Abendrot in Zermatt. Das Licht der untergehenden Sonne macht das Matterhorn zu einem Goldkegel. Ein schöner Winterabend im Wallis. Der Schein trügt: Spielplatz des Szenarios ist das Volkshaus im Kleinbasel. Die idyllische Abendstimmung ist projiziert auf eine übergrosse Leinwand, die Bühnenbildner geschreinert haben. Die Leinwand selber ist nichts Neues beim Charivari, die gab es in vergangenen Jahren bereits. Neu ist der Setzkasten davor, die verschiedenen Ebenen, auf die sich die Schauspieler begeben können.

Was spannend klingt, ist auch ein grosses Experiment, von dem man nicht weiss, ob es gelingen wird. Denn durch das Holzgerüst – eben den Setzkasten, wie Regisseurin Colette Studer das Gerüst nennt – fällt viel Platz auf der Bühne weg, der bisher genutzt werden konnte. Und der ist bei einer Fasnachtsveranstaltung Gold wert, nehmen die Requisiten und Kostüme doch meist eine enorme Fläche ein.

Aufgepasst vor dem Schattenwurf

Der Bühnenverantwortliche Daniel Uhlmann ist gefordert. Da die Leinwand permanent belichtet wird, darf wegen des Schattenwurfs nichts dahinter stehen und niemand durchlaufen, erklärte dieser an der gestrigen Medienkonferenz. Weiter müssen die grossen Teile der Bühnenbilder, wie zum Beispiel ein sperriges Teil des Spalentors, gut verstaut werden. Uhlmann jedoch nimmts gelassen: «Wir kriegen das schon irgendwie hin.»

Die Idee, vor der Leinwand einen Setzkasten aufzubauen, hatte Charivari-Regisseurin Studer noch während der Ausgabe 2015. «Ich hatte laut gedacht und schon war die Idee geboren.» Auf den verschiedenen Ebenen spielen sich nun die Geschichten ab, die Schauspieler sprechen Solo-Einlagen von oben herab und grosse Requisiten werden hinaufgehievt. Ebenfalls bespielt werden die beiden grossen Laternen links und rechts der Bühne. In diese könne man sich begeben und von drinnen agieren.

Was denken Schauspieler wirklich?

Colette Studer fasste gestern vor den Medien ihr neues Charivari zusammen mit den Worten: komplex, in sich abgeschlossen und aufwendig. Eine ihrer kreativen Ideen war es, dem Publikum aufzuzeigen, was im Kopf eines Schauspielers vorgeht, während er auf der Bühne steht. «Wir denken auf der Bühne nicht immer das, was wir sagen.»

Im Raamestiggli «Y dängg mi Sach ...» führen drei Schauspieler eben dies vor. In den Stiggli «dr Helgebueb» und «S isch halber Vieri ...» geht es um Protagonisten während der drey scheenschte Dääg. Der Junge, der während dreier Tage den Schnitzelbänklern hinterläuft, erzählt von seinem Job. Und im Setzkasten bereiten sich ein Tambour und ein Pfyffer in verschiedenen Wohnungen auf den Morgestraich vor. Der Eine hört Radio Basilisk, die Andere SRF.

Schränz-Gritte machen sich dünn

Mit dabei bei der Fasnachtsveranstaltung «uus em Volgg, für s Volgg» sind wie immer die Gugge Schränz-Gritte. Die 60 Mann gehören denn auch zu einer der Herausforderungen, wie Charivari-Teilnehmer unbemerkt auf die Bühne gelotst werden. Über den Hintereingang oder durch die engen Treppen rechts und links hinter der Bühne. Wegen ihrer grossen Anzahl muss zudem ein Teil der Guggemusiker durch den Saal laufen.

Zudem werden die VKB sowie die Pfyffergrubbe der Schäärede für die musikalischen Leistungen sorgen. Witzige Pointen platzieren die Schnitzelbängg Wanderratte und D Gwäägi. Und spontan für einen Auftritt entschieden haben sich die alte Garde der Top Secret und das Basler Männeroktett.

Charivari 16. bis 30. Januar Volkshaus, rund 400 Billetts sind noch erhältlich.
www.charivari.ch