Wo waren Sie am Mittwochabend, so gegen neun? Als, wie aus dem Nichts, plötzlich heftiger Regen und Windböen den noch Minuten vorher lauschigen Sommerabend abrupt beendeten?

Wenn Sie in der Stadt waren und draussen, wie Zehntausende andere auch, dann können Sie bestimmt mit einer lebhaften Anekdote aufwarten. Vielleicht haben Sie es gerade noch trocken nach Hause geschafft. Oder mussten kiloweise Fleisch vom Grill retten und nur halb durchgegart verspeisen. Oder standen dicht gedrängt unter einer Brücke und warteten, bis der Spuk vorbei war.

Wenn Sie Betreiber eines Gartenrestaurants oder einer Buvette sind oder in ebensolcher gerade zu Gast waren, dann werden sie von chaotischen Szenen zu berichten wissen, wie eine Umfrage der bz zeigt. Dann werden Sie von Gästen erzählen, die sich wagemutig an Sonnenschirme geklammert und diese vom Davonwinden retteten, wie Gabriel Pellicanò von der gleichnamigen Buvette am Birsköpfli.

Stammtisch-Atmosphäre statt romantisches Tête-à-Tête

Oder Sie nennen es «Erlebnis-Gastronomie», wie Sandra Oberson, die am Mittwochabend im Restaurant zum Goldenen Sternen eine bis auf den letzten Sitzplatz besetzte Gartenwirtschaft auf der Rheinpromenade bewirtete.

«Die Leute haben sich ihre Teller und Gläser geschnappt und sind nach drinnen gerannt – dort war die Stimmung erstaunlicherweise ausserordentlich fröhlich. Es wurde viel gelacht und miteinander gesprochen, weil sich die Gäste gemeinsam und bunt zusammengewürfelt an die grösseren Tische setzten und ihr Abendessen statt beim romantischen Tête-à-Tête in einer gut gelaunten Runde beendeten.»

Auch Dana Poeschel von der Buvette Dreirosen kann sich genau an den Moment erinnern, als «völlig unerwartet – wir haben immer wieder den Regenradar überprüft und da war nichts zu sehen» – das Gewitter über ihre Gäste hereinbrach. Noch genauer aber erinnert sie sich an jenen Moment, als dem heftigen Regen die ersten Sturmböen folgten. Diese führten nämlich dazu, dass
die grosse Sonnenstore der Buvette, unter die sich wegen des Regens mehrere Dutzend Gäste drängten (siehe Bild unten), automatisch hochgezogen hat.

«Die Leute haben alle gekreischt, als sie plötzlich im Regen standen. Und uns zugerufen, dass wir die Store doch nicht einziehen sollen. Aber wir konnten ja gar nichts dafür, weil die Store von einem Windsensor gesteuert ist und sich bei einer gewissen Stärke aus Sicherheitsgründen automatische zusammenrollt.»

Äusserst kleine Gewitterzelle

Wenn Sie am Mittwochabend nicht in Basel waren und diesen Text dennoch bis hierher gelesen haben, dann hat das mit der aussergewöhnlich geringen Grösse der Gewitterzelle zu tun (siehe Bild). Denn während die anfangs erwähnten Situationen Schilderungen von Redaktionsmitgliedern des Büros Basel waren, haben unsere Kollegen in Liestal von alledem nichts mitgekriegt.