Expo Milano
Das Eisen im Spinat wurde in Basel entdeckt

Unter dem Motto «Spirito di Basilea» lernen die Besucher der Weltausstellung im Schweizer Pavillon, was in Basel erfunden wurde und heute noch weltweit eine grosse Bedeutung hat.

Muriel Mercier, Mailand
Merken
Drucken
Teilen
Basel an der Expo in Mailand
10 Bilder
Oder das Spalentor.
Sabine Horvath möchte mit der Ausstellung Basel in Norditalien bekannt machen.
Vollständig bereit ist die Ausstellung noch nicht.
Der Blick auf den Showroom von Ecuador.
Dieter Thiel hat die Ausstellung an der Expo Milano gestaltet. Er hat seine künstlerische Freiheit genossen.
Die Bauarbeiten sind noch im Gang.
Wussten Sie, dass das Eisen im Spinat in Basel entdeckt wurde?
Der Schweizer Pavillon besteht aus vier Silotürmen.
Dort sind zahlreiche thematische Anlässe und Kulturveranstaltungen geplant.

Basel an der Expo in Mailand

Muriel Mercier

Vier Türme ragen in den blauen Himmel. Sie sind grau. Der einzige Farbfleck beim einen: rote Apfelringli-Schachteln. Eine Brücke auf Holzpfeilern führt zum Silo. Es sieht gut aus für den Schweizer Pavillon: Lange dauert es nicht mehr, bis er fertig auf dem Expo-Gelände in Mailand steht. Im Gegensatz zu anderen – von den 145 Ausstellern werden sicher fünf bis zur Eröffnung am 1. Mai nicht komplett stehen.

Speziell für Basel: Die Stadt bekommt einen grossen Auftritt. In zwei Ausstellungen in den Sockeln der Silotürme werden Ereignisse und Innovationen, die hier ihren Anfang genommen haben, gezeigt. Die Themen haben die Welt verändert oder tun es noch, erklärt Sabine Horvath, Basels Leiterin für Aussenbeziehungen und Standortmarketing.

Im ersten Raum geht es um die Forschung. In der Mitte steht ein langer Tisch, gedeckt mit Teller und Becher. In der Mitte sind die Konturen der Comicfigur Popeye installiert. Es geht um Nahrungsmittel am Beispiel von Spinat. Denn die erste dokumentierte Nahrungsmittel-Analyse wurde in Basel von Gustav von Bunge durchgeführt (Details siehe Boxen). Muskelkraft dank Eisen und Vitamine fürs Leben.

Nietzsche als Büste auf Büchern

Ein zweiter Raum widmet sich der Wirtschaft. Die Syngenta beleuchtet die Herausforderung der Ernährungsgeschichte für eine stark wachsende Weltbevölkerung. Zwei Säulen gefüllt mit Mais und Soja zeigen die Auswirkungen auf die Nahrungskette. Im Jahr 2020 muss ein Hektar Land mehr als fünf Menschen ernähren, 1960 waren es zwei. In den Räumen drei und vier geht es um Geistesleben und Kunst. Friedrich Nietzsches Bücher sind als Turm aufgestapelt, obendrauf thront seine Büste. Der weltberühmte Philosoph hat viele seiner Schriften in Basel verfasst. Und zu guter Letzt stehen im vierten Raum Architektur und Design im Mittelpunkt. Eine farbige Sitzreihe trennt den schmalen Flur in zwei Teile. Es handelt sich um den bekannten Stuhl des dänischen Architekten und Designers Verner Panton.

Spielraum auf engem Raum

Für die räumliche Komposition der Basler Ausstellung ist Dieter Thiel verantwortlich, der in Basel Ausstellungen in der Fondation Beyeler oder dem Vitra-Design-Museum gestaltet. Er habe darauf geachtet, dass jeweils in der Raummitte ein Objekt steht. An den Wänden informieren Lichtkästen und gedruckte Texte zu den Themen. «Die Räume sind sehr eng. So konnte ich Licht hineinbringen.» Die Herausforderung der Ausstellung war, vorgegebene Themen zu installieren. «Normalerweise stelle ich Produkte aus. Hier hatte ich zur Umsetzung mehr Spielraum.» Man müsse spielen mit den Themen: «Den Pavillon besuchen keine Wissenschafter. Es werden ernste Inhalte behandelt, aber man darf sie nicht streng präsentieren.»

