Altlasten hat das alte Volkshaus dem neuen Volkshaus genügend überlassen. Vor exakt zwei Jahren wurde das altehrwürdige Gebäude am Claraplatz total renoviert und unter neuem Management wiedereröffnet. Aus dem einstigen Gastro-Sorgenkind ist ein durchgestyltes In-Lokal mit Brasserie, Barbetrieb und Café geworden.

Mit dem schlechten Ruf von früher hat Geschäftsführer Martin Reinshagen aber immer noch zu kämpfen. «Früher haben Gruppen für ein Essen reserviert und standen dann vor verschlossenen Türen», erzählt er an der Medienkonferenz vom Freitag mit einem Gesichtsausdruck, als könne er das selber kaum glauben. Wegen dieser Reputation sei es anfangs schwierig gewesen, gutes Personal zu finden.

Tempi passati: Die Bar und das Restaurant sind längst Szene-Beizen geworden. Während der Art Basel werden schillernde Partys geschmissen. Die von den Architekten Herzog & de Meuron entworfenen Räumlichkeiten ziehen Architekturtouristen aus der ganzen Welt an. Wenn man den Bankett-Betrieb dazuzählt, habe man letztes Jahr pro Tag im Durchschnitt 700 Gäste bedient. Und wie sehen die Geschäftszahlen aus? «Wir sind noch nicht in sicheren Gewässern», sagt Verwaltungsrat und «Säckelmeister» Adrian Hagenbach. Das letzte Jahr sei «aus Start-up-Perspektive» sehr erfreulich gewesen. Konkreter wird er nicht.

Das Volkshaus-Management streitet nicht ab, dass im anfänglichen Übermut nicht alle Ideen gefruchtet hätten. Vor allem im Event-Bereich: «Der Festsaal ist zu gross für kleine Bands», sagt Hagenbach. Lokale Basler Gruppen hätten teilweise gerade mal 20 Nasen angezogen. Neu arbeitet das Volkshaus deshalb mit der Zürcher Konzertagentur Gadget zusammen, welche Künstler wie Stress, Baschi oder Ira May unter Vertrag hat und zuletzt den Star-DJ Paul Kalkbrenner in die Joggeli-Halle brachte. Ziel seien acht bis zwölf Konzerte bekannter Künstler im Festsaal. Basler Musiker sollen dann als Vorbands auftreten. Apropos Events: Auch ein Volkshaus-Club für rund 200 Tanzwütige ist geplant. Vorgesehen ist dieser im Gewölbekeller am Schafgässlein. Noch stehen aber Hindernisse im Weg: Allenfalls muss umgebaut werden. Wann im Volkshaus die DJs einziehen, ist deshalb noch unklar.

Viel weiter fortgeschritten sind die Pläne für den Hotelbetrieb. Weil der Kanton im Kopfbau des Gebäudes Büros räumt, gibts Platz für rund 40 Zimmer. Baueingabe ist im Sommer. Läuft alles nach Plan, eröffnet das Stadthotel im Spätherbst 2015. Das neue Gästehaus soll «Drei-Sterne-Plus»-Standard haben und explizit als Stadthotel vermarktet werden. Dadurch, so hoffen die Volkshaus-Betreiber, würden die Gäste auch mal in Kauf nehmen, wenn es im Biergarten im Volkshaus-Innenhof mal ein bisschen lauter wird. Das wird es diesen Sommer nämlich garantiert. Das Volkshaus zeigt alle Spiele der Fussball-WM live.

«Wir haben in den letzten zwei Jahren viel gelernt», fasst Geschäftsführer Martin Reinshagen zusammen. Dazu gehört auch, dass einiges nicht in den Händen des Managements liegt. «Manche Grossbasler trauen sich immer noch nicht ins Kleinbasel», sagt er. Die Sicherheit ennet des Rheins sei immer wieder Thema bei den Gästen. Das zeigt immerhin: Das neue Volkshaus ist im Kleinbasel angekommen.