Fotografien

Das Bild-Erbe der Hoffmanns – Fotoband dreier Generationen Basler Fotografen

Ein Band zur Basler Fotodynastie Hoffmann dokumentiert nicht nur Basler Geschichte, sondern auch die Geschichte des Mediums

Nein, eine nostalgische Rückschau auf das «verschwundene Basel» findet sich im Fotoband «Foto Hoffmann – Drei Generationen Basler Fotografen» nicht. Selbstverständlich haben Theodor (1860–1925), Carl (1883–1969), Hans-Peter (1926–1946) und Felix Hoffmann (1929–2016) auch die Stadt und was mit ihr durch die Jahrzehnte geschah, wie sie sich entwickelte, in faszinierenden Bildern festgehalten. Doch taten sie dies mit nüchtern-dokumentarischem Blick und immer mit höchstem Anspruch an Technik und Qualität der Aufnahme. In ihrem Atelier und ihrem Laden an der Clarastrasse, der heute noch in leicht veränderter Form existiert, geschah aber noch viel mehr als das: Es wurde Fotografiegeschichte geschrieben.

Viele Namenlose, einige Prominente

Das wird in diesem grandiosen neuen Buch dokumentiert. Chronologisch gesehen beginnt es gegen Ende des 19. Jahrhunderts und endet rund hundert Jahre später. Basel entwickelt sich in dieser Zeitspanne von einer Stadt mit viel Mittelalter und einer ganzen Skyline an Hochkaminen der chemischen Industrie zu einer Stadt der Hochkultur, der Pharma und der Dienstleistung. Mehrere Generationen von Menschen in verschiedensten Lebenssituationen werden von den Hoffmanns fotografisch eingefangen: in der Schule, bei der Arbeit, bei der Leibesertüchtigung, mit ihrer Grossfamilie, in ihrer Freizeit– oder ganz einfach im Porträtstudio an der Clarastrasse.

Es sind heute längst vergessene Menschen, aber den Hoffmanns liefen auch Prominente vor die Linse: Der deutsche Kaiser Wilhelm II. 1912 am Centralbahnhof, der damalige Berliner Bürgermeister und spätere Bundeskanzler Willy Brandt, als er 1963 die Stadt besuchte, oder die Tänzerin Josephine Baker (Bild rechts) bei ihrer Ankunft am Bahnhof 1932. Ein zauberhaftes Intermezzo sind die Bilder von Aufführungen am Basler Stadttheater, die zwischen den vierziger und den sechziger Jahren entstanden.

Lektion bei den Fotografen der Moderne

Es verändert sich aber nicht nur die Stadt, sondern auch das Medium Fotografie: Seine Möglichkeiten werden vielfältiger, es unterliegt immer mehr auch den Moden der Zeit, und die Spanne zwischen Gebrauchs-, Kunst- und Kommerzfotografie wird breiter. Das alles machen die drei Generationen Hoffmanns mit. Besonders eindrücklich sind die Bilder aus Industrie, Bau, Messe und Werbung. Es ist leicht zu erkennen, dass die Hoffmanns ihre Lektion bei den Fotografen der Moderne gelernt haben. Das Spiel mit kaltem, hellem Licht und dunklem Schatten, die Heroisierung von gestählten Körpern durch die Unterperspektive oder der Versuch, die Erhabenheit der Natur festzuhalten: Globale Trends in der Fotografie finden hier, im Basler Massstab und doch von internationaler Klasse, ihren Widerhall.

Tiefe Verwurzelung in der Heimatstadt

Dazwischen immer wieder: Basel und seine Traditionen, die Herbstmesse, die Fasnacht und der Vogel Gryff. Konstanten im steten Wandel und fotografisch nicht die Highlights der Werkschau, sondern eher der Beweis für die tiefe Verwurzelung der Fotografen in ihrer Heimatstadt.

Diese Verbundenheit hat vor einigen Jahren ihr konsequentes Ende gefunden: Die 400'000 Fotografien aus dem Erbe werden im Staatsarchiv Basel-Stadt aufbewahrt. Der «Verein zur Erhaltung des Fotoarchivs Hoffmann» hat nun dafür gesorgt, dass mit dem neuen Buch auch eine breite Öffentlichkeit vom Wirken von Theodor, Carl, Hans-Peter und Felix erfährt. Daraus entstanden ist schlicht der beste Fotoband aus Basel über Basel seit Jahren.

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Autor

Patrick Marcolli

Patrick Marcolli

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