Die Basler Spitäler investieren kräftig in ihre Zukunft: Ende Mai informierte das Universitätsspital, das führende Gesundheitszentrum der Nordwestschweiz, dass es über eine Milliarde Franken in ein neues Klinikum 2 und seinen Campus Gesundheit stecken wolle. Gestern nun kündigte das St. Claraspital als grösstes Basler Privatspital an, bis ins Jahr 2020 200 Millionen Franken in den Ausbau seines Standorts im Hirzbrunnen-Quartier zu investieren.

Für das Claraspital handelt es sich um die bedeutendste Erweiterung seit den 1980er-Jahren, wie Direktor Peter Eichenberger gestern vor den Medien ausführte. Strategisch soll der «grosse Wurf» helfen, dass das Spital seine Spezialitäten – das Tumor- und Bauchzentrum – weiterentwickeln und seine Stellung als Akutspital mit regionaler Ausstrahlung festigen kann. Die von Geschäftsleitung und Verwaltungsrat beschlossenen Vorhaben sind für die nächsten 20 bis 30 Jahre angelegt – also als Generationenprojekt anzusehen.

20 Prozent mehr Patienten in zehn Jahren

Das Spital braucht mehr Platz: So rechnet Eichenberger in den nächsten zehn Jahren bei den stationären Patienten mit einem Wachstum von 20 Prozent. Die Zahl der ambulanten Patienten soll im selben Zeitraum gar um 40 Prozent zulegen. Das Spital muss daher die Nutzfläche vergrössern. Die mit der neuen Spitalfinanzierung einhergehende Patientenfreizügigkeit hat 2012 zu einer starken Zunahme ausserkantonaler Patienten geführt – insbesondere aus dem Baselbiet. «Dieses Wachstum hat uns zusätzlich unter Druck gesetzt, den Ausbau rasch in die Wege zu leiten«, betont Eichenberger.

In einer ersten Bauphase, die bereits in den nächsten Monaten in Angriff genommen wird, soll der nördliche Bereich des Spitals an der Kleinriehenstrasse umgestaltet werden. Dies mit dem Ziel, die historische Fassade des Erstbaus von 1928 wieder stärker zur Geltung zu bringen (siehe Visualisierung oben). Mehrere Erweiterungsbauten, die im Laufe der Jahrzehnte erstellt wurden, und die hohe Umgebungsmauer werden abgebrochen. Dank der neuen Offenheit und der klaren Gliederung würden Eingang und Vorzone einladender wirken. «Der öffentliche Bereich vor dem Spital soll stärker genutzt werden können», sagt Spitalchef Eichenberger.

Weichen muss auch die heutige Kapelle, die dem ehemaligen Eingangsbereich, der sogenannten Marmorhalle, vorangestellt wurde. Eine neue, etwas kleinere Kapelle wird im Innern des Altbaus von 1928 errichtet. Neben dem neu gestalteten und vergrösserten Haupteingang wird ein Spitalcafé mit Aussenraum eingerichtet. Unter der grosszügigen Grünfläche vor dem Spital kommt die Küche.

Eigene Vorfahrt für den Notfall

Die zweite Ausbauetappe sieht ab 2016 vor, das Hirzbrunnenhaus im östlichen Teil abzureissen und durch einen mehrstöckigen Neubau zu ersetzen. Der architektonische Entwurf hierzu wird derzeit erarbeitet. Im ersten Stock werden für die Chirurgie acht Operationssäle gebaut. Untergebracht werden in dem Neubau zudem die Onkologie und das Onkologie-Ambulatorium. Die grosszügigeren räumlichen Verhältnisse erlauben eine klare Trennung von Notfall und geplanten Ankünften. So wird im nordöstlichen Bereich (auf der Visualisierung links) ab 2018 eine separate Notfall-Vorfahrt errichtet. «Das wird bei den Zu- und Abgängen der Patienten eine Beruhigung herbeiführen.»

Eichenberger ist vom Standort des Claraspitals mitten in einem Wohnquartier überzeugt. «Er ist für uns eine Stärke. Wir sind sehr gut per öV und Auto erreichbar.» Die Standortfrage werde alle paar Jahre einer kritischen Beurteilung unterzogen. Bei der Evaluation der nun vorgesehenen Ausbauschritte habe sich aber gezeigt, dass ein Neubau an einem andern Ort wesentlich teurer zu stehen käme. Auch glaubt Eichenberger, dass das Haus bei den Anwohnern akzeptiert wird. «Das Spital gehört zum Quartier.»