Basel-Stadt

Das Ende eines Immobilienschrecks: Immro AG steht in Liquidation

Saniert, aber noch nicht als Stockwerkeigentum verkauft: Haus an der Pfeffingerstrasse 85.

Saniert, aber noch nicht als Stockwerkeigentum verkauft: Haus an der Pfeffingerstrasse 85.

Die umstrittene Immro AG steht in Liquidation – mit unbestimmten Folgen für die Kunden.

Das System funktionierte über 20 Jahre lang: Die Luzerner Immobilienfirma Immro AG der Familie Rölli kaufte in Basel und Umgebung ältere, sanierungsbedürftige Mehrfamilienhäuser mit einer Handvoll Mietern. Diese verloren alsbald ihre Wohnung; die einen kündigten nach gutem Zureden, die anderen mit einem Check in der Hand, wieder andere sahen sich in die Flucht geschlagen, nachdem das Haus in eine Baustelle mit ungewissem Ausgang verwandelt worden war.

Die Röllis hübschten die leergeräumten Liegenschaften günstig auf und brachten sie als bezahlbare Eigentumswohnungen wieder auf den Markt, wiederkehrende Klagen über Bauschäden inklusive. Doch nun ist Schluss, das Bezirksgericht Willisau hat die Firma Mitte September in Liquidation gesetzt.

Es war zunächst eine Formalie, die das Kartenhaus zum Einsturz brachte

Im März dieses Jahres verstarb Robert Rölli, der Patron der Familie. Vom luzernischen Schötz aus betrieb er das Geschäft mit der Immro AG, die Häuser und Wohnungen verkaufte, sowie mit der parallel geschalteten Stadthaus AG, die als Generalunternehmerin kostensparend sanierte.

Zuletzt war Robert Rölli einziger Verwaltungsrat der Immro AG. Eine Firma, für die niemand mehr verantwortlich zeichnet, wird von Amtes wegen liquidiert.

Kritik an der Immro AG wurde schon 1998 publik

Bei der Stadthaus AG trat Sohn Stephan nach Robert Röllis Tod dem Verwaltungsrat bei. Doch ohne funktionierende Immro AG scheint auch die Stadthaus AG nicht floriert zu haben. Eine Woche nach der Liquidation der Immro AG setzte der Bezirksrichter die Stadthaus AG in Konkurs. Stephan Rölli sagt auf Anfrage, er dürfe dazu nichts sagen.

Die Immro AG war vor allem in der Region Basel aktiv, wo Roberts Bruder und dessen Schwager das Geschäft betrieben. Bereits 1998 findet sich ein erster Zeitungsartikel, der das Gebaren der Firma kritisch würdigt. Die Immro AG stand zwar immer wieder vor den Schranken der Mieterschlichtungsstelle, doch jene des Gerichts wusste sie mit Geschick zu vermeiden.

Diverse Baumängel sind bekannt

Vor allem, wenn Käufer von Wohneigentum Mängel mit juristischem Nachdruck geltend machten oder der Firma den Pranger der Öffentlichkeit androhten, zeigte sich die Immro AG kulant. Sei es durch eine Pauschalabgeltung von bis zu einer halben Million Franken, sei es mit dem Angebot, den Kauf der Eigentumswohnung rückgängig zu machen. Alleine die bekannten Baumängel sind eindrücklich: fehlerhaft eingebaute Fenster, Schimmelbildung, ein schadhaftes Dach, dem ein zweites aufgeschnallt wurde.

Nicht aufgegangen ist die Rechnung mit einer Liegenschaft im Basler Gundeldinger-­Quartier. Die Mieter wehren sich seit 2017 gegen ihren Rauswurf bis vor Appellationsgericht, das die Kündigungen als missbräuchlich taxierte. Im Urteil kommt das Taktieren zum Ausdruck, um mit wechselnden Begründungen eine Leerung der Liegenschaft zu erreichen.

Die Gewährleistungen sind wohl nicht mehr gesichert

Nach einer aktuellen Zusammenstellung des Konkursamts Luzern besitzt die Immro AG in der Region derzeit noch drei Immobilien. Darunter ist auch das Haus im Gundeli, das nach dem Widerstand nicht nach dem üblichen Schema abgewickelt werden konnte. Bei einer Verwertung fliesst der Netto-Verkaufserlös in die Liquidationsmasse. Leer wird wahrscheinlich die Kasse bei der Stadthaus AG bleiben. Dies wird wiederum Konsequenzen für jene Kunden haben, die eine Immro-Wohnung erworben haben, deren allfällige Garantie- und Gewährleistungen jedoch von der Stadthaus AG erfüllt werden müssten.

Im Basler Immobiliengeschäft sind die Röllis aber weiterhin präsent. So hat Stephan Rölli nach dem Tod seines Vaters den einzigen Verwaltungsratssitz der ebenfalls in Schötz angemeldeten Nistev AG übernommen. Diese hält ebenfalls Grundbesitz in Basel. In einer solchen Liegenschaft hat Stephan Rölli gemäss Website die Büros seiner Anfang Jahr gegründeten Rimmo-Invest AG. Ob er die familiäre Tradition fortsetzen möchte, mochte Stephan Rölli nicht erläutern. Von Immro zu Rimmo wäre der Schritt jedenfalls nicht gross.

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Autor

Christian Mensch

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