Grossbaustelle
«Das ganze Haus wird erschüttert» – Roche-Anwohner sorgen sich wegen Sprengungen

Die Anwohner von Roche sorgen sich wegen Lockerungssprengungen im Fundament um die Substanz ihrer Häuser.

Peter Schenk
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Viel Lärm um die Roche-Grossbaustelle
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Bis zu acht Mal am Tag werden Lockerungssprengungen im Fundament gemacht.
Darum liegen bei den Roche-Anwohnern die Nerven blank.
Anwohner Roland Hofmann in seinem Garten.

Viel Lärm um die Roche-Grossbaustelle

Beat Ernst;ZVG Roche;

Bei den Anwohnern der Roche-Grossbaustelle im Wettstein-Quartier liegen die Nerven blank. Roland Hofmann, Präsident des «Verein der Hauseigentümer & Anwohner Wettsteinquartier» (HEAW) sagt: «Uns haben noch nie so viele Mitglieder geschrieben wie jetzt.»

Grund sind die Lockerungssprengungen, die Roche seit dem 21. Februar in der riesigen Baugrube an der Grenzacherstrasse machen lässt. Bis in den Mai werden hier in einer Tiefe von 23 Metern bis zu acht Mal am Tag fünf mal fünf Meter grosse Betonplatten gesprengt, die zweieinhalb Meter dick sind.

Kleine Bohrungen werden dafür mit einer geringen Menge von Sprengstoff gefüllt. Die Platten bildeten das Fundament des ehemaligen Verwaltungsgebäudes, das für vier neue Bauten abgerissen wird.

Das ganze Haus wird erschüttert

«Das Rumpeln und Beben ist unangenehm. Das geht an die Bausubstanz unserer Häuser», sorgt sich Eva Güntert, Vize-Präsidentin HEAW. «Die Leute sind über die Heftigkeit erschrocken», ergänzt Hofmann. Für Güntert fühlen sich die Sprengungen manchmal wie ein Erdbeben an. «Das ganze Haus wird erschüttert.»

Je nach Standort von Häusern und Sprengung sind die Beben deutlich oder kaum zu spüren. Bei einem Besuch der bz auf der Baustelle löste die Sprengung nur ein kaum wahrnehmbares Rütteln aus. Gedämpft wurde sie durch schwere Matten, die auf dem Sprengort lagen.

Nach fünf langen Hornstössen als Warnung, durch die der Gefahrenbereich in der Baustelle gesperrt wurde, folgte nach drei kurzen Hornstössen die Zündung, die einige Millisekunden dauerte. Mit dem Knall wurden die Abdeckmatten leicht angehoben und Staubwolken stoben empor. «Je nach Art des unterliegenden Gesteins kann es sein, dass Erschütterungen unterschiedlich wahrgenommen werden», erläutert der Basler Grossrat Balz Herter (CVP), der im Nachbarschaftsbüro der Roche arbeitet und mit einem Kollegen Ansprechpartner für die Anwohner ist.

Beton wird aufgebrochen

Durch die Sprengungen sollen die Betonsockel aufgebrochen werden, um sie danach mit Baggern entfernen zu können. Notwendig ist das, damit die Fundamente der vier neuen Forschungsgebäude im Boden verankert werden können und so erdbebensicher sind.

Die Entscheidung für die Lockerungssprengungen fiel laut Roche, weil «alternative Methoden erheblich belastender wären». So hätte der flächendeckende Einsatz von Spitzbaggern, bei denen der Spitzkopf hydraulisch bewegt wird «ein Vielfaches an Vibrationen und Lärmemissionen erzeugt». Das wissen auch die Anwohner. «Es war die Wahl zwischen zwei Übeln», bedauert Hofmann. Güntert sagt: «Wir sind frustriert und ratlos, weil unklar ist, was schlimmer ist.»

Vor dem Beginn der Abrissarbeiten wurde für die Häuser, die in einem bestimmten Perimeter um die Baustelle liegen, Rissprotokolle erstellt. Derzeit hat Roche insgesamt sieben Geräte aufgestellt, die die Erschütterung messen. Die Ergebnisse gehen an das Amt für Umwelt und Energie (AUE). Güntert moniert allerdings: «Die Geräte gab es nur, weil wir immer wieder vorstellig wurden.»

Ähnliche Erfahrungen hat Thomas Grütter gemacht, der in der Grenzacherstrasse neben der Baugrube wohnt. «Ich war erstaunt, dass für uns in der Häuserzeile direkt an der Baustelle keine Messgeräte vorgesehen waren.» Schon zwei, drei Stunden nach seinem Anruf bei Roche am Tag vor Sprengbeginn wurde dann aber ein Gerät in seinem Keller installiert.

Im Wohnzimmer klirren die Gläser

Spürbare Erschütterungen kann es auch ohne Sprengungen geben. So rumpelt es beim Besuch der bz in Grütters Wohnzimmer so stark, dass sogar die Gläser zu klirren beginnen. Eine Sprengung fand zu dem Zeitpunkt nicht statt. Karsten Kleine, Sprecher von Roche, erklärt das so: «Es muss sich um den Einsatz eines Baggers gehandelt haben, der schwere Betonteile weggeräumt und vielleicht fallengelassen hat.»

Beim Gang durch das Haus zeigt Grütter mit der Taschenlampe einige Risse, die sich durch die Bauarbeiten ergeben hätten. Am spektakulärsten sind sie im Keller. «Die Häuser sind bald 100 Jahre alt. Da ist es wichtig, dass etwaige Schäden nach dem Ende der Bauarbeiten schnell repariert werden.»

Wirklich Sorgen macht er sich nicht, obwohl er davon ausgeht, dass sich die Sprengungen durch die Stosswellen im Boden im Fundament seines Hauses bemerkbar machen. Er findet wie alle Gesprächspartner: «Roche bemüht sich.» Kritik formuliert er an der Kommunikation: «Die Ankündigung der Sprengungen hat für Unruhe gesorgt. Ich finde, Roche hätte das früher kommunizieren und besser begründen müssen.»

Messwerte unter der Normgrenze

Eva Güntert fordert mit Nachdruck: «Wir wollen, dass unsere Häuser keine Schäden erleiden. Wollen nicht, dass geflickt werden muss.» Sie verweist darauf, dass die Genehmigung für die Sprengungen bis auf Widerruf erteilt worden sei. «Bei gravierenden Schäden kann sie widerrufen werden.»

Roche betont derweil, dass die Messwerte weit unter der Normgrenze und den gesetzlichen Grenzwerten liegen: «Somit gehen wir davon aus, dass keine Schäden an den umliegenden Häusern entstehen.»

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