Aufgrund des argen Besucherschwundes am Berlin Tattoo in den letzten Jahren rief Oberst Dr. Michael Schramm, der Leiter Militärmusikdienst der Bundeswehr, bei Erik Julliard um Hilfe. Der erfolgreiche Produzent des Basel Tattoo fungierte somit im 2011 erstmals als Rettungsanker - vor anderthalb Wochen tat er dies zum zweiten Mal.

Berliner Budget ist zu klein

Doch auch für ihn ist es nicht einfach, das Tattoo in Berlin auf Vordermann zu bringen. Die Show sei vollends gelungen, der musikalische Auftritt hätte nicht besser laufen können und die Zusammenarbeit mit Berlin sei sehr gut gelaufen, blickt er zufrieden zurück.

Allerdings bereitet ihm ein anderer Fakt Bauchschmerzen, denn: Das Spektakel zu Gemühte geführt haben sich an den drei Aufführungstagen «nur» 20'000 Besucher. «Das ist zu wenig», betont Julliard.

Er hat nämlich Grosses vor in Berlin. «Ich will, dass das Berlin Tattoo denselben Erfolg feiert, wie das Basel Tattoo.» Julliard möchte ein musikalisch hochstehendes Programm bieten. Aber mit dem vorhandenen Budget von 1,8 Millionen Euro, sprich 2,4 Millionen Franken, könne er das nicht schaffen.

Militärische Auftritte sind in Berlin heikel

Warum die Stadt an der Spree kein grösseres Interesse zeigt an dem Spektakel in der 02-World-Halle, kann sich Julliard nur ansatzweise erklären. Die Stadt leide wohl an einem Überangebot. Und: «Berlin ist riesig die Logistik für solche Programme dementsprechend aufwendig.»

Hinzu komme möglicherweise die Verarbeitung der Nachkriegszeit. Militärische Auftritte sind nicht bei jedem beliebt, findet das Berlin Tattoo doch traditionsgemäss am ersten November-Wochenende statt, dem Volkstrauertag für die gefallenen Soldaten des Ersten Weltkrieges.

Vor dem Basel Tattoo 2012 erklärte Julliard der bz: «In Basel organisieren wir jedes Mal eine Parade durch die Stadt.» In Berlin sei das nicht möglich. «Die Deutschen sind auf Militärmusik an der Öffentlichkeit sensibel», sagte er damals.

Marketing muss verbessert werden

Damit das Berlin Tattoo weiterhin unter der Führung von Basel Tattoo Productions veranstaltet wird, muss also einiges verbessert werden. Ziel ist es in einem ersten Schritt, mehr als 20 000 Tickets zu verkaufen. Julliard spricht von intensiverer Vermarktung. Die Halle selber würde sich nämlich hervorragend eignen für die Show. Unter anderem wird das Brandenburger Tor in Echtgrösse aufgebaut.

Steht eine Verbesserung der Situation nicht in Aussicht, sieht Erik Julliard nur einen Ausweg, der Ausstieg: «Mit diesen Zahlen sehe ich keine Zukunft.» Es ist also nicht sicher, ob es ein Berlin Tattoo 2013 unter der Führung von Basel Tattoo Productions geben wird. «Wir gehen über die Bücher, prüfen die Zahlen und entscheiden Anfang Jahr, wie es weitergeht.» Julliard will kämpfen: «Wir wollen das Berlin Tattoo durchziehen.»