Klassik

Das Feuerwerk hat nicht gezündet

Der Cellist Steven Isserlis (Archivbild)

Der Cellist Steven Isserlis (Archivbild)

Es war nicht seine Nacht: Nach einem verspäteten Konzertbeginn konnte der britische Cellist nur phasenweise seine Weltklasse aufblitzen lassen.

«Sorry, it’s not our night!» Der Cellist Steven Isserlis musste sich kurz nach Beginn seines Solokonzertes am Donnerstag entschuldigen: Seine A-Saite hatte die Spannung verloren, er musste sein Instrument in Ordnung bringen und die süffige Cellomelodie erneut anstimmen, mit der Dmitri Kabalewski sein zweites Cellokonzert nach einer eher seltsamen Pizzicato-Einleitung beginnen lässt.

Kein Drama natürlich, eher schon ärgerlich, dass das Konzert der Allgemeinen Konzertgesellschaft im Musicaltheater Basel mit über einer Stunde Verspätung begonnen hatte: Der Instrumententransport der Janáček Philharmonic aus dem tschechischen Ostrava war an der Grenze aufgehalten worden.

Es war auch sonst nicht die Nacht des britischen Cellisten, der nur phasenweise seine Weltklasse aufblitzen lassen konnte. Vor allem mit vielfältigen Vibrato-Varianten bezauberte er und mit fein gemischten Farben, die auch mal ganz pastellen wirken konnten, wie impressionistische Farbtupfer oder verwischte Nebelstimmungen.

Aber in den schnellen, technisch vertrackten Passagen vergriff sich auch dieser versierte Solist mehr als einmal, das rhythmische Feuerwerk wollte nicht recht zünden und das Plädoyer für dieses kaum gespielte Konzert des sowjetischen Komponisten gewann zu wenig Überzeugungskraft. Das liegt zweifellos auch am Stück: Kabalewski, der sich den Forderungen des sozialistischen Realismus kaum widersetzte, schrieb noch 1964 ganz in der spätromantischen Tradition mit wenigen moderneren Fussnoten.

Pluspunkte dieses Konzerts sind seine rhythmische Energie, orientalisch angehauchte Stimmungen in den kantablen Passagen, einige Raffinessen in der Instrumentierung. Aber es fehlen markante Melodien oder Einfälle, die im Gedächtnis haften bleiben würden.

Kaum hinter die heroische Fassade geblickt

Eindringlicher ist das Sergej Prokofjew in der 1944 komponierten fünften Sinfonie gelungen. Sie klingt phasenweise wie eine vorweggenommene Siegeshymne. Affirmativ und positiv ist das ganze Werk, der zweite Satz ist ein fulminantes Wettrennen quer durch das Orchester, bei dem die Musiker aus Ostrava regelrecht aufblühten, nachdem sie sich im Kopfsatz noch einige Ungenauigkeiten hatten zuschulden kommen lassen.

Auch im dritten und vierten Satz gelang nicht alles blitzsauber, und Dmitri Jurowski am Dirigentenpult liess in den klanglichen Schichtungen vieles eher geschehen, als dass er sie modelliert und austariert hätte. Auch schien er sich kaum dafür zu interessieren, den vordergründigen Jubel zu hinterfragen. Denn man könnte durchaus fündig werden an sarkastischem Humor und bissigen Kommentaren, wenn man sich hinter die heroische Fassade dieser Sinfonie zu blicken traut.

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