PasserElle

Das Frauenhaus beider Basel baut sein Angebot aus: Nimmt die häusliche Gewalt zu?

Das Frauenhaus muss regelmässig Frauen wegen Platzmangel abweisen. (Symbolbild)

Das Frauenhaus muss regelmässig Frauen wegen Platzmangel abweisen. (Symbolbild)

Mit einem neuen Übergangsangebot reagiert das Frauenhaus beider Basel auf die Platznot.

«Weggehen ist möglich!» Das steht auf der Website des Frauenhauses beider Basel. Die Aussage soll Frauen, die häusliche Gewalt erleben, ermutigen, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Diese erhalten sie im 1981 eröffneten Frauenhaus, wo sie Unterkunft und Beratung finden. Häusliche Gewalt ist nach wie vor ein grosses Problem, und so wird das Angebot rege genutzt. So rege, dass die Angestellten des Frauenhauses regelmässig Frauen wegen Platzmangels abweisen müssen. Ein neues Angebot soll nun Abhilfe schaffen.

Nach einer längeren Vorbereitungsphase konnte Ende Dezember 2019 die erste Frau in das neue Angebot «PasserElle» übertreten. Die «PasserElle» befindet sich wie das Frauenhaus an einem geschützten und geheimen Ort. Die Frauen werden dort aber, anders als im Frauenhaus, nicht 24 Stunden lang begleitet.

In der «PasserElle» sind tagsüber Angestellte vor Ort, in den Randzeiten existiert ein Pikettdienst. Ziel des neuen Angebots ist es einerseits, insgesamt mehr Plätze zu schaffen, andererseits können die Betroffenen, sobald sie sich nicht mehr in einer akuten Krise befinden, wieder in ein selbstständiges Leben finden. Die Geschäftsleiterin des Frauenhauses, Bettina Bühler, freut sich über die Erweiterung des Angebots: «So kann die bestehende Platznot etwas gelindert werden.» Sie sagt, die neue Übergangslösung sei wichtig, weil nicht alle Frauen dieselben Bedürfnisse hätten.

Die«PasserElle»  ist ein Pilotprojekt. Wenn das Angebot in den nächsten zwei Jahren erfolgreich ist, wird es voraussichtlich verstetigt. Für die Finanzierung kommt aktuell zur Hälfte die Christoph Merian Stiftung auf, den Rest trägt die Stiftung Frauenhaus.

Es fehlen weiterhin geschützte Plätze

Obwohl das neue Übergangsangebot das Problem entschärft, besteht weiterhin Platzmangel. Bettina Bühler vermag nicht zu sagen, ob dies mit einer Zunahme der häuslichen Gewalt zusammenhängt. Sie geht davon aus, dass heute mehr Frauen sich trauen, Hilfe in Anspruch zu nehmen, weil das Thema allmählich enttabuisiert wird.

Die Geschäftsleiterin des Frauenhauses sagt aber auch, dass es grundsätzlich zu wenig geschützte Plätze gebe. Sie verweist auf die Istanbul-Konvention, ein Übereinkommen zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt, das die Schweiz 2017 ratifiziert hat. Laut den Vorgaben des Abkommens sollten in den beiden Basel 48 statt der aktuellen 24 Plätze für Mütter und Kinder existieren. Wenn das Frauenhaus Betroffene abweisen muss, verweist es sie in der Regel an andere Institutionen. «Das ist zwar besser, als wenn die Frauen in einer gefährdeten Situation bleiben», sagt Bühler. Doch könne nur das Frauenhaus den vollständigen Schutz mit der fachlichen Beratung bieten, welche die Betroffenen in Krisensituationen benötigten.

Auch die Basler Politik hat erkannt, dass bei der Anzahl an Schutzplätzen Handlungsbedarf besteht: Mehrere Grossrätinnen um Lea Steinle (Grüne) hatten vor einem Jahr bereits eine Motion eingereicht, in der sie die Einhaltung der Istanbul-Konvention und somit eine ausreichende Bereitstellung von Plätzen im Frauenhaus forderten.

In seiner Stellungnahme auf die Motion begrüsste der Regierungsrat die Ausarbeitung des nun in Betrieb genommenen Pilotprojekts «PasserElle», das einen Teil des Problems löse. Der weitere Bedarf an zusätzlichen Schutzunterkünften wird in den nächsten Jahren geklärt.

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