Universität Basel
Das Caffè Bologna steht vor einer ungewissen Zukunft

Das Projekt ist einzigartig in der Schweiz: Studierende führen ihren eigenen Gastronomiebetrieb. Doch das Caffè Bologna steht vor finanziellen Schwierigkeiten. Das grosse Loch sollen nun externe Partner wieder schliessen.

Annika Bangerter
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Das Caffè Bologna ist vor allem über den Mittag und zum Sonntagsbrunch gut besucht.

Das Caffè Bologna ist vor allem über den Mittag und zum Sonntagsbrunch gut besucht.

Roland Schmid

Gross war die Euphorie als die Skuba, die studentische Körperschaft der Universität Basel, das Caffè Bologna gründete. In gemütlicher Atmosphäre werden Mittagsmenüs, eine Abendkarte, verschiedene – auch vegane – Gebäcke angeboten und kulturelle Abendanlässe organisiert.

Ein halbes Jahr nach der Eröffnung kämpfen die Betreiber jedoch um den Fortbestand des Caffè Bologna. Wie die «Basler Zeitung» und die «Tageswoche» vermeldeten, klafft ein grosses finanzielles Loch in der Kasse und mehrere Personen steigen aus unterschiedlichen Gründen aus dem Projekt aus. Wie die Geschäftsführerin der Skuba, Annina Brunner, erklärt, gibt es für das Caffè Bologna jetzt drei mögliche Zukunftsszenarien: «Die Liquidation, mit einem überarbeiteten Konzept und Partner weiterzumachen oder das Caffè Bologna einer anderen Organisation zu übergeben.»

Seit bekannt ist, dass das Caffè Bologna in Schwierigkeiten steckt, sind zahlreiche Unterstützungsangebote bei den Gründern eingegangen. «Wir freuen uns enorm darüber und möchten diese Hilfe unbedingt nutzen», sagt Brunner. Namen von möglichen Partnerschaften kann sie zurzeit nicht nennen. In diesen Tagen finden die ersten Treffen statt. Eine Lösung muss zwingend her. Ab dem 1. Juni fehlt dem Caffè Bologna der Koch. Bis Mitte Juli überbrückt die Betriebsleiterin mit einem Hilfskoch das personelle Loch; danach ist auch sie weg.

Entscheidung Mitte Juni

Entsprechend intensiv läuft hinter den Kulissen des Caffè Bologna die Zukunftsplanung: Der Studierendenrat hat den Betreibern den Auftrag erteilt, in den nächsten Wochen ein detailliertes Budget und einen Massnahmenplan vorzulegen. Auf dieser Basis entscheidet der Rat Mitte Juni über die Zukunft des Caffè Bologna.

Das mögliche Defizit im Jahr 2014 könnte erheblich ausfallen: Von rund 220 000 Franken ist die Rede. Brunner betont, dass dieser Betrag eine Hochrechnung sei, die keine der gegenwärtig diskutierten Massnahmen berücksichtige: «Bis Ende Jahr werden wir die Zahlen nicht bereinigt haben. Aber wir können das Schiff auf den richtigen Kurs bringen.» Die Universität Basel, die das Caffè Bologna mit einem Darlehen von 100 000 Franken unterstützte, steht für eine weitere Finanzspritze nicht mehr zur Verfügung. «Die Skuba hat entschieden, dieses Projekt zu lancieren. Sie muss jetzt auch die Verantwortung dafür tragen. Wir versuchen, sie aber bei der Optimierung der Betriebsorganisation zu unterstützen», sagt Matthias Geering, Leiter Kommunikation und Marketing der Universität Basel. Was für Folgen ein Konkurs des Caffè Bologna für die Skuba hätte, ist gemäss Brunner noch ungewiss.

Als Grund für die aktuelle Situation gibt Annina Brunner die fehlende Erfahrung der Betreiber und die verspätete Eröffnung an. Zudem seien die Investitionskosten höher ausgefallen als geplant: «Die Infrastruktur war eine Katastrophe. Wir mussten Böden, Decken, Elektrizität und Inneneinrichtung neu machen», sagt Brunner. Selbstkritisch erklärt sie: «Wir hätten die Mittel definitiv anders einplanen müssen.»

Für Maurus Ebneter, den Sprecher des Wirteverbandes Basel-Stadt, nichts Neues: Viele Quereinsteiger würden die schwierigen Rahmenbedingungen und die allgemein schwache Ertragslage in der Gastronomie unterschätzen. «Für Einsteiger ist das Risiko des Scheiterns sehr hoch. Der durchschnittliche Betreiber ist im Überlebenskampf.» Ebneter räumt aber ein, dass «wenn die Zahlen stimmen, diese für einen Betrieb dieser Grösse dramatisch wären».

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