Im Rhein tobt derzeit ein erbitterter Verdrängungskampf. Vor einigen Jahren hat eine Invasion begonnen, die sich kaum mehr aufhalten lässt: Im Ballastwasser grosser Schiffe fuhren Schwarzmaulgrundeln schwarz in die hiesigen Gewässer. Deren Strukturen, geprägt vom menschlichen Hochwasserschutz, bot ihnen ideale Bedingungen. Sie breiteten sich sofort aus. An manchen Stellen, rechnet das Amt für Umwelt und Energie, kämen auf einen Quadratmeter zwölf Exemplare der Invasoren.

Nun soll es ihnen an den Kragen gehen. Im März erklärte der Bundesrat die kleinen Fische zur specie non grata: Die Haltung wurde bewilligungspflichtig, die Verbreitung ist strikt verboten, etwa beim unsachgemässen Säubern eines Bootes. Zudem ergreift nun auch der Kanton Massnahmen. Er setzt Killerfische aus, die den Grundeln ans Schuppenkleid sollen. «Insbesondere im Hafenareal setzen wir Zander und Hechte aus», sagt Paul Svoboda, Leiter Gewässerschutz beim AUE.

Diese sind natürliche Fressfeinde der kleinen Plagegeister. Auch der Kormoran, vor einigen Jahren noch als Hauptsorge der Fischer verschrieen, half in anderen Gewässern bei der Grundeldezimierung mit. Die Aussichten sind nicht gerade rosig: Mehrere Länder kämpfen mit den gleichen Problemen, ein Rezept gibt es bislang noch nicht.

Gut hinschauen! Hier taucht der Biber in Basel auf

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Rückschlag für Lachs-Rückkehr

Mit dem Siegeszug der Grundeln aber nimmt vor allem eine andere Thematik eine neue Wendung. Das Projekt der Lachs-Rückkehr erleidet einen Dämpfer. Bislang zielten die Bestrebungen vor allem in eine Richtung: Die Gewässer der Region verbinden, Fischaufstiege ermöglichen und dem Lachs Laichgebiete erschliessen. «Die Grundelplage hat eine völlig neue Ausgangslage geschaffen», sagt Jost Müller Vernier, Geschäftsführer vom regionalen WWF-Ableger.

«Inzwischen sind wir fast froh, dass es nicht so schnell voranging mit neuen Umwegen um Wasserkraftwerke.» Konkret die Birs, die Wiese aber auch der Rhein haben an einigen Stellen noch keine für die Fische optimalen Alternativen als der wenig aussichtsreiche Weg durch die Turbinen.

Dabei hatte sich auch Basel-Stadt während Jahren dafür eingesetzt, dass der Salm hier wieder heimisch wird. Nun sind auch die letzten Kraftwerke in Frankreich daran, einen möglichst lückenlosen Aufstieg vom Atlantik bis zu Ergolz, Wiese und Birs zu schaffen. «Die internationale Kommission zum Schutz des Rheins hat es sich zum Ziel gesetzt, den Lachs bis 2020 wieder definitiv anzusiedeln.

Wir sind optimistisch, dass dies gelingt.» Zwar haben in den vergangenen Jahren vereinzelte Exemplare für Aufsehen gesorgt. Diese sind aber vielmehr als einzelne Glückspilze zu verstehen, die aus dem enormen Besatz entsprungen sind und wundersam die Adoleszenz erreicht haben.

Müller Vernier sieht nun die Fischtreppen als Chance, die Grundeln einzudämmen. Lange wurde die Selektion der Fische an diesen Aufstiegsmöglichkeiten kritisiert, «nun könnte aber dies eine Chance sein, die Grundeln an ihrem weiteren Ausbreiten zu hindern», sagt er. Beim Kraftwerk Birsfelden etwa werden bereits Fischreusen in den Treppen eingesetzt. Allerdings vor allem, um die Wanderung der Fische zu beobachten.

Morgen findet um 18.30 Uhr im Unternehmen Mitte, 1. Stock, eine Podumsdiskussion zur Rückkehr des Lachses statt. Mehrere Experten beraten zudem Rezepte gegen die Grundelplage.