Frau Gössi, im Gegensatz zur Mutterpartei verlor die FDP in Basel bei den Wahlen im letzten Herbst Wähleranteile und sogar ihren Nationalratssitz. Ist Basel Ihr Sorgenkind?

Petra Gössi: Nein. Der FDP-Sitz ging ja an Christoph Eymann von der LDP, die auf nationaler Ebene Teil der FDP ist. Er politisiert in unserer gemeinsamen Fraktion. National hat sich darum nicht viel geändert. LDP und FDP sind in Basel eigenständige Parteien. Wenn man sie aber zusammennimmt, sind sie eine starke bürgerliche Kraft.

Sie plädieren für einen Zusammenschluss von LDP und FDP?

Das ist Sache der Kantonalparteien. Ich masse mir nicht an, hier reinzureden. Fakt ist: FDP und LDP arbeiten gut zusammen gegen die links-grüne Mehrheit, die Basel seit Jahrzehnten regiert.

Als Parteipräsidentin muss man die Basis begeistern. Wie wollen Sie die Basler FDP für den laufenden Wahlkampf begeistern?

Ich will ihnen das freisinnige Feuer zeigen. Wahlkampf heisst, dass jedes Parteimitglied für die liberalen Werte einstehen muss. Das bedeutet: auf die Strasse gehen und andere Leute überzeugen.

Die FDP ist in Basel drittstärkste Kraft. Was empfehlen Sie FDP-Basel-Präsident Luca Urgese, um Wähleranteile zu gewinnen?

Wichtig ist, dass man ständig in allen Quartieren der Stadt auf der Strasse ist und zu den Leuten an den Stammtisch sitzt. Man muss erlebbar sein und darf keine Angst haben, die Parteigrenze zu überschreiten. Sonst erreicht man keine neuen Leute. Als Präsidentin der FDP Schwyz sass ich in den letzten vier Jahren an vielen Stammtischen.

Zu den Regierungsratswahlen treten Sie gemeinsam mit der SVP an. Keine Angst, Ihre Wähler zu vergraulen?

Nein. Das Viererticket besteht aus FDP, CVP, LDP und SVP. Es sind ja nicht drei SVP-Kandidaten darauf.

Ist die Zusammenarbeit mit der SVP ein notwendiges Übel?

Nein, das ist der Weg, für den sich die Basler entschieden haben. In der Generation, die heute politisiert, gibt es keine kategorische SVP-Ablehnung. Es ist die Presse, die auf uns zeigt, wenn wir mit der SVP zusammenarbeiten. Man muss diese Bündnisse von Fall zu Fall beurteilen.

Das bedeutet?

Hier ist die Zusammenarbeit der richtige Weg, weil es darum geht, die rot-grüne Regierungsmehrheit zu knacken. Das heisst aber nicht, dass wir in allen Punkten gleicher Meinung sind. Gerade in Basel-Stadt haben FDP und SVP aber eine gewisse Übereinstimmung, vor allem in Wirtschaftsfragen.

Sie profitieren von der Mobilisierungsstärke der SVP. Die Gefahr besteht, dass das alte Bild des Trittbrettfahrers wieder aufkommt. Was entgegnen Sie diesen Kritikern?

Dieses Scheinargument befeuert die Linke. Wir zeigen unsere Positionen klar und eigenständig auf.

Was erwarten Sie von der Basler FDP bei den Wahlen?

Ich würde mich schon freuen, wenn wir die Sitze in der Legislative halten könnten.

Das ist kein ambitioniertes Ziel.

Erdrutschsiege sind bei kantonalen Wahlen unrealistisch. Ein Gewinn von ein bis zwei Sitzen würde mich riesig freuen.

In Basel ist die Politik viel weniger bürgerlich geprägt als in Ihrem Heimatkanton Schwyz. Wie wollen Sie das ändern?

Ich gehe nicht auf die Strasse und sage den Leuten, sie sollen FDP wählen. Wir müssen die Leute mit guten Lösungen überzeugen, die auf Freiheit und Fortschritt ausgerichtet sind. Aber grundsätzlich leben in Städten eher linksdenkende Menschen, die Fragen anders gewichten, als es die bürgerliche Politik macht.

Sie sind seit vier Monaten FDP-Präsidentin. Inhaltlich haben Sie noch keine Pflöcke eingeschlagen. Wohin führen Sie die FDP?

Wir müssen unsere Positionen nicht neu finden. Unser Profil ist klar erkennbar. Ich habe keinen Grund, unsere Positionen über den Haufen zu werfen. Sie stimmen auch mit meiner persönlichen Überzeugung überein.

Sie politisieren am rechten Rand der FDP. Einige Ihrer Parteifreunde sind wesentlich liberaler. Diese Vielfalt der Meinungen geht zulasten eines klaren Profils.

Dass man einmal eine andere Meinung als die Fraktion hat, ist normal. Wie liberal jemand ist, hängt nicht von ein oder zwei Einzelfragen ab. Unsere Partei lebt von verschiedenen Meinungen. Diese Vielfalt muss einfach Platz haben.

In Basel-Stadt und Aargau werden die ersten kantonalen Wahlen unter Ihrer Präsidentschaft stattfinden. Nervös?

Nein. Ich bin überzeugt, dass unsere Kantonalparteien gute Arbeit leisten. Aber ich bin natürlich gespannt auf das Resultat.

Sehen Sie es als Ihre persönliche Mission, dass die Resultate in diesen beiden Kantonen gut ausfallen?

Es sind wichtige Wahlen, darum reise ich heute nach Basel. Das gehört zu den Aufgaben als Präsidentin. Für mich ist es selbstverständlich, dass ich das mache.

Eine Binsenweisheit besagt, dass jeder Parteipräsident sich politisch einmittet. Ist das Ihnen schon passiert?

Das kann ich noch nicht sagen. Ich habe kürzlich eine Auswertung meines Abstimmungsverhaltens gesehen. Da stand ich etwa noch am gleichen Ort. Ob ich jetzt 0,1 Pünktchen rechts oder links liege, spielt aber keine Rolle. Entscheidend ist, dass die FDP geschlossen auftritt.