Huningue
Das Biotechnikum von Novartis liegt im Ausland

Wegen der Proteste in Basel entschied sich Ciba-Geigy 1991, das Biotech im Elsass in Huningue zu bauen. Lange Jahre stand es leer, jetzt läuft die Produktion gut und die Investition hat sich gelohnt.

Peter Schenk
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Zwischen 2009 und 2014 hat Novartis insgesamt 35,7 Millionen Euro in das Biotech in Huningue investiert.

Zwischen 2009 und 2014 hat Novartis insgesamt 35,7 Millionen Euro in das Biotech in Huningue investiert.

ZVG: Novartis

Im Dezember 1991 hatte Ciba-Geigy endgültig die Nase voll. Obwohl eine Baugenehmigung vorlag, entschied der Konzern, sein ursprünglich in Basel geplantes Biotechnikum im Ausland zu bauen. Die Kritiker der Gentechnologie hatten sich durchgesetzt. Ob es ein Sieg war, mag dahin gestellt sein, kam das neue Biotech doch nur wenige hundert Meter von der Grenze in die Industriezone des elsässischen Nachbarorts Huningue zu stehen; in die Nähe einer anderen Pharma-Fabrik des Konzerns, die sich dort seit 1964 befand.

Baubeginn war 1993 und fertig war das Gebäude 1996. Bis die Produktion aufgenommen werden konnte, sollte es allerdings bis 2005 dauern. Grund dafür war der Flop mit dem Blutgerinnungsmittel Hirudin, das in Huningue produziert werden sollte. Der Markt dafür war ursprünglich auf jährlich 500 Millionen Franken geschätzt worden. Als klinische Tests zeigten, dass das Medikament nicht so wirksam wie erhofft war, entschied Ciba-Geigy 1996, auf die Hirudin-Herstellung in Huningue zu verzichten.

Gebäude war fast fertig

Das Aussengebäude war so gut wie fertig, aber mit dem Einbau der Apparaturen war noch nicht begonnen worden. Einige Jahre stand der Bau leer, bis Novartis, 1996 aus der Fusion von Ciba-Geigy und Sandoz hervorgegangen, mit dem Asthma-Medikament Xolair im Jahr 2000 einen Nachfolger für Hirudin fand.

Hergestellt wird es mit gentechnisch veränderten Ovarzellen des Chinesischen Hamsters. Xolair wurde erstmals 1995 in grösserem Umfang in den Produktionsanlagen von Genentech in Kalifornien (USA) produziert. Das Biotech in Huningue wurde 2005 nach dem Einbau der für die Produktion von Xolair benötigten Anlagen eingeweiht. Umbauten am Gebäude waren nicht nötig. Die Investitionen beliefen sich laut Novartis zu diesem Zeitpunkt auf 200 Millionen Euro. In der Schweiz verfügt Novartis über keine biopharmazeutische Produktion.

Genentech, das heute vollumfänglich zu Roche gehört, produziert Xolair für den US-amerikanischen Markt, Novartis beliefert Europa und den Rest der Welt. Anfangs stellten 100 Mitarbeiter in Huningue pro Jahr eine Tonne Xolair her. Der gesamte Herstellungsprozess dauerte rund zwei Monate und erfolgte in einem geschlossenen Kreislauf in sechs parallel arbeitenden Produktionslinien. Die Produktion von Xolair lief zu Beginn im westlichen Kubus des Biotechnikums, der östliche blieb leer.

Mittlerweile ist die Zahl der Beschäftigten auf 426 angewachsen. Sie arbeiten in Schichten, da der Produktionsprozess niemals angehalten werden darf. Im Februar 2014 führte das zu Problemen, da durch einen Streik der Mitarbeiter von BASF die Energieversorgung der Industriezone, in der sich beide Betriebe befinden, für vier Tage unterbrochen wurde. Novartis arbeitet deshalb daran, das Biotechnikum energetisch autonom zu machen.

Fünf statt nur ein Medikament

Heute produziert der Standort nicht mehr nur Xolair, sondern fünf Medikamente. Drei davon sind bereits auf dem Markt: Neben dem Asthmamittel Xolair handelt es sich um ein Medikament, das bei autoinflammatorischen Krankheiten hilft, die eine genetische Grundlage haben und ein Mittel, dass das Risiko der Organabstossung nach einer Nierentransplantation reduziert. Ein weiteres gegen Hauterkrankungen befindet sich im Genehmigungsverfahren und ein Mittel zur Behandlung von degenerativen Muskelerkrankungen ist in der Phase der klinischen Tests.

30 Prozent mehr Produktion

Zwischen 2009 und 2014 hat Novartis insgesamt 35,7 Millionen Euro in den Standort investiert und so seine Produktion im Jahr 2013 um 30 Prozent gesteigert.

Positiv war eine Entscheidung der Gesundheitsbehörden der EU und der USA vom Frühjahr 2014: Sie genehmigten Xolair bei der Behandlung der chronischen Hautkrankheit Nesselsucht, auch abgekürzt als CSU. Die Entscheidung der Schweiz steht laut der Novartis-Medienstelle noch aus. Die jährlichen Verkäufe von Xolair könnten durch die Entscheidung laut Zeitung «l'Alsace» von 613 Millionen Dollar (561 Millionen Franken) 2013 auf über eine Milliarde Dollar (916 Millionen Franken) im Jahr 2015 steigen.