«Gekommen, um zu bleiben». Dieser Slogan prangt an der Betonmauer, welche die ehemalige Migrol-Parzelle am Klybeckquai von den Geleisen der Hafenbahn trennt. Der Slogan ist als Programm zu verstehen: Auf der rund 250 mal 60 Meter grossen Parzelle am Rhein - seit dem Abbruch der Tanklager letzten Sommer eine öde Brachfläche - haben sich am Freitag rund 50 Linksautonome eingerichtet. Eigentümer der Parzelle sind die Schweizerischen Rheinhäfen.

Ein Dutzend Wagen

Am Morgen ziehen Traktoren ein gutes Dutzend Wagen auf den Platz. Diese werden in einem Kreis aufgestellt. Die «Tageswoche» machte um die Mittagszeit als erstes Medium die Besetzung publik. Wer am frühen Nachmittag der Uferstrasse entlang spaziert, trifft auf eine lockere, aber doch geschäftige Atmosphäre: Zu Punk-Musik wird eingerichtet, gesprayt, gehämmert. Ein Grillfeuer brennt. Die Aktivisten wollen eine Bar, eine Bühne für kulturelle Aktivitäten sowie eine Gemeinschaftsküche bauen.

Der Autor wird von der Sprecherin der Aktivisten freundlich begrüsst. Den Medien Auskunft erteilen will sie allerdings nicht. Sie verweist stattdessen auf die Homepage www.wagenplatz.ch. Damit ist klar, wer hinter der Aktion steht: Die Wagenleute, die 2011 ein Areal auf der Erlenmatt besetzt hatten und bis gestern in einem Hinterhof an der Freiburgerstrasse 7 ihr Lager aufgeschlagen hatten; dies im Rahmen eines befristeten Mietverhältnisses mit der Basler Sozialhilfe. Dem Vernehmen nach sollen sich auf dem Areal am Hafen auch ehemalige Besetzer der Villa Rosenau sowie Autonome aus Zürich aufhalten. Offiziell bestätigen will dies auf dem Areal indes niemand.

Keine Überraschung

Die Besetzung kommt für Szene-Kenner nicht überraschend: Den Wagenleuten ist nämlich an der Freiburgerstrasse 7 auf Ende März gekündigt worden. Laut der Homepage der Wagenleute hat eine feuerpolizeiliche Prüfung zur Kündigung geführt: Demnach hätten die Wagen zu den Gebäuden im Hinterhof einen seitlichen Abstand von mindestens zehn Metern aufweisen müssen. Unter diesen Voraussetzungen hätte dort bloss noch ein Wagen Platz gehabt, schreiben die Wagenplatz-Aktivisten.

Auf der grossen Brache am Klybeckquai, wo die Wagenleute gestern hingezogen sind, soll im Juni die Art-Begleitmesse Scope stattfinden - erstmals an diesem neuen Standort. Scope-Sprecher Patrick Tschan mag sich gegenüber der bz nicht zur Besetzung äussern: Das sei eine Angelegenheit der Rheinhäfen; die Scope geniesse auf dem Areal bloss Gastrecht. Er verweist aber auch darauf, dass die Scope rund 6000 Quadratmeter beanspruche; dies entspricht rund einem Drittel der Parzellenfläche. Rein räumlich kämen demnach Linksautonome und Kunstmesse-Besucher aneinander vorbei.

Polizei wartet ab

Die Basler Polizei hat derweil von der Besetzung Kenntnis genommen. Sie behält die «Situation im Auge», sagt Martin Schütz, Sprecher des Justiz- und Sicherheitsdepartements. Aus eigenem Antrieb das Areal räumen kann die Polizei nicht; bei der Besetzung von privatem Grundstück - und dabei handelt es sich beim Ex-Migrol-Areal - muss der Eigentümer zuvor einen Strafantrag stellen. Erst dann entscheidet die Polizei über das weitere Vorgehen. Wie die Schweizerischen Rheinhäfen reagieren, war für die bz am Freitag nicht in Erfahrung zu bringen.

Das Ex-Migrol-Areal ist die grösste Parzelle, die im Rahmen der Umnutzung von Teilen des Basler Hafens vom Industrie- zum Wohngebiet in einem ersten Schritt für Zwischennutzungen frei wird. Auf dem benachbarten Ex-Esso-Areal werden am 3. Mai - vom Kanton und den Rheinhäfen unterstützt - die Marina-Bar sowie die Skate-Anlage Portland eröffnet. Andere Zwischennutzungen sind wegen einer Einsprache von Novartis blockiert.