Das Zielpublikum für Sabine Horvath kommt aus Norditalien. Mit Basels Präsenz an der Expo möchte sie das Bewusstsein bei den Besuchern stärken, dass es die Stadt am Rhein gibt. «Viele kennen Basel, aber etwas zur Stadt erzählen können sie nicht», sagt sie. «Basel ist eine Kulturmetropole, ein Forschungsstandort und ein Architekturmekka. Basel hat Entdeckungspotenzial.»

Wissenschaft: Forschung macht stark

Im ersten Raum werden Erfindungen präsentiert, die in Basel generiert wurden und heute weltweit einen Namen tragen. Der Physiologe Gustav von Bunge (1844 bis 1920) erforschte den Eisengehalt von Lebensmitteln. Er war der Urheber der Annahme, Spinat wäre durch einen besonders hohen Eisengehalt dem Muskelaufbau förderlich. Aufgrund seiner Forschungsergebnisse wurde die Comicfigur Popeye erfunden. Bunge war Mitbegründer der Basler Chemischen Tradition. Als zweite Persönlichkeit wird Nobelpreisträger Tadeus Reichstein (1897 bis 1996) vorgestellt. Der Chemiker gelang die erste synthetische Herstellung von Vitamin C und das Extrahieren von Cortisol, dem Grundstoff von Kortison.

Wirtschaft: Innovation für mehr Nahrung

Umgeben von grünen Wänden geht es um die Herausforderung der Ernährungssicherheit. Das Agrarunternehmen Syngenta thematisiert die Bedeutung von Innovationen und Partnerschaften für die nachhaltige Weiterentwicklung der Landwirtschaft. Zwei Säulen, gefüllt mit Sojabohnen und Mais, veranschaulichen den Besuchern die Menge, die vor 50 Jahren im Vergleich zu heute benötigt wurde.

Architektur und Design: Die Welt nimmt Platz

Basel ist ein Mekka für Weltarchitektur. Bilder des Novartis-Campus mit Bauten von Diener und Diener, die Messehalle von Herzog & de Meuron, der Vitra Campus von Zaha Hadid sowie der Schwarzpark von Miller und Meranta beweisen die Bedeutung von Basel. Insgesamt sind es 13 Objekte, die es in Basel zu entdecken gibt. In der Mitte des Ausstellungsraumes stehen Panton-Stühle in zwölf Farben. Der Designer Verner Panton hat seinen Stuhl bei weltweit bekannten Museen vorgestellt, blitzte aber überall ab – ausser beim Vitra-Design-Museum.

Geistesleben und Kunst: Hungrig auf geistiges Schaffen

Im Fokus steht das Wirken des Philosophen Friedrich Nietzsche (1844 bis 1900). Dieser entwickelte an der Uni Basel seine philosophischen Thesen und verfasste erste Werke. In der Ausstellung hat Dieter Thiel auf einen Bücherturm Nietzsches Kopf als Büste gesetzt. Ein Schauspieler wurde beim Lesen von Nietzsches Texten aufgenommen. Die Aufnahme wird über einen Beamer auf Nietzsches Kopf projiziert, sodass es den Anschein macht, als ob er sprechen würde. Zudem hängt an der Wand das Bild «Die Toteninsel» von Arnold Böcklin. Es wurde in fünf Fassungen gemalt, die erste hängt im Basler Kunstmuseum. «Die Toteninsel» ist ein wichtiges Bildmotiv der europäischen Kunst.

Spirito di Basilea 1. Mai bis 12. Juni,
Programm auf www.basel.ch/milano2015.