In den dunklen Kellerräumen des Sommercasinos zischt und blubbert es. Was akustisch wie eine verwunschene Sumpflandschaft anmutet, ist in der Realität ein kleiner Ausstellungsbereich, der mit sechs verschiedenen Werken das Zusammenspiel von Mensch und Maschine inszeniert.

Die Ausstellung ist Teil eines Projekts, das am Wochenende erst zum zweiten Mal überhaupt stattfand: das Festival science + fiction. Passend zum Motto «Machina Sapiens» verwandelte sich das Sommercasino in einen Ort der Wissenschaft und fungierte einmal als Kino, dann wieder als Club oder als Podium.

Kunst, die interagiert

Während im Ausstellungsraum die einen Werke auf technische Innovationen wie selbstfahrende Autos und deren Konsequenzen eingehen, spielen andere Installationen mit der Präsenz der Besucher. Die wolkenartige Videoinstallation von Michel Winterberg etwa empfängt die Gäste mit rauschenden Klängen und hüllt sie ein in eine sphärische Welt.

Wie ein formfreies Lebewesen passt sich die «anima perplexa» – die perplexe Seele – den Bewegungen der Leute an, die es betrachten. Dann wird es wieder unabhängig, löst sich von der menschlichen Vorgabe und wird zu einem eigenständigen Charakter.

Interaktion findet sich auch im Werk von François Chalet, Jan Huggenberg und Mathias Vetter wieder. «Fischli» heisst die Installation, die wie ein Computerspiel anmutet und aus einer auf ein kleines Wasserbecken gerichteten Projektion besteht. Per Mausklick können Besucher die virtuellen Fische füttern, die im Bassin umherschwimmen.

Einmal gesättigt, verändern die Tiere ihre Form, werden zu bläulich schimmernden Quallen oder zu kleinen, dreieckigen Monstern. Auch hier ertappt sich der Gast dabei, wie er den digital geschaffenen Tierchen ein eigenes Wesen zuschreibt. Trotz der Einflussnahme der Besucher entwickelt sich im Becken eine eigene Dynamik, die fesselt.

Düstere Prognosen

Diese Dynamik wird am Samstagabend auch am Science Jam aufgegriffen: Drei Autoren und Autorinnen präsentieren in Kurzlesungen ihre Zukunftsvisionen, die danach von Wissenschaftern kritisch analysiert werden. Die Mischung aus literarisch-naiver Vision und nüchterner Analyse ist bestechend. Autorin Anne Flückiger wagt mit ihrem Text eine düstere Zukunftsprognose: Der Lehrer in der Hauptperson wird zum Organisator von digital vernetzten Räumen, die er dank eines Chips hinter seinem Ohr betreten kann.

Gespräche mit seiner Schülerin führt er in Gedankenform, die Überwachung ist allgegenwärtig. Sieht so die Zukunft aus? Roland Berkemeier, Doktorand in Neurobiologie, beruhigt das Publikum: «In Europa würde das keine Ethikkommission je erlauben.»

Andere Fragen wirft Adam Schwarz’ Text auf, der von einer Flugbegleiterin handelt, die wie alle Passagiere auch eine Mischung aus Mensch und Roboter ist und mit einer Nagelfeile Fluggäste ermordet. Nadine Zurkinden, Juristin für Strafrecht, analysiert den Fall systematisch. Kommt die Ermordung eines Roboters einer vorsätzlichen Tötung gleich, oder handelt es sich vielmehr um Sachbeschädigung?

Was für Heiterkeit im Publikum sorgt, hat durchaus einen Bezug zur Gegenwart. Die Frage, ob Maschinen als juristische Personen fungieren können, ist aktueller denn je. Spätestens, wenn sich selbstfahrende Autos in den Alltag der Menschheit integriert haben und Unfallhergänge strafrechtlich geklärt werden müssen, wird die Frage an Brisanz gewinnen.