Swiss TPH

Das Basler Tropeninstitut sucht neuen Standort und neuen Direktor

70 Jahre nach seiner Gründung steht das Schweizerische Tropen- und Public Health-Institut in Basel vor einschneidenden Veränderungen: Wegen akuter Platznot wird ein neuer Standort gesucht, und für nächstes Jahr braucht das «Tropeli» einen neuen Chef.

Im Hörsaal 1 hängt eine verstaubte Landkarte in der Ecke, von der Decke baumeln altmodische Dekorationsschlangen. Das einzige was in dem Raum noch strahlt, ist das blütenweisse Hemd von Marcel Tanner. Seit 17 Jahren ist er Direktor des Schweizerischen Tropen- und Public Health-Institut (Swiss TPH). Im Gegensatz zu ihm hat der Standort des Swiss TPH an der Socinstrasse jeglichen Glanz verloren «Eigentlich müsste man hier alles renovieren», sagt Tanner. Zudem sei der Standort der Swiss TPH zu klein geworden.

Der Platz reicht nicht mehr aus.

Der Platz reicht nicht mehr aus.

Zum Jubiläumsjahr des Instituts fand gestern eine Medienorientierung statt. Vor 70 Jahren wurde es von Rudolf Geigy gegründet. Mittlerweile arbeiten über 700 Mitarbeiter in 20 Ländern für das Swiss TPH. In Basel verteilen sich rund 600 Mitarbeiter auf acht Liegenschaften. Das Hauptgebäude der Swiss TPH platzt aus allen Nähten.

Fünf Bewerber für Direktorjob

Darum ist das Institut auf der Suche nach einem neuen Standort. Voraussichtlich wird dies das Areal Bachgraben in Allschwil sein. Scheitern könnte das Vorhaben höchstens noch an der Finanzierung. Ein geplanter Neubau würde rund 90 Millionen Franken kosten. Laut dem Institutssprecher, Christian Heuss, laufen derzeit «intensive Verhandlungen» zwischen dem Kanton Baselland und Basel-Stadt zur Realisierung des Gebäudes. Heuss hofft, dass man sich mit den beiden Kantonen noch dieses Jahr für eine Beteiligung an der Finanzierung einigen kann. Bis zum fertigen Neubau gehe es dann aber nochmals drei bis vier Jahre.

Beim Auszug aus den alten Räumen wird Tanner nicht mehr Direktor des Instituts sein, er wird nächstes Jahr pensioniert. Die Suche nach seinem Nachfolger hat bereits begonnen und geht jetzt in die letzte Runde. Die Stelle sei international ausgeschrieben worden, sagt Tanner. Die fünf besten Bewerber, die es in die Endrunde geschafft haben, treten am Freitag an einem öffentlichen Symposium auf. Sprecher Heuss sagt, bis im Herbst werde klar sein, wer der neue Direktor des Swiss TPH sein wird. Dass es keine Direktorin werde, sei jetzt schon klar, denn unter den vielen Bewerbungen sei leider keine einzige Frau dabei gewesen, so Tanner.

Anlässlich ihres 70 jährigen Jubiläums schaut das Institut nicht nur in die Zukunft sondern auch nach hinten, in die Vergangenheit. Durch Lehre und Forschung, aber auch durch Gesundheitsdienstleistungen sollte das Institut einen Beitrag an die Verbesserung der Gesundheit leisten. «Diesem Credo sind wir bis heute treu geblieben», sagt Tanner. Aus einem auf Tropenkrankheiten spezialisierten Kleininstitut ist ein Wissenschaftsbetrieb geworden. Auf den beiden grossen Forschungsgebieten Malaria und Tuberkulose konnte das Swiss TPH wichtige medizinische Beiträge leisten. Der Umsatz ist auf jährlich 72 Millionen Franken gestiegen. Dabei tragen Bund und Kanton Basel-Stadt rund 17 Prozent der Mittel bei. Die restlichen Beträge erwirtschaftet das Institut aus Drittmittel.

In dem Buch «Streiflichter zur Geschichte des Schweizerischen Tropeninstitut», das zum 70-jährigen Jubiläum erschienen ist, steht auf einer der ersten Seiten ein Zitat: «Nicht was der Zeit widersteht, ist dauerhaft, sondern was sich klugerweise mit ihr ändert.» Tanner wisse nicht, von wem dieses Zitat stamme. Er sagt aber, dass es das Swiss TPH sehr treffend beschreibe.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1