Neben Mulhouse ist Basels französische Nachbarstadt Saint-Louis ein wenig das hässliche Entlein des Südelsass. Fachwerkhäuserromantik sucht man hier vergeblich, und auch moderne Architektur ist die Ausnahme.

Das soll jetzt anders werden. In den nächsten drei bis fünf Jahren sollen 1200 neue Wohnungen entstehen. Maire Jean-Marie Zoellé schätzt die Investitionen auf insgesamt 250 Millionen Euro. Gebaut werden sollen keine gesichtslosen Plattenbauten und Mietsilos – der Maire will qualitativ hoch stehende Architektur.

Zoellé sagt: «Wir haben einen Pflichtenkatalog für die Investoren definiert, der moderne, anspruchsvolle Bauten vorsieht. Wir wollen zeigen, dass auch im französischen Teil der Trinationalen Agglomeration Basel schön gebaut werden kann.»

Gebäude mit einem gewissen Charakter

Claude Di Giuseppantonio, Direktor des Investors Sodico aus Mulhouse, berichtet: «Der Maire hat uns nach unserem ersten Entwurf gedrängt, qualitativ hochstehender zu bauen. Gefragt waren Gebäude mit einem gewissen Charakter.»

So müsste sich das Hochhausprojekt «Alcazar» auch in Basel nicht verstecken. Die Zwei- bis Fünfzimmerwohnungen sind zwischen 42 und 160 Quadratmeter gross und kosten zwischen 165 000 Euro und 900 000 Euro. Bereits im November waren 70 Prozent davon verkauft, bezugsfertig sollen sie Anfang 2020 sein. Die Nähe der Schweiz ist wichtig für das Projekt.

Das sieht auch Anthony Blanchet so. Er ist bei Immobilière K, ebenfalls aus Mulhouse, zuständig für ein weiteres grosses Immobilienprojekt in Saint-Louis. Der «Iroko» getaufte geschachtelte, avantgardistische Bau erinnert ein wenig an das Vitra Haus von Herzog & de Meuron in Weil am Rhein. Die weit überhängenden Balkone sind begrünt. «Iroko» wurde auf Wunsch der Stadt von ursprünglich 150 geplanten Wohnungen auf 105 reduziert, damit mehr Raum für Grünflächen bleibt. Fertig sollte es Anfang 2021 sein.

Der französische Staat gewährt erhebliche Steuererleichterungen

Die Hälfte der Kaufinteressenten besteht aus Grenzgängern. Als potenzielle Käufer sieht Blanchet auch die Expats. Häufig melden sich Pensionierte, die ihr Haus auf dem Land verkaufen wollen, um wieder in die Stadt zu ziehen. Das stellt auch Maire Zoellé fest: «Die Leute kommen zurück, weil das Leben im Zentrum einer Stadt attraktiver und unkomplizierter für sie ist.»

Wie bei «Iroko» interessieren sich auch für «Alcazar» viele Grenzgänger, aber auch Schweizer und Deutsche. Beide Projekte sind in der Nähe des Bahnhofs von Saint-Louis. Dort befindet sich die Endstation des 3er-Trams. Ausserdem gibt es gute S-Bahn-Verbindungen zum Bahnhof St. Johann und zum Basler Bahnhof SBB. Di Giuseppantonio sieht «Alcazar» mittelfristig in einem grosszügigen Umfeld mit Parks, internationaler Schule und vielen Geschäften und Praxen.

Wegen der Wohnungsnot unterstützt der französische Staat Investitionen in Wohnraum in Städten mit zu wenig Wohnungen durch erhebliche Steuererleichterungen. So sieht das Gesetz Pinel vor, dass ein Investor bis zu 63'000 Euro von der Steuer abziehen darf. Die Bedingung dafür ist, dass er nicht selber in der Wohnung zieht und die Miete eine Obergrenze nicht überschreitet. Im Südelsass gilt das Gesetz für Mulhouse und die Städte Saint-Louis und Huningue.

Beide Nachbarstädte Basels rechnen mit erheblichem Bevölkerungswachstum. So soll Saint-Louis statt heute 20'000 im Jahr 2030 25'000 Einwohner haben. Im kleineren Huningue (siehe Text unten) geht Maire Jean-Marc Deichtmann von 9000 im Jahr 2030 aus. Heute hat das Städtchen 7200 Einwohner.