In den Ohren von Petra Schneider* klingt es wie blanker Hohn, was das Universitätsspital Basel (USB) schreibt: «Wir freuen uns, Ihnen mitteilen zu können, dass wir Ihnen eine neue Einsatzmöglichkeit als Mitarbeiterin im Hotellerieservice oder als Serviceangestellte in den Restaurationsbetrieben anbieten können» (siehe Ausriss unten).

Schneider arbeitet seit Jahren als voll ausgebildete Köchin im Unispital. Sie kann kaum glauben, was ihr nun angeboten wird: «Das Ganze ist wie ein schlechter Witz. Ich habe doch keine jahrelange Ausbildung absolviert, um dann auf den Stationen Essen zu servieren oder im Restaurant Sandwiches zu streichen. Da kann ich mich ja gleich im Migros an die Kasse setzen», schimpft sie im Gespräch mit der bz.

Die Freude des USB über das Angebot ist für die Betroffenen ein Affront.

Die Freude des USB über das Angebot ist für die Betroffenen ein Affront.

41 Mitarbeiter müssen Job wechseln

Schneider ist kein Einzelfall. Wie ihr ergeht es diversen Fachkräften, die in den Abteilungen der USB-Küche arbeiten, sei es in der Patisserie, der kalten Küche oder der Diätküche. Denn am Unispital steht ein grosser Umbruch bevor. Bis Sommer 2018 wird schrittweise ein neues Gastronomie-Konzept eingeführt. Wie die bz bereits im Dezember publik gemacht hat, stellt das USB als erstes Spital der Schweiz die Essenszubereitung für Patienten auf die Micro-past-Methode um. Das bedeutet, dass die Essen nicht mehr frisch zubereitet und direkt auf die Zimmer gebracht, sondern per Vakuumgaren (Sous-vide) zubereitet, luftdicht abgepackt und gekühlt bis zu vier Wochen gelagert werden. In 22 kleinen Küchen auf den verschiedenen Stationen müssen die Menüs dann nur noch in der Mikrowelle aufgewärmt werden.

Mit der Mikrowelle: Menü-Zubereitung im Universitätsspital Basel

Mit der Mikrowelle: Menü-Zubereitung im Universitätsspital Basel

Zurzeit werden mit den Küchenmitarbeitern zehnminütige Einzelgespräche geführt, in denen die Zukunftsoptionen aufgezeigt und wie bei Petra Schneider schriftlich festgehalten werden. Bis Ende Februar muss sich jeder entscheiden. Die bz weiss von mehreren Köchen und Patissiers, denen es wie Schneider geht. Sie sind plötzlich hoffnungslos überqualifiziert. Sogar bisherige Abteilungsleiter sollen künftig das Essen in die Mikrowelle schieben. «Das Angebot ist ein No-Go und diskriminierend. Für das Unispital sind wir bloss eine Nummer», ärgert sich ein anderer Betroffener.

Gewerkschaft kritisiert Unispital

Der Frust in der Küche ist gross, das Klima frostig. Mehrere Betroffene wollen kündigen. Daran ändert auch nichts, dass das USB ab 2018 für zwei Jahre den alten Lohn verspricht. «Zuerst versicherte man uns, dass wir unseren Lohn behalten dürfen, nun sinds nur noch zwei Jahre. Ich frage mich, ob eine Kürzung überhaupt rechtens ist», meint eine Betroffene. Sie werde sich an die Gewerkschaft wenden. Dort wusste man gestern noch nichts von den ungleichen Angeboten. Von der bz darauf angesprochen, sagt Vanessa von Bothmer vom Verband des Personals öffentlicher Dienste (VPOD) aber klar: «Die alternativen Jobs müssen den Qualifikationen der Leute entsprechen. Es geht nicht, dass ausgebildete Köche nur noch Essen aufwärmen. Und Lohneinbussen, auch wenn sie erst später eintreten, sind nicht akzeptabel.»

Beim USB hat man für die Vorwürfe wenig Verständnis. «Es gibt keinen Wortbruch», wehrt sich Sprecher Jordan. Den Betroffenen würden «zumutbare Ersatzangebote unterbreitet». Und weiter: «Dabei trägt das USB den Qualifikationen, Fähigkeiten und Bedürfnissen bestmöglichst Rechnung.» Man sei sich zwar bewusst, dass die Angebote nicht für alle Mitarbeiter den «absoluten Wunschvorstellungen» entsprechen, halte sie aber für zumutbar. Jordan bezeichnet die Angebote sogar als «aussergewöhnlich grosszügig» und geht von keinerlei Kündigungen aus. Dies, weil die Umstellung ohne Entlassungen, ohne Lohnreduktion und ohne Änderung des Beschäftigungsgrads durchgeführt werde.

Dass die bz von Personen weiss, denen nur befristet der alte Lohn bezahlt wird, bestätigt Jordan, spricht aber von «wenigen Einzelfällen». Dies, weil von den 41 Betroffenen 33 in der Geschirrwaschzentrale oder als Küchenhilfe arbeiten und nach dem Jobwechsel, etwa in die Reinigung, nicht so überqualifiziert sind wie die vier betroffenen Diätköche, zwei Köche und zwei Patissiers. Petra Schneider und ihren Kollegen nutzt diese Erklärung wenig. Einige schreiben bereits Bewerbungen.