Hallenbad

Das Basler Hallenbad-Problem spitzt sich zu

Abends ist das Hallenbad Rialto noch voller als auf diesem Bild: Dann quetscht sich Körper an Körper.  zvg/dave joss

Abends ist das Hallenbad Rialto noch voller als auf diesem Bild: Dann quetscht sich Körper an Körper. zvg/dave joss

Das einzige öffentliche Basler Hallenbad wird der grossen Nachfrage nicht gerecht – doch der Kanton bleibt untätig. Und die Situation könnte sich nun sogar noch weiter verschärfen.

Wer abends ein paar Längen im Rialto schwimmen will, fühlt sich an einen Fisch in einem überfüllten Aquarium erinnert. Jede Länge wird zu einem Hindernislauf zwischen einer Masse von Leibern. Trotzdem steigen die Besucherzahlen. Im letzten Monat zählte das einzige öffentliche Basler Hallenbad 10860 Eintritte. Das sind 852 mehr als im Januar 2010. Die Nachfrage wäre noch grösser. Das überfüllte Becken schreckt aber viele Leute ab. Manche verzichten im Winter deshalb auf die Sportart. Andere weichen ins Baselbiet aus, etwa nach Muttenz. Dort ist der Platz im Becken aber ebenfalls knapp.

«Es hat viel zu wenig gedeckte Wasserfläche in der ganzen Region Basel», kritisiert Günter Hulliger, Präsident des Verbands Sport Basel. Jedes mögliche Becken werde belegt: «Alle Schulbäder und alle brauchbaren Bäder von Altersheimen und Hotels sind zu 100 Prozent ausgelastet.» Wo möglich, nutzen Vereine auch die Becken von Hotels, zum Beispiel jenes des Hilton. «Das Radisson hätte auch ein super Becken. Leider ist es nur für die Hotelgäste», bedauert der Sport-Basel-Chef.

Hallenbad Weiherweg vor dem Aus

Die Situation könnte sich nun noch weiter verschärfen. Mit dem Hallenbad Weiherweg beim Schützenmattpark steht ein beliebtes privates Bad vor dem Aus. Das 32 Grad warme Wasser richtet sich vor allem an Senioren und Schwangere. Von Vereinen und Institutionen ist es das ganze Jahr ausgebucht. Dennoch schreibt das Bad ein saftiges Defizit. Und nun muss es noch saniert werden. Die Besitzerin – das Bürgerspital – will das Therapiebad deshalb aufgeben.

Dagegen kämpft der frisch gegründete Verein Hallenbad Weiherweg. Das Präsidium hat Hulliger im Sinne einer «Anschub-Führung» übernommen. «Der Bedarf nach mehr Hallenbädern ist enorm. Und jetzt soll sogar noch eines zugehen – es ist eine Katastrophe», klagt er.

Kantone sehen den Bedarf, aber...

Für den Sportförderer ist klar, dass der Ausbau der Hallenbäder in der Region eine Staatsaufgabe wäre: «Schwimmen ist die gesündeste und beliebteste Sportart überhaupt. Und der Staat will ja Bewegung und Gesundheit eigentlich fördern.» Hulliger erwartet nicht nur einen Beitrag an die zwei Millionen, die das Hallenbad Weiherweg benötigt, sondern auch endlich ein Hallenbad mit einem 50-Meter-Becken. «Darüber reden wir in der Region Basel seit 50 Jahren und es hat sich seither überhaupt nichts getan.» Zuletzt scheiterte das geplante Ballondach über dem Gartenbad St.Jakob. Zur frustrierenden Hallenbad-Situation in der Region mag der Basler Sportamtschef Peter Howald nur noch wenige Worte sagen. Die Bedürfnisse seien ihm bekannt, doch die mit dem Kanton Baselland geprüften Möglichkeiten hätten sich allesamt zerschlagen: «Zur- zeit ist in beiden Kantonen kein Projekt aktuell, das realisierbar wäre.»

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