. Die effektiven Mehrkosten für den Kanton Baselland betragen dadurch nur 500 000 Franken.

Der Bund beteiligt sich mit etwas mehr als 9 Millionen Franken.

Nicht eingerechnet ist der Umbau der Stationen Margarethen (BS) und Dorenbach (BL), was nochmals etwa 4,2 Millionen respektive 2,3 Millionen kosten wird.

«Wir haben gesehen, dass das Projekt in Basel-Stadt akut gefährdet ist», begründet die Baselbieter Baudirektorin Sabine Pegoraro (FDP) die Vorwärtsstrategie. Tatsächlich drohte in der Stadt ein Referendum, den Margarethenstich zu Fall zu bringen. Die Basler Regierung wollte von sich aus nicht neu verhandeln. «Abgemacht ist abgemacht», sagt der Basler Verkehrsdirektor Hans-Peter Wessels (SP) dazu.

Dass die Baselbieter Regierung diese 300 Meter Tramschienen unbedingt will, zeigt sich daran, dass sie zu einer ungewöhnlichen Massnahme griff: Sie verhandelte mit der BLT um eine Kostenbeteiligung. Mit Erfolg, das Unternehmen sagte zu. «Wir sehen die Verkehrsprobleme im Leimental und wir wissen nicht, wie wir sie sonst lösen sollen», sagt BLT-Direktor Andreas Büttiker dazu (siehe Interview rechts).

Gegner deutlich kleinlauter

Die Chancen, dass das Projekt umgesetzt wird, sind spürbar gestiegen. Die – bürgerlichen – Kreise, die in der Stadt mit dem Referendum drohten, sind bereits kleinlauter geworden. «Die Situation ist deutlich wohlwollender als noch gestern», sagt SVP-Grossrat Joël Thüring. Zwar sei ein Referendum nicht vom Tisch, da der Nutzen für die Stadt nach wie vor «gleich Null» sei. Dass Baselland nun mehr zahle, verbucht er aber als Erfolg. Und er nutzt die Gelegenheit für einen Seitenhieb gegen Verkehrsdirektor Wessels: «Dass die Baselbieter Regierung auf die Stadt zuging, zeigt: Sie kann die politischen Verhältnisse in der Stadt besser abschätzen als Regierungsrat Wessels.» In seiner alten Version wäre das Projekt bachab gegangen, ist er überzeugt.

Doch kommts nun zu mehr Widerstand im Baselbiet? Auch hier sind versöhnliche Töne zu hören – insbesondere weil die BLT mitbezahlt. «Wenn dies zur Realisierung des Projekts beiträgt, dann werde ich mich sicher nicht querlegen», sagt zum Beispiel SVP-Landrat Markus Meier.

Geht alles nach Plan, wird ab 2016 gebaut. Zwei Jahre später soll die Linie in Betrieb genommen werden.

Dies ist Moritz Kaufmanns letzer Artikel für die bz. Nach dreieinhalb Jahren in der Basel-Stadt-Redaktion wechselt er in die Wirtschaftsredaktion der Blick-Gruppe.