Martina Bernasconi ist verärgert: «Ich finde das unmöglich: Basel präsentiert sich mit der Pharmaindustrie und der Kultur gerne als offene Stadt und nicht mal das Roaming funktioniert auf dem Flughafen. Das ist peinlich.»

Seitdem die Schweizer Mobilfunkanbieter Swisscom, Sunrise und Salt am 24. Mai ihre Sendemasten auf dem Euro-Airport (EAP) abbauen mussten, hat der Service rund um die Telefonie dort schwer gelitten. Die GLP-Grossrätin und Kandidatin für den Basler Regierungsrat Bernasconi ist nicht die Einzige, die schlechte Erfahrungen gemacht hat. Eine Redaktionskollegin klagt über schlechten Empfang und kam auf dem EAP nicht ins Internet, um ihre Mails aufzurufen.

Dabei haben beide ein iPhone und das beste und teuerste Swisscom-Abo Infinity, das im Ausland ohne Zusatzkosten für Roaming funktioniert und das Beziehen grosser Datenmengen aus dem Internet ermöglicht.

Zwei Stunden WLAN am Tag

Die Schweizer Mobilfunkanbieter mussten den Flughafen verlassen, da er sich auf französischem Territorium befindet und die französischen Anbieter und Behörden auf der alleinigen Nutzung der Frequenzen bestanden. Der Flughafen hat darauf mit dem Ausbau des WLAN reagiert, das zwei Stunden pro Tag gratis ist.

Derzeit sind 70 Antennen in Betrieb. Laut EAP-Mediensprecherin Vivienne Gaskell sind auf dem Flughafen alle öffentlichen Zonen, mit Ausnahme des Restaurants im 5. Stock, abgedeckt. Beim Aktivieren des WLAN kommt vor dem Einloggen «Free_EuroAirport_WiFi» zur Auswahl. Aber bis dahin muss man erst einmal kommen. Normalerweise muss man sich vorher mit Namen und seiner E-Mail-Adresse registrieren, aber die Kollegin ist schon beim Laden der Seite gescheitert.

«Es drehte und drehte. Weiter aber ging es nie», erzählt sie. Swisscom-Mediensprecher Armin Schädel findet es schwierig, ohne Kontakt mit den Kundinnen eine Einschätzung abzugeben: «In ähnlichen Fällen ist es schon vorgekommen, dass Kunden manuell den Netzanbieter auswählen und dies bei einer Reise ins Ausland nicht deaktivieren. Es kann auch sein, dass die Kundin das Datenroaming deaktiviert hat.»

Die Redaktionskollegin hat ihr iPhone auf automatische Wahl des Netzanbieters eingestellt und auch Bernasconi ist sich sicher, mit ihrem Handy verschiedene Einstellungen ausprobiert zu haben; funktioniert haben Roaming und auch Internet aber nie. «In Hamburg, Berlin oder Dublin klappt das überall, nur in Basel hat man null Empfang», sagt Bernasconi. Probleme hat sie auch beim Lösen der Busbilletts. Normalerweise erledigt sie das mit zwei Klicks auf einer App, um nicht am Ticketautomaten anstehen zu müssen.

Die Swisscom erklärt das so: «Ich gehe davon aus, dass die App der Verkehrsbetriebe eine Internetverbindung voraussetzt. Wenn nun kein Schweizer Netz mehr empfangen wird und sich das Gerät nicht in ein ausländisches Netz einwählen kann, kommt auch keine Internetverbindung zustande.»

Laut Bernasconi würde die App erst ab Basel St. Johann wieder funktionieren. Erst dann das Billett nachzulösen, ist heikel. BVB wie BLT betonen, dass das Schwarzfahren sei. Am EAP würden ja vier Billettautomaten stehen.

Auf französischer Seite ist die Pariser «Agence Nationale des Fréquences» zuständig für die Frequenzen auf dem EAP. Andrianilana Rakotondradalo fällt aus allen Wolken, als sie von den Schwierigkeiten erfährt. «Das ist das erste Mal, dass ich von einem solchen Fall höre.» Sie ist sich sicher, dass Roaming und WLAN funktionieren und habe auch bisher vom Euro-Airport keine gegenteiligen Informationen erhalten. Derzeit gebe es vier französische Anbieter: SFR, Orange, Bouygues und Free.

Paris ist weit weg, denn bei Andreas Büttiker, Vizepräsident des EAP-Verwaltungsrats, tönt es anders: «Die französischen Anbieter sind noch nicht auf dem Leistungsniveau, das wir vorher hatten. Der Empfang ist noch nicht zufriedenstellend», kritisiert Büttiker. «Ich habe persönlich negative Erfahrungen gemacht.» Auf dem Flughafen konnte er, obwohl er ein europaweites Abo bei Salt habe, mehrmals seinen Assistenten, der bei der Swisscom ist, nicht erreichen.

Zum Telefonieren nach Basel

«Ich habe auch ein Mail von einem Herrn erhalten, der bis nach Basel zurückgefahren ist, weil auf dem Flughafen nicht einmal das Telefonieren möglich war», fährt Büttiker fort. Zu kritisieren sei, dass die Franzosen erst die Schweizer Mobilfunkanbieter vertrieben haben, aber nun nicht in der Lage seien, den gleichen Service anzubieten.

Leidtragende der Situation sind auch die Taxifahrer. Viele Kartenterminals für das Zahlen mit der Kreditkarte funktionieren am EAP nicht, hat «20 Minuten» schon Ende Mai berichtet. Geändert hat sich daran wenig. Leider bestehe das Problem mit der mangelhaften Mobiltelefonnetz-Datenverbindung nach wie vor, berichtet Christoph Betschart, Verwaltungsratmitglied der Taxi-Zentrale Basel.

Gaskell betont, dass dem EAP ein guter Kundenservice in puncto WLAN und Mobilfunk wichtig sei. Deshalb habe er eine Studie über Abdeckung und Empfangsstärke auf der Plattform in Auftrag gegeben. «Somit bleiben wir am Ball und können, wenn nötig, bei unseren Partnern intervenieren.» Allem Anschein nach ist das nötig.