Spital Bruderholz
Das Bruderholzspital will Kritik aus Basel-Stadt nicht hinnehmen

In seiner Abschlussrede im Grossen Rat hat Daniel Goepfert das Bruderholzspital heftig kritisiert. Beim Kantonsspital Baselland, dem das Bruderholz angehört, stösst das sauer auf. Es beschwert sich in einem Brief gegen die Aussagen des höchsten Baslers.

Hans-Martin Jermann
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Baustelle Bruderholzspital: Sie gilt vielen als Symbol für den Alleingang des Baselbiets in der Spitalpolitik.

Baustelle Bruderholzspital: Sie gilt vielen als Symbol für den Alleingang des Baselbiets in der Spitalpolitik.

Martin Töngi

Sie hat in beiden Basel einigen Staub aufgewirbelt: die Schlussrede des abtretenden Grossratspräsidenten Daniel Goepfert (SP). Vor allem seine Ausführungen zur Spitalpolitik: «Im Interesse der beiden Kantone müssen heilige Kühe wie das Bruderholzspital notgeschlachtet werden», sagte Goepfert im Basler Grossen Rat.

Bruderholz: «Millionen verlocht»

In seiner Schlussrede hat Grossratspräsident Daniel Goepfert pointiert Kritik an der Baselbieter Spitalpolitik geübt. Nachstehend die zentralen Aussagen im Wortlaut: «Wenn wir (...) die kantonsüberschreitende Gesundheitsplanung anschauen, müssen wir von einer Katastrophe reden. Unzählige Millionen werden in Spitäler verlocht, die den einzigen Zweck haben, als Symbole einer falsch verstandenen Eigenständigkeit zu dienen. (...) Im Interesse der Zusammenarbeit und im finanziellen Interesse der beiden Kantone müssen heilige Kühe wie das Bruderholzspital notgeschlachtet werden.» (haj)

Die Rede finden Sie unter: www.grosserrat.bs.ch

Bruderholz: «Spital hat Zukunft»

Beim Kantonsspital Baselland, dem das Bruderholz angehört, kommen die Ausführungen des «höchsten Baslers» schlecht an: Solche Bemerkungen seien «unverständlich und unakzeptabel», schreiben Verwaltungsratspräsident Dieter Völlmin und Spital-Chef Heinz Schneider in einem Brief ans Grossratsbüro. In der Rede werde dem Bruderholzspital mit seinen 1600 Mitarbeitenden die Existenzberechtigung abgesprochen. «Das ist krass», findet Völlmin. Er ist überzeugt, dass das Spital eine Zukunft hat - und zwar mit einer gesunden Mischung aus Kooperation und Konkurrenz zu den Basler Spitälern. Unbestritten sei, dass ein Grossteil der hoch spezialisierten Medizin nur gemeinsam mit dem Universitätsspital Basel (USB) angeboten werden könne. «Wir müssen aber aufhören, unsere Spitäler zum Spielball der Politik zu machen», sagt Völlmin.

Notschlachten sei der falsche Begriff, urteilt Urs Müller, Präsident der Gewerkschaft VPOD, die auch Bruderholz-Mitarbeitende vertritt. Goepfert habe aber ein verbreitetes Unbehagen pointiert formuliert: «Dass in der regionalen Spitalplanung in den letzten Jahren einiges schiefgelaufen ist, schleckt keine Geiss weg», sagt Müller. Als Beispiele nennt er die gescheiterten Pläne für ein gemeinsames Geriatriezentrum auf dem Areal des Bethesda- und später des Bruderholzspitals. Nicht nur deswegen steht das Bruderholz symbolisch für den Alleingang des Baselbiets in der Spitalpolitik. Anstatt sich die Versäumnisse um die Ohren zu schlagen, fordert Müller zu einem gemeinsamen Vorgehen auf: «Die beiden Gesundheitsdirektoren Carlo Conti und Peter Zwick sollten nun kreativ werden», fordert Müller.

«Markt wird es schon richten»

Derweil plädiert GLP-Grossrat David Wüest-Rudin für Gelassenheit: Der Markt werde in den nächsten Jahren zeigen, welche Spitäler überlebensfähig seien. «Die Konkurrenz zwischen Bruderholz und Unispital hat mit Einführung der Fallpauschalen erst richtig zu spielen begonnen», analysiert Wüest-Rudin, der als Geschäftsführer im Gesundheitswesen tätig ist. Gleichwohl stelle sich die Frage, ob sich die beiden Kantone als Eigner grosser Spitäler konkurrenzieren oder die Gesundheitsversorgung gemeinsam planen wollen. «In der Regel geht es partnerschaftlich besser», urteilt er.