Denkmalschutz
Das Chemie-Institut der Uni Basel darf abgerissen werden

Das Institut für Organische Chemie am St.Johanns Ring wird nicht unter Schutz gestellt. Die Entwicklungsmöglichkeiten der Uni seien wichtiger als der Erhalt einer Zweckbaute.

Patrick Rudin
Drucken
Teilen
Das Chemie-Institut der Uni Basel

Das Chemie-Institut der Uni Basel

Kenneth Nars

«Wenn Basel im Life-Sciences-Bereich in der Champions League sein will, dann muss man auch die Gebäude Champions-League-mässig aufbauen. Man kann nicht sagen, wir arbeiten in einem Forschungsinstitut von 1950 und wollen dennoch zu den Besten gehören», sagte Appellationsgerichtspräsident Claudius Gelzer gestern. Das Verdikt des Gerichtes bedeutet den Todesstoss für das Gebäude des Institutes für Organische Chemie an der Ecke St. Johanns Ring/Spitalstrasse: Im Januar 1953 wurde es eingeweiht; bald wird es der Gesamtüberbauung der Universität weichen.

Die Freiwillige Denkmalpflege sowie der Basler Heimatschutz wollten das Objekt retten und unter Schutz stellen. Der Basler Regierungsrat lehnte das im April 2015 ab: Für die Gesamtüberbauung des Areals wären die Folgen zu gross, zumal dann auch ein Umgebungsschutz mit starken Einschränkungen für den Neubau gelten würde. Für eine Erhaltung wären unverhältnismässig hohe Investitionen nötig. Und selbst dann wären die Räume nicht zeitgemäss. Das Dreiergericht bestätigte gestern diese Sicht und lehnte die Beschwerden der Denkmalschützer ab. Noch ist eine Beschwerde an das Bundesgericht möglich, die Überprüfungsbefugnisse des höchsten Gerichtes sind allerdings stark eingeschränkt. «Ein Weiterzug ist wohl aussichtslos», meinten einzelne Rekurrenten nach dem Urteil enttäuscht. Claudius Gelzer betonte in seiner Urteilsbegründung, dass durchaus äusserst rationale Überlegungen eingeflossen sind. «Es ist gar kein Problem, die ganze Forschung rasch nach Schanghai zu verlegen. Wir sind in einem Wettbewerb mit anderen Standorten.»

Die Richter hatten allerdings auch Zweifel, welche Nutzungen heute überhaupt noch möglich wären, wenn das Gebäude unter Schutz stehen würde. Alleine die Erdbebenertüchtigung würde hohe Kosten nach sich ziehen. Dazu kamen Brandschutzprobleme, die Fluchtwege des Hörsaales mit 270 Plätzen sind deutlich zu klein.

Auch die Grundstruktur der damaligen Laboratorien führe dazu, dass der ursprüngliche Zweck der Forschung hier nicht weiterführbar wäre. «Die Balkone, die dem ursprünglichen Zweck nicht mehr dienen, sind dann nur noch Schmuckelemente». Die Denkmalschützer hatten beispielsweise argumentiert, die Fluchtbalkone der Labors seien ein wesentliches Element, welches von der chemischen Industrie übernommen wurde und für die Forschung damals ein Novum war.

Ein Zeitplan für einen Abbruch ist noch nicht bekannt. So dient der Hörsaal mit seinen sprichwörtlichen Fensterplätzen auf die Spitalstrasse hinaus vorläufig weiterhin den Chemiestudenten. Christoph Tschumi, Verwaltungsdirektor der Uni, freut sich sehr über den Entscheid des Gerichts. Die Universität habe ein grosses Interesse an der vollständigen Entwicklung des Baufelds 4, um dort den Life-Sience-Cluster auf dem Campus Schällemätteli mit der Chemie und Physik sicherstellen zu können. Tschumi hofft nun darauf, dass mit der Planung zügig vorwärtsgemacht werden könnte.