«BuchBasel»
Das Festival möchte junge Menschen zum Lesen animieren

«BuchBasel» kommt dieses Jahr den jungen Leserinnen und Lesern wortwörtlich entgegen: Am Eröffnungsabend tretten Rapper Black Tiger und Poetry-Slammerin Daniela Dill auf.

Susanna Petrin
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Das Festival bietet verschiedene Programmpunkte, die ebenfalls für ein jüngeres Publikum interessant sein dürften.

Das Festival bietet verschiedene Programmpunkte, die ebenfalls für ein jüngeres Publikum interessant sein dürften.

buchbasel.ch

«Obst &Gemüse» ist kein Frischproduktegeschäft, sondern ein Veloladen im Kleinbasel. «BuchBasel» ist keine Buchmesse in der Mubahalle E mehr, sondern ein Literaturfestival verteilt auf poetische Orte in der ganzen Stadt. Zum Beispiel im «Obst & Gemüse». Hier wurde gestern zwischen Fahrrädern und Funktionskleidung den Medien das Programm der kommenden Ausgabe ab 6. November vorgestellt; und hier kommt so vieles zusammen, wofür das seit 2012 neu konzipierte Festival steht: Seine Offenheit für ungewöhnliche Räume und Formate, sein Wille, auch einem jungen Publikum entgegenzukommen.

Die jungen Leserinnen und Leser kommen dieses Mal besonders stark auf ihre Kosten. Inhaltlich: Zum Beispiel bereits am Eröffnungsabend bei den Auftritten des Rappers Black Tiger und der Poetry-Slammerin Daniela Dill (6. November, nach 19 Uhr, Volkshaus) – weitere Spoken-Word-Künstler folgen Freitag bis Sonntag. Bei einer Fragestunde mit Stefan Bachmann, der mit 16 Jahren den bald weltweit bekannten Fantasyroman «Die Seltsamen» geschrieben hat (7. November, 14.45 Uhr, Literaturhaus). Oder wenn der Magazin-Journalist Max Küng seine besten Velo-Texte liest (7. November, 20 Uhr, Obst & Gemüse). Formal: zum Beispiel bei einem literarischen Speed-Dating mit drei Autoren in sechzig Minuten (8. November, 14 oder 17 Uhr, Volkshaus). Oder bei einer Samstagnacht im Comix.

Lesungen für Zappelphilipps

Rund 180 aktive Teilnehmer, 110 Veranstaltungen und 30 Spielorte zählt die «BuchBasel» 2014. Zu den Programmpunkten, die ebenfalls für ein jüngeres Publikum interessant sein dürften, gehören die Generationengespräche. Das seien «junge, neue Stimmen im Gespräch mit ihren Mentoren», erklärte Simone Ammann, die Kuratorin des Schweizer und des jungen Teils des Festivals. Diese Unterhaltungen ermöglichen «Einblicke in mögliche Entwicklungen». Zum Beispiel, wenn Werner Rohner (Jg. 1975) sich mit Ruth Schweikert (Jg. 1965) austauscht (7. November, 18.30 Uhr, Volkshaus).

Ob ADS oder iPhone-Sucht – wer unter einer der aktuellen Aufmerksamkeitsstörungen leidet, findet am Literaturfestival viele Formate, die kein stundenlanges, stilles Zuhören verlangen. Da wird auf der Fähre gelesen oder im Wassertaxi; im Wohnzimmer oder aus Hörduschen. Sogar Franz Kafkas «Das Schloss» kommt als Konzert mit einer Graphic-Novel-Slideshow daher – das Projekt des Schriftstellers Jaroslav Rudis und des zeichnenden Musikers Jaromir Svejdik alias Jaromir 99 wird als einer der Höhepunkte des Festivals vorgestellt. Die Beiden treten mit einer Band aus Kafkas Heimatstadt Prag auf (8. November, 21.30 Uhr, Volkshaus). Wer sich nach dem Gegenteil sehnt, der absoluten Konzentration auf das Wort, der findet im Stockdunkel des Restaurants «blindekuh» Erfüllung (8. November, 10 oder 12 Uhr, blindekuh).

Iran, Irak und Ukraine

Im Unterschied zu den Solothurner Literaturtagen ist das Basler Literaturfestival international. Dieses Jahr konzentriert es sich «auf Länder, die im Brennpunkt stehen», sagte Katrin Eckert, die Intendantin dieses Festivals und des Literaturhauses Basel. Denn es brauche Bücher, um Konflikte in der Tiefe zu verstehen. Wie sagte es schon vor rund einer Woche der Träger des Friedenspreises des deutschen Buchhandels, Internetexperte Jaron Lanier: «In Wirklichkeit können nur Medien ausserhalb des Internets – insbesondere Bücher – Perspektiven und Synthesen aufzeigen.» An der «BuchBasel» tun das bald Jurij Ihorowytsch Andruchowytsch und Andrej Kurkow aus der Ukraine, Oya Baydar aus der Türkei, Najem Walis aus Irak, Amir Hassan Cheheltan aus Iran, Massimo Carlotto aus Italien und der russische Autor Mikhail Shishkin, der heute in der Schweiz lebt.

Am Ende des Festivals steht ein neuer Anfang, eine neue Reihe des Literaturhauses. Künftig organisiert es Autorenlesungen in Wohngemeinschaften (9. November, 19 Uhr, Klybeckstrasse 26). «Wenn sich die jungen Erwachsenen schwertun, zu uns ins Literaturhaus zu kommen, dann gehen wir eben zu ihnen», sagte Eckert. Literaturfestival und Literaturhaus, sie kommen den Jungen entgegen – wortwörtlich.