Basler Wahlen
Das Comeback des Ex-Kulturchefs: Michael Koechlin ist Neu-Grossrat

Guy Morins früherer Kulturbeauftragter Michael Koechlin ist für die LDP in den Grossen Rat gewählt worden. Er will sich für ein stärkere Förderung der Kultur einsetzen. Sparpotenzial sieht er in anderen Bereichen, etwa bei den BVB.

Andreas Maurer
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Michael Koechlin hat nicht vor, seinen Lebensabend am Cheminée-Feuer zu verbringen. Der 61-Jährige zieht in den Grossen Rat ein.

Michael Koechlin hat nicht vor, seinen Lebensabend am Cheminée-Feuer zu verbringen. Der 61-Jährige zieht in den Grossen Rat ein.

Martin Töngi

Offiziell hat sich der Basler Kulturbeauftragte Michael Koechlin vor knapp zwei Jahren «in gegenseitigem Einvernehmen» von seinem Chef Guy Morin getrennt. Im Wahlkampf hat sich der grüne Regierungspräsident jedoch nicht an die vertraglich festgelegte Formulierung gehalten. In einem öffentlichen Podiumsgespräch warf er Koechlin illoyales Verhalten vor: Dieser habe hinter seinem Rücken mit der Casino-Gesellschaft verhandelt. Inzwischen hat sich Morin schriftlich bei seinem früheren Mitarbeiter entschuldigt. «Die Aussage, die nicht wahr ist, hat mich sehr getroffen», sagt Koechlin. Für ihn ist die Angelegenheit mit der Entschuldigung aber erledigt.

Er empfiehlt seinen Ex-Chef nicht

Über Kulturpolitik werden Koechlin und Morin jedoch weiterhin einige Duelle führen. Für die LDP ist der 61-Jährige am Sonntag in den Grossen Rat gewählt worden. «Es ist nicht meine Absicht, gegen Morin zu politisieren», betont Koechlin. Kritik äussert er trotzdem - sehr diplomatisch formuliert. Für die Kampfwahl ums Regierungspräsidium empfiehlt er nicht seinen früheren Chef, sondern den FDP-Herausforderer Baschi Dürr. Ein Argument für Dürr: «Seine Aussagen sind sehr klar.»
Der junge FDPler solle die Chance erhalten zu zeigen, ob er der bessere Regierungspräsident als Morin sei. Als Kulturdirektor würde der als Staatsabbauer bekannte Dürr allerdings nicht auf Koechlins Linie politisieren.

Mehr Geld für Festivals und Museen erwünscht

Der frühere Kulturbeauftragte fordert mehr Geld aus der Staatskasse vor allem für zwei Bereiche: Festivals und Museen. Das Theaterfestival oder Culturescapes zum Beispiel müssten sich mit ausländischer Konkurrenz messen, die bedeutend mehr finanzielle Unterstützung erhalte. Und von den Museen verlange Basel viel, investiere aber relativ wenig. «Solange Basel die Kultur nicht stärker unterstützt, passt die Selbstbezeichnung als Kulturstadt nur bedingt.»

Eine interessante Konstellation: Es kommt selten vor, dass ein Liberaler mehr Subventionen für den Kulturbereich fordert als ein Grüner. Dazu möchte sich Koechlin nur mit einem Satz äussern: «Die Frage lautet: Wie geschickt kämpft Morin in der Gesamtregierung für mehr Geld?» Dies ist bereits in der Abgangserklärung vor zwei Jahren angeklungen, in der «grundsätzliche Meinungsverschiedenheiten bezüglich der zukünftigen Ausrichtung der Kulturpolitik und deren Finanzierung» als Trennungsgrund angegeben wurden.

Mehr Geld für Kultur zu fordern, ist einfach. Doch wo soll man sparen? Koechlin, der als Freischaffender im Bereich Kommunikation und Beratung tätig ist, hat eine klare Vorstellung: Abstriche würde er im Baubereich vornehmen. Als Erstes nennt er die Trams. Er versteht nicht, weshalb die BVB funktionstüchtige Trams ausrangieren. Darüber wundert sich der auf dem Bruderholz wohnende Koechlin etwa, wenn er in einem alten 16er-Tram unterwegs ist. Auch die digitalen Anzeigetafeln könne man sich seiner Meinung nach sparen: Das nächste Tram komme sowieso stets in wenigen Minuten. Und die Investitionen für die Umgestaltung des Spalenbergs oder des Münsterplatzes hätte Koechlin ebenfalls reduziert. Er findet keines dieser Projekte falsch, würde das Geld stattdessen aber lieber in Kultur und Bildung investieren.

Zu alt für Effekthascherei

Im Grossen Rat ist von Koechlin jedoch keine Vorstossflut zu erwarten: «Ich bin zu alt und zu erfahren, um impulsiv und effekthascherisch aufzutreten.» Die Aufgabe eines Parlamentariers vergleicht er mit jener eines Lektors, der die Bücher der Regierung - die Vorlagen - in einer wohlwollend kritischen Auseinandersetzung bearbeitet.

Koechlin, der 2002 unter LDP-Erziehungsdirektor Christoph Eymann Kulturchef wurde, ist übrigens erst seit dem vergangenen Wahlkampf LDP-Mitglied. Er wurde angefragt. Vor rund 30 Jahren beendete Koechlin seine SP-Mitgliedschaft. Heute ist ihm Eigenverantwortung wichtiger. Auch darüber stritt er mit Morin als Kulturbeauftragter: Koechlin sah seine Aufgabe als Ermöglicher, Morin hingegen mehr als Gestalter.