Direktorin
Das Grand Hôtel Les Trois Rois bleibt zu: «Es muss sich rechnen, den ganzen Apparat hochzufahren»

Das Grand Hôtel Les Trois Rois bleibt laut der Direktorin geschlossen. Ein Hotel ums andere zieht nach – bis auf wenige Ausnahmen.

Rahel Koerfgen
Merken
Drucken
Teilen
«Es muss sich rechnen, den ganzen Apparat hochzufahren»
3 Bilder
Weiterhin offen: Das Hotel Teufelhof von Hotelier-Präsident Raphael Wyniger. Geschlossen – bis auf weiteres: das Grand Hôtel Les Trois Rois. Erst offen, jetzt auch geschlossen: das neue Boutiquehotel im Volkshaus.
Weiterhin offen: Das Hotel Teufelhof von Hotelier-Präsident Raphael Wyniger. Geschlossen – bis auf weiteres: das Grand Hôtel Les Trois Rois. Erst offen, jetzt auch geschlossen: das neue Boutiquehotel im Volkshaus.

«Es muss sich rechnen, den ganzen Apparat hochzufahren»

Martin Töngi Bild: ZVG Bild: Kenneth Nars

Es ist das beste Haus am Platz Basel – und seit 23. November 2020 geschlossen. Spätestens als die Basler Regierung den Mini-Lockdown inklusive Schliessung der Restaurants beschloss, um einer weiteren Ausbreitung des Coronavirus entgegenzuwirken, ging die Rechnung für das Fünfsternehotel Les Trois Rois, diesem stolzen altehrwürdigen Kasten am Blumenrain, nicht mehr auf. Nur mit der Bewirtung der sowieso schon spärlich auftauchenden Übernachtungsgäste, ohne lokale Gäste, liess sich das Traditionshaus nicht mehr rentabel betreiben.

An dieser Haltung hat sich bis heute nichts geändert – das Grand Hôtel bleibt bis auf weiteres zu, wie Direktorin Tanja Wegmann auf Anfrage der bz sagt: «Stand heute sind die Restaurants schweizweit bis Ende Februar geschlossen, und bis dahin werden wir das Hotel auch nicht öffnen.» Vielmehr sei die Wiedereröffnung von der weiteren Entwicklung der Pandemie und der Situation Ende Februar abhängig. «Es muss sich rechnen, den ganzen Apparat wieder hochzufahren», sagt Wegmann. Die mehr als hundert Angestellten des Hotels blieben bis auf weiteres in Kurzarbeit.

Seit Anfang Januar ist auch das neue Volkshaus-Hotel zu

Trotz der unsicheren Situation hatten sich Ende November doch einige Hotels in Basel für eine Weiterführung ihres Betriebs entschieden. Eines eröffnete gar just in jenen schwarzen Tagen: das Boutiquehotel im Basler Volkshaus. Geschäftsführer Martin Yves Reinshagen zeigte sich damals überzeugt, mit einem preislich attraktiven Eröffnungsangebot für Anwohner und Interessierte aus der Region, die sich nach einem Tapetenwechsel sehnten, einen guten Buchungsstand in der Krise hinzukriegen.

Unterdessen hat aber auch er sich gemeinsam mit den Besitzern zu einer Umkehr entschieden: Seit Anfang Januar ist das Volkshaus, kaum eröffnet, wieder geschlossen. «Im Dezember erhielten wir zwar einen wirklich lässigen Zuspruch, an Silvester war das Hotel fast komplett belegt. Für den Januar verzeichneten wir aber derart wenige Buchungen, dass wir uns schweren Herzens zu diesem Schritt durchgerungen haben.»

Die neuen Beschlüsse des Bundesrats haben Reinshagen und sein Team in diesem Entscheid bestärkt: «Mit der Homeoffice-Pflicht findet praktisch keine Reisetätigkeit mehr im Land statt.» Zudem koste ein halb geöffneter Betrieb wahnsinnig viel Zeit, Energie und Geld. Reinshagen: «Wir fahren besser damit, unsere rund 35 festangestellten Mitarbeiter in Kurzarbeit zu schicken, als sie weiter zu beschäftigen. Den geringen Umsatz, den wir mit derart wenigen Gästen erzielen, reicht nicht aus, um die zusätzlichen Betriebskosten zu zahlen.»

Wann das Boutiquehotel am Claraplatz wieder aufmacht, ist noch nicht absehbar, sagt Reinshagen weiter: «Wir warten lieber ein wenig zu und eröffnen dann, wenn sich die Lage halbwegs normalisiert hat. Für den 1. März erachte ich das leider nicht als realistisch.»

«Als Dienstleistung für Basel»: «Teufelhof» bleibt geöffnet

Zu den wenigen Hotels, die jetzt noch in Basel geöffnet sind, gehört der «Teufelhof». Und Patron Raphael Wyniger, der als Präsident der Basler Hoteliers amtet, sieht davon ab, die Türen zu schliessen. Kommerziell lohne es sich tatsächlich nicht, aber: «Wir bleiben offen. Aus diversen Gründen.» Er wolle einerseits damit seine Mitarbeiter motivieren und der Ausbildungspflicht nachkommen, da er doch einige Lehrlinge im Betrieb beschäftige.

Andererseits sehe er es als Dienstleistung für Basel. «Es gibt immer noch den einen oder anderen, der nach Basel reist und ein Zimmer benötigt.» Tatsächlich sei sein Hotel angesichts der Krise «nicht schlecht» belegt, sagt Wyniger, ohne ins Detail gehen zu wollen. Einen kleinen Teil machen demnach Solidaritätsbuchungen von Baslern aus, die Abwechslung zu den eigenen vier Wänden benötigten. «Das rührt mich sehr.» Wyniger meint weiter, dass der Weg, für den er sich entschieden habe, «finanziell sich zwar nicht rechnet, aber verkraftbar» sei.

Wie gut abgesichert das «Les Trois Rois», das seit Ende November geschlossen ist und demnach auch keine Einnahmen hat, ist derweil nicht bekannt. Über die finanzielle Lage wollte sich Ruedi Schiesser, Präsident des Verwaltungsrats, gegenüber der bz nicht äussern. Fakt ist: Das Hotel befindet sich im Besitz des Basler Milliardärs Thomas Straumann. Bereits vor fünf Jahren wurde publik, dass er dem Traditionshaus ein Darlehen in Höhe von 26,5 Millionen Franken gewährt hatte. Demnach schrieb das Hotel schon damals Verluste. Ob der Geldsegen Straumanns auch in der Coronakrise Bestand hat, steht in den Sternen.