Donnerstagmorgen: Für die Basler Fasnächtler sind die drei schönsten Tage vorbei, für die Strassenwischer die drei härtesten. Bei den Putzleuten herrschte diese Woche Ferienverbot – sofern sie nicht selbst in einer Clique mittaten.

Aktiv sind aber die wenigsten. Und so finden sich um acht Uhr Hunderte orange Menschen unterschiedlichster Couleur im Congresszentrum bei der Messe ein. Italiener, Türken, Franzosen, Albaner und Schwarzafrikaner, die einander mit Primarschul-Rassismus («Ihr Türken stinkt», «Ihr Italiener seid faul») necken.

Seit der Fasnacht 2006, als die Stadt im Schnee und die Strassenwischer in Arbeit ertranken, gibt es jedes Jahr genau vier Stunden nach dem Schlussstreich ein Ändreinigungsmähli. Suppe und Teigwaren für die ganze Belegschaft.

Dass der Fasnachtsobmann Christoph Bürgin höchstpersönlich zum ersten Mal seit elf Jahren einen Dank an die Putzequipen richtet, interessiert hier nur bedingt. Stattdessen flüstern sich die Stadtreiniger zu, was ihnen von den vergangenen drei Tagen Schwerstarbeit in Erinnerung geblieben ist.

Ismail Kaya darf als einziger Türke an den Italienertisch.

Ismail Kaya darf als einziger Türke an den Italienertisch.

Der Türke Ismail Kaya, der in diesem Jahr erstmals als Strassenwischer im Einsatz war und am lauten Italienertisch sitzen «darf», machte die Feststellung, dass die Fasnachtsleute frühmorgens «zwar betrunken, aber wahnsinnig freundlich» gewesen seien.

Ein Elsässer, seit 25 Jahren bei der Basler Stadtreinigung, beobachtet, dass die Abfallmengen über die Jahre stetig abgenommen haben. Die rund 400 Tonnen, die auch in diesem Jahr wieder zusammengekommen seien, seien «wohl dem Regen» geschuldet, der die Räppli nahezu doppelt so schwer gemacht habe.

Kalsha Dalip Singh interessiert sich derweil nicht für solche Anfängerdiskussionen. Fasnacht ist Fasnacht für den Mann aus dem Kaschmir, der seit elf Jahren Basels Strassen fegt.

Wer seine Biografie hat, der kann sich ohnehin nicht für so Profanes wie Abfallmengen oder den Zustand betrunkener Fasnächtler interessieren. Welcher andere Strassenfeger kann schon von sich behaupten, mal ein Flugzeug mit 264 Passagieren gekapert zu haben, um auf die Rechte von Minderheiten aufmerksam zu machen? Und wer kann schon Geschichten darüber erzählen, wie es sich anfühlt, elf Jahre in einer Todeszelle verbracht zu haben?

Und welcher Strassenfeger dieser Welt kann schon von sich sagen, dass er zur Prominenz gehört, seit die gesamte Stadtbevölkerung gegen seine Ausweisung protestierte? Wo ein Kalsha Dalip Singh ist, verblasst natürlich ein Christoph Bürgin.

345 Tage müssen Basels Strassenfeger noch warten bis zu den nächsten «drey heertschte Dääg». Ismail Kaya, zweifacher Familienvater, wird dann sicher wieder dabei sein. Heute seien es nur drei harte Tage im Jahr, bis vor einem Jahr, als er nachts als Security im Einsatz stand, hatte er fünf harte Tage in der Woche. «In der Stadtreinigung, da gefällts mir. Da kann ich gut und gerne bis zur Pension arbeiten», sagt Kaya.