Gewalt ist der Ursprung und noch immer Kerngeschäft des Basler Männerbüros. Die private Institution berät Männer mit Konflikten in der Partnerschaft. Doch das ist längst nicht alles. Inzwischen sucht jeder Dritte Mann Hilfe in ganz anderen Fragen: Männer, die ihre Alimente nicht zahlen können, die ihr Arbeitspensum zugunsten der Familie reduzieren wollen, die um das Sorgerecht für ihre Kinder kämpfen. Das Bedürfnis nach Hilfestellung wächst, wie ein Blick in den Jahresbericht zeigt. Darin ist aber auch erkennbar: Die Beratungsstelle ist finanziell am Limit.

Vor Weihnachten war die Kasse so leer, dass das Männerbüro auf einen Notkredit des Kantons in der Höhe von 15'000 Franken angewiesen war. Doch das strukturelle Defizit beträgt 40'000 Franken, sagt Geschäftsführer Gaudenz Löhnert. SP-Grossrätin Kerstin Wenk forderte deshalb in einer Interpellation Gleichbehandlung von Männerbüro und Frauenberatung: Letztere erhält vom Staat einen jährlichen Beitrag von 380'000 Franken für jährlich rund 600 Beratungen. Das Männerbüro hingegen bezieht von Basel-Stadt nur projektbezogene Subventionen; zuletzt 40'000 Franken bei etwas über 400 Beratungen.

In ihrer Interpellationsantwort zeigte die Regierung wenig Gehör für die Anliegen des Männerbüros. Gewaltberatung sei nach wie vor der Schwerpunkt der Beratungsstelle und diese werde abgegolten, heisst es darin. Auf etwas anderes ging der Bericht kaum ein. Das Männerbüro sucht sein Heil in der Offensive. In einer Stellungnahme greifen Vorstand und Geschäftsführer die zuständige Gleichstellungsbehörde an. Sie sprechen von einer «krassen Ungleichbehandlung», einem «veralteten Rollenbild» und einer Amtsleiterin, welche die Ungleichbehandlung vertuschen wollte.

Auf Anfrage der bz kündigt Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann danach eine interdepartementale Arbeitsgruppe an, die «zusätzliche Unterstützung» zugunsten des Männerbüros prüfen soll.