Zwischen Walkeweg und Friedhof Wolf liegt ein Familiengartenareal mit heute 95 Parzellen auf einer ehemaligen Kiesgrube, die von 1900 bis 1946 aufgefüllt worden war. Offenbar wurde nach dem Brand eines benachbarten Petrollagers1935 Brandschutt deponiert, wie Ergebnisse einer Stichproben-Analyse vom Dezember 2016 vermuten lassen.

Diese Analysen erfolgten im Hinblick auf eine geplante Überbauung dort, wie der Stadtgärtnereichef Emanuel Trueb am Donnerstag vor den Medien sagte. Am selben Abend wurden die unerwartet unerfreulichen Ergebnisse und Konsequenzen den Gärtnern an einer Generalversammlung ihres Vereins offiziell dargelegt.

Bei risikobasierten Stichproben auf Basler Gartenarealen von 2009 sei der Dreispitz als wenig verdächtig eingeschätzt und nicht untersucht worden, sagte Stephan Adam vom Amt für Umwelt und Energie (AUE). Auf anderen Arealen seien damals die Schadstoffwerte in Ordnung gewesen, darum sei man hier über die sehr hohe Belastung vor allem mit Blei und PAK im Oberboden überrascht.

Vier Gärten gesperrt

Die auf Altlasten-Bundesrecht basierende Verfügung des AUE verbietet auf vier der 95 Parzellen per sofort die Nutzung für Gemüseanbau und macht für alle übrigen einschränkende Auflagen. Adressiert ist sie an Immobilien Basel-Stadt (IBS) als Eigentümer-Vertreterin; diese lässt nun die Stadtgärtnerei als Verpachtungsinstanz mit den Pächtern Lösungen aushandeln.

Trueb will alle Dreispitz-Gärten gleich behandeln, da angesichts der nur stichprobenweisen Analyse die genaue Schadstoffverteilung nicht ausreichend bekannt sei. Zentral sei, dass die Böden künftig nicht mehr offen liegen und nicht beackert werden, sondern eine geschlossene Vegetationsdecke Nutzer vor Schadstoffkontakt schützt.

Wer seinen Pflanzplätz nicht zum "grünen Wohnzimmer" umfunktionieren mag, dem werde bei der Umstellung beispielsweise auf Hochbeete oder Becken ohne Bodenkontakt und mit sauberem Inhalt geholfen, versprach Trueb. Die Kosten für den Kanton seien noch nicht bezifferbar; pro Garten könne man mit vielleicht 500 bis 700 Franken rechnen.

Pachten bis 2025

Der Kanton stehe in der Pflicht gegenüber seinen Pächtern, deren Verträge noch bis 2020 respektive 2025 gälten - danach wird gebaut. Die Dreispitz-Gärten sollten mit den angedachten Massnahmen "bis am Schluss" noch "attraktiv bleiben", sagte Trueb weiter. Jetzt gehe es darum, ein bekannt gewordenes Risiko auszuschliessen.

Ob und inwiefern langjährige Pächter mit dem Verzehr von Gemüse ihre Gesundheit gefährdet haben, konnte Adam nicht präzisieren. Es gebe Kalkulationen für Gemüsebelastungen je nach Bodenbelastungen, doch es komme auch drauf an, wer wie viel wovon gegessen hat. Besonders viel Stoffe binden etwa Knollengemüse wie Karotten oder Sellerie.

Für die eigentliche Altlastensanierung jenes Areals hatte die Basler Regierung im März 20,2 Millionen Franken zulasten der Staatsrechnung 2016 beschlossen. Davon sind 19,5 Millionen Franken als Rückstellung und 700'000 Franken als Wertverlust bezeichnet - nach der Sanierung soll der Wert des Grundstücks indes wieder steigen.