Bruderholz
Das Bruderholz-Spital wird es so bald nicht mehr geben

Die gemeinsame Strategie sieht neu eine Tagesklinik auf dem Bruderholz vor. Mit einem Dach für das Basler Unispital und das Kantonsspital Baselland soll das Kostenwachstum gedämpft und die Position der Region in der Hochschulmedizin gestärkt werden.

Hans-Martin Jermann
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Seine Tage sind gezählt: Das Bruderholz wird es als Spital mit stationärem Angebot bald nicht mehr geben, das Bettenhochhaus wird abgerissen. Martin Töngi

Seine Tage sind gezählt: Das Bruderholz wird es als Spital mit stationärem Angebot bald nicht mehr geben, das Bettenhochhaus wird abgerissen. Martin Töngi

Martin Toengi

Heute Montag werden die Gesundheitsdirektoren Lukas Engelberger (CVP, BS) und Thomas Weber (SVP, BL) öffentlich präsentieren, wie die Zusammenarbeit der beiden Basel in der Spitalpolitik künftig aussehen soll. Nachdem in den vergangenen Jahren namentlich Baselland auf eine eigenständige Strategie bei seinen Spitälern pochte, darf das, was Engelberger und Weber nun im Sinn haben, durchaus als kleine Revolution bezeichnet werden.

So sollen die beiden grossen öffentlichen Spitäler, das Universitätsspital Basel (USB) und das Kantonsspital Baselland (KSBL) mit ihren insgesamt 8500 Mitarbeitenden in einer gemeinsamen Spitalgruppe zusammengeschlossen werden. Dies geht aus der Medienmitteilung der beiden Regierungen hervor, die der bz am Wochenende vorab zugespielt worden ist. Die «Basler Zeitung» berichtete am Samstag – ohne klare Quellenangabe – bereits über die Pläne.

Wie diese neue «Spitalgruppe» aufgestellt wird, ist vorerst unklar. Die Regierungsräte vermeiden es, von einer «Fusion» zu sprechen, obwohl es womöglich darauf hinauslaufen wird. Man sei offen für eine spätere Beteiligung weiterer regionalen Partner in der Gruppe, heisst es in der Mitteilung weiter. Ziel des gemeinsamen Dachs für die ausgelagerten öffentlich-rechtlichen Spitäler ist eine Vermeidung von Doppelspurigkeiten – und damit eine Dämpfung des Wachstums der Spitalkosten – sowie eine Stärkung der Hochschulmedizin im immer stärkeren Wettbewerb unter den Schweizer Unispitälern. Die spezialisierte und hoch spezialisierte Medizin namentlich an den Standorten des Unispitals Basel sowie in Liestal sollen zusammengeführt werden.

Kanton könnte Land verkaufen

Die Bildung eines gemeinsamen organisatorischen Dachs sei deswegen nötig, weil erst damit eine Verbindlichkeit gewährleistet sei, um die erwähnten Ziele tatsächlich zu erreichen. «Wir haben eine gemeinsame Leistungserbringung der öffentlichen Spitäler vereinbart, um Investitionen zu bündeln und Überkapazitäten abzubauen», sagt der Basler Gesundheitsdirektor Lukas Engelberger gemäss dem Papier.

Allerdings: Das Bruderholzspital wird es gemäss den Plänen der beiden Kantone in seiner heutigen Form nicht mehr geben. Auf dem Bruderholz soll eine «Tagesklinik für operative und interventionelle Eingriffe» gebaut werden. Das stationäre Angebot wird nach Liestal und Basel verlegt, das heutige Bettenhochhaus aus den 1970er-Jahren abgerissen. Was Claraspital-Chef Peter Eichenberger vor Wochenfrist im Interview mit der bz prognostizierte, tritt also ein: Der Standort Bruderholz wird umgekrempelt. Der neue Kurzaufenthaltsstandort Bruderholz könne zur Entlastung des stationären Angebots in Basel und Liestal beitragen, womit man vermutlich das neue Klinikum 2 am USB redimensionieren könnte, folgerte die «Basler Zeitung». Aufgrund der Details in der Mitteilung Details ist dies wohl eine Fehlinterpretation.

Auf dem 55 000 Quadratmeter grossen Spitalareal, das dem Kanton Baselland gehört, werden Flächen an bester Wohnlage frei. Mit einem Verkauf der Flächen könnte der finanziell angeschlagene Landkanton auf einen Schlag mehrere Dutzend Millionen Franken lösen. «Eine weitere Chance, die es zu packen gilt», lässt sich Thomas Weber zitieren. Aus Baselbieter Sicht ist aber noch eine andere Aussage bedeutend: Der Standort Laufen bleibt bestehen, ein Spital mit ausgebauter Grundversorgung wird es aber kaum bleiben. Geplant ist ein «bedarfsorientiertes Gesundheitsnetzwerk».

«Bevölkerung wird profitieren»

Laut Regierungsmitteilung unterstützten die Verwaltungsräte von USB und KSBL die anvisierte Strategie ausdrücklich. Sie sind beauftragt worden, bis im Herbst 2016 Vorschläge zur Gestaltung einer gemeinsamen Spitalgruppe sowie ein Konzept für die neue Tagesklinik auf dem Bruderholz zu erarbeiten. Laut den beiden Regierungsräten bilden die politisch-strategischen Vorgaben den Auftakt zu einem längeren Prozess. Dass der nun eingeschlagene Weg der richtige ist, davon ist Thomas Weber überzeugt: «Diese Weg ist für beide Kantone besser als der Status quo. Die Bevölkerung in der ganzen Nordwestschweiz wird davon profitieren – qualitativ und finanziell.»