Telekommunikation
Das Basler Glasfasernetz: So kommt das Internet in die Schweiz

Basel hat nicht nur einen wichtigen Hafen und Autobahnzoll, sondern auch einen der bedeutendsten digitalen Grenzübergänge. Die bz hat ihn besichtigt.

Samuel Hufschmid (Text) und Martin Töngi (Fotos)
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Im Vergleich zu den massiven Wasserleitungen (links) sind die Glasfaser-Leitungen im Tunnel unter dem Rhein verschwindend klein (rechts, auf dem Bild kaum sichtbar). Dennoch transportieren sie unglaubliche Datenmengen. Über ein einziges dieser Kabel könnte gemäss IWB die ganze Stadt Basel gleichzeitig im Internet surfen.
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Die beiden IWB-Mitarbeiter Hans Schmidlin (links) und Jean-Pierre Zeyer öffnen am Grenzübergang Weil-Otterbach einen Kabelschacht. Von hier aus führt das Glasfaser-Kabel unter dem Rhein ins IWB-Datencenter. Danach weiter durch immer dünneren Kabel bis an den Hausanschluss (Bilder unten).
Glasfaser-Netz aus Basel
Stefan Henz, Leiter des IWB-Datencenters, erklärt die Infrastruktur. Im Hintergrund eines der Hochleistungs-Kabel.
Im Datencenter: Ab hier hat jeder IWB-Kunde eine Privatleitung, die direkt in seine Wohnung führt.
Das ist möglich, weil die einzelnen Glasfasern dünner sind als ein Haar.
Bei Abzweigungen müssen die Fasern einzeln und punktgenau miteinander verbunden werden.
Das Ende einer langen Reise: Ein Glasfaser-Anschluss in einem Basler Wohnhaus.

Im Vergleich zu den massiven Wasserleitungen (links) sind die Glasfaser-Leitungen im Tunnel unter dem Rhein verschwindend klein (rechts, auf dem Bild kaum sichtbar). Dennoch transportieren sie unglaubliche Datenmengen. Über ein einziges dieser Kabel könnte gemäss IWB die ganze Stadt Basel gleichzeitig im Internet surfen.

Martin Toengi

Heute ist jedes Handy ständig online, ganz ohne Kabelverbindung. Aber trotz WLAN und Mobilfunknetz: Ohne Kabel geht im WWW gar nichts, erklärt Stefan Henz, Leiter des IWB-Datenzenters. Aber wo sind all die Kabel und wie kommen die Daten in die Schweiz? Die bz hat sich auf die Suche gemacht.

Station 1: Grenzübergang Weil-Otterbach. Hans Schmidlin und Jean-Pierre Zeyer öffnen einen unscheinbaren Versorgungsschacht. Sein genauer Standort muss geheim bleiben. Im Schacht befinden sich mehrere Rohre mit Glasfaserkabel, die den Endpunkt des IWB-Netzes bilden und an ein binationales Kabel angeschlossen sind, das wenige Meter ennet der Grenze in einen ähnlichen Versorgungsschacht eines Deutschen Anbieters mündet. Und von da über Frankfurt hinaus in die weite Welt geht (siehe Text unten). «Über dieses Kabel könnte die ganze Stadt Basel gleichzeitig im Internet surfen, so gross ist die Kapazität», sagt Henz. Doch wer jetzt ein riesiges Kabel mit grossem Durchmesser erwartet, der wird enttäuscht. Die Verbindungsleitung ist kaum dicker als eine Bratwurst und besteht erst noch grösstenteils aus einer schützenden Plastikummantelung. «Die hohe Kapazität des Kabels kommt von dessen inneren Werten – es besteht aus 144 einzelnen Glasfasern, die jede für sich eine riesige Menge Daten transportieren können.»

Wie E-Mails den Rhein unterqueren

Vom Schacht an der Grenze führt das Kabel unterirdisch zur Dreirosenbrücke, wo es tief in den Untergrund gelangt und in einem Leitungstunnel den Rhein unterquert. Der um die Jahrtausendwende erstellte, begehbare Tunnel hat im Gegensatz zum Glasfaserkabel gigantische Ausmasse: 290 Meter lang und mit einem Durchmesser von rund drei Metern verbindet er die beiden Basel – und beherbergt nebst dem winzig erscheinenden Glasfaserkabel auch zahlreiche andere Leitungen: Wasser, Strom, Gas und Fernwärme sowie von privaten Unternehmen genutzte Verbindungsrohre. «Allgemein kann man sagen, dass für die Glasfaser-Verbindungen viel an bereits bestehender Infrastruktur genutzt werden kann», sagt IWB-Sprecher Erik Rummer. «Geradezu ideal ist es, wenn bei früheren Installationen vorausgedacht worden ist und zusätzliche Leerrohre verlegt worden sind. Dann können wir die Glasfaser-Kabel durch die Leerrohre ziehen, ohne die Strasse erneut aufzureissen.»

Vom Rhein führt das Internet-Kabel weiter ins Gundeli oder in ein anderes Verteilzentrum, wo die einzelnen Fasern Stück für Stück «gespleisst» und mit Server-Racks verbunden werden. Ans «Spleissen» und abermalige Verbinden werden dabei höchste Anforderungen gestellt, denn die Glasfasern, die dünner als ein Haar sind, müssen punktgenau auf das entsprechende Anschlussstück passen. Damit das Licht, das in den Fasern die Information transportiert, möglichst ohne Verlust hindurchgelangt. «Das wird natürlich maschinell gemacht, aber dennoch muss jede Faser einzeln verbunden und mit hoher Temperatur verschweisst werden», sagt Zeyer.

Jeder Kunde hat eine eigene Faser

Das IWB-Datencenter ist auf der Verbindung Internet - Hausanschluss ein Schlüsselstück, denn von dort hat jeder Glasfaser-Kunde gewissermassen eine Privatleitung. «Egal wie viele Stockwerke ein Haus hat oder wie gross das Quartier ist: Aus jeder Wohnung führt eine einzelne Faser direkt bis zu uns», sagt Henz. Man könne sich das wie ein Fernrohr vorstellen, durch das man von zu Hause direkt ins IWB-Datencenter sehen könne. «Das ist der grosse Unterschied etwa zur Kanalisation: Dort vermischt sich das Wasser mit demjenigen des Nachbars und wird in immer grösseren Rohren zusammengefasst.» Bei der Glasfaser-Infrastruktur hingegen werden die Fasern zwar ebenfalls zu immer grösseren Kabeln zusammengefasst, aber immer exakt Faser für Faser. Wäre der Rhein ein Glasfaser-Kabel, würde sich also nicht das ganze Wasser aus tausenden Bergbächlein darin mischen und zusammen durch Basel in Richtung Rotterdam fliessen, sondern es wäre eine Ansammlung von unzähligen Röhrchen – für jedes Bergbächlein eines.