Es war das bisher stärkste bekannte Beben in Mitteleuropa. Heftige Erdstösse liessen am 18. Oktober 1356 liessen in Basel die oberen Fassadenteile ganzer Häuserfluchten einstürzen. Auch teile der Stadtmauern, des Münsters und anderer Kirchen brachen zusammen. In vielen Teilen der Stadt begannen Feuer zu wüten. Gleichzeitig stauten die Schuttmassen den Birsig und den Rümelinsbach. Die Wohngebiete zwischen Barfüsserplatz und Schifflände wurden überflutet.

Auch ein Eckturm der mittelalterlichen Stadtmauer wurde damals stark beschädigt. Teile der Aussenmauer rutschten in den Stadtgraben. Eine neu konzipierte Informationsstelle der Basler Kantonsarchäologie beim Lohnhof hilft, die Dimension dieser Katastrophe nachzuvollziehen. Die Trennlinien zwischen abgestürzten und stehengebliebenen Mauerteilen seien heute noch an den Wänden im Lohnhofeckturm abzulesen, meldet das Präsidialdepartement.

Die Archäologische Bodenforschung stattete die Infostelle mit einem neuen Beleuchtungskonzept und Informationstafeln aus. Eine digitale Rekonstruktion des Stadtmauerturms zeigt zudem das Ausmass der Zerstörung und ermöglicht Besuchern, sich vor Ort ein Bild von den Erdbebenschäden zu machen. Die neue Beleuchtung lasse den Aufbau der Turmmauern besser verstehen und ermögliche, den Unterschied zwischen dem Mauerwerk vor dem Erdbeben und den Reparaturstellen von 1358 zu erkennen.

Nach dem Beben war rasch mit dem Wiederaufbau begonnen worden. Die meisten Kirchen wurden ab etwa 1360 wieder betrieben und die schlimmsten Schäden waren bis um 1370/80 behoben. Auch der besagte Eckturm war bereits zwei Jahre nach dem Beben wieder repariert und vom Erdgeschoss an komplett neu aufgebaut. Das zeigen Jahrring-Analysen der Holzbalken der Erdgeschossdecke. (bz)

Schlüssel für den Besuch der Archäologischen Informationsstelle «Basel 1070 – 1358 n. Chr.: Mittelalterlicher Stadtmauerturm» sind am Kohlenberg im Museum für Musik im Lohnhof sowie bei der Archäologischen Bodenforschung am Petersgraben 9 erhältlich.