Wahlumfrage

Das bürgerliche Viererticket hat die Nase vorn, Rot-Grün muss Gas geben

So sähe unsere Regierung aus, würde heute gewählt.

So sähe unsere Regierung aus, würde heute gewählt.

Böses Erwachen: Nach zwölf Wohlfühl-Jahren müssen die rot-grünen Regierungskandidaten in die Offensive.

Es wäre ein Grund, die Korken knallen zu lassen. Doch die bürgerlichen Regierungskandidaten reagieren verhalten auf das Ergebnis der repräsentativen Umfrage von bz und «Tageswoche». Der Tenor: Die Umfrage sei eine «Momentaufnahme», es sei noch nichts gewonnen, zeige aber, dass der bürgerliche Schulterschluss funktioniere. Laut Umfrage würde SVP-Kandidat Lorenz Nägelin heute einen Hauch mehr Stimmen erhalten als seine grüne Gegenspielerin Elisabeth Ackermann. Das wäre nach drei links dominierten Amtsperioden in Folge ein bürgerlicher Erfolg.

Wie bei Neuen üblich, würde es Nägelin aber nicht schon im ersten Wahlgang schaffen. Anders der liberale Politiker Conradin Cramer: Er landet bei der Umfrage überraschend auf Platz zwei hinter Dauersiegerin Eva Herzog (SP). Deren Parteikollege Christoph Brutschin, der vor vier Jahren Nummer zwei war, kommt erst auf Platz drei vor CVP-Regierungsrat Lukas Engelberger.

«Boygroup» will weiter kämpfen

Nummer fünf wäre derzeit FDP-Regierungsrat Baschi Dürr, der es erstmals auf Anhieb schaffen würde – wenn auch knapp. Er war vor vier Jahren ein typischer Neuling: Im ersten Wahlgang erhielt er die nötigen Stimmen nicht, im zweiten Anlauf dann aber locker.

Cramer ist auch deshalb Umfragegewinner, weil er den alten Hasen Stimmen wegzuschnappen scheint und mit der Tradition bricht, als Neuer zuhinterst anzustehen. Zwar zweifelt niemand daran, dass er wirklich gewählt wird – mit dem zweiten Podestplatz hätte aber kaum jemand gerechnet. In Jubel bricht der Anwalt aber nicht aus. Er reagiert in Cramer-Manier besonnen: «Es zeigt, dass der Mehrheitswechsel möglich ist. Es ist aber knapp, und wir müssen den Wahlkampf wie bisher durchzuziehen.» Das sagen alle Mitglieder der «Boygroup», wie die Gegner die vier Bürgerlichen nennen.

Es stimmt: Eine bürgerliche Mehrheit wäre alles andere als selbstverständlich – zumal mit Nägelin erstmals ein SVP-Politiker auf dem Ticket der Bürgerlichen kandidiert. Eine Partei, die im sonst linken Basel einen schweren Stand hat. So sagt SP-Regierungsrat Hans-Peter Wessels denn auch: «Ich kann mir kaum vorstellen, dass eine Stadt wie Basel einen Vertreter jener Partei in die Regierung wählt, die nur auf Abschottung bedacht ist. Eine gestärkte SVP ist das Letzte, was unser Wirtschaftsstandort braucht.» Was seine eigenen Leute angeht, spricht Wessels von einem «schlechten Ergebnis». Dass er selber in den zweiten Wahlgang geschickt würde, würde jetzt gewählt, erstaunt ihn nicht: «Mein Departement polarisiert, da wir für sichtbare Bereiche wie Verkehrspolitik verantwortlich sind.»

Katerstimmung bei den Damen

Nicht sehr amused reagieren die Kandidatinnen vom Grünen Bündnis. «Das Resultat macht deutlich, dass die kommenden Wochen kein Spaziergang werden und dass jede einzelne Stimme zählt», sagt Elisabeth Ackermann (Grüne). Sie hofft, die Wähler von der Wichtigkeit eines grünen Vertreters und einer Frau in der Regierung überzeugen zu können. Spielerischer geht Heidi Mück (Basta) mit dem für sie schlechten Ergebnis um: «Mein erster Gedanke war: Du hast keine Chance, also nutze sie.» In etwas ernsterem Ton sagt sie: «Die Regierungsmehrheit droht zu kippen. Das macht mich etwas ratlos.»

Christoph Brutschin dagegen ist gar nicht überrascht: «Ich habe immer gesagt, dass wir uns warm anziehen müssen. Die links-grüne Mehrheit ist nicht zementiert», sagt er – und spricht damit aus, was andere wohl zu wenig ernst genommen haben. Das hat sich nun geändert. Von links bis rechts betonen alle: «Wir müssen Vollgas geben!»

Autorin

Martina Rutschmann

Martina Rutschmann

Meistgesehen

Artboard 1