Konzerthalle

Das grosse Hallendebakel zu St. Jakob: Die Musik spielt in Zürich

Basel macht mit Konzerten keine Kasse.

Basel macht mit Konzerten keine Kasse.

Höhere Ausgaben, aber tiefere Einnahmen. Die neue Joggelihalle wird das finanzielle Versprechen nicht erfüllen können.

Es war ein Erdrutschsieg für die Basler Regierung. Ohne Gegenstimme beschloss der Grosse Rat im Januar 2015 die Sanierung der Joggelihalle und sprach dafür 110 Millionen Franken. Schon die Bau- und Raumplanungskommission hatte sich begeistert gezeigt.

Warum auch nicht? Plötzlich stand da ein Projekt, das sämtliche Anforderungen der Politiker übertraf und vor allem eines bot: mehr Kapazität. Regierungsrat Christoph Eymann sagte im Rathaus: «Es muss gelingen, Basel vermehrt gut zu positionieren dank dieses fantastischen Gebäudes. Ich bin überzeugt, dass das gelingen wird.» Eine Machbarkeitsstudie der Finanzkontrolle rechnete vor: Der jährliche Ertrag durch Vermietungen wird sich auf 8,6 Millionen Franken belaufen, der Aufwand nur auf 4,9 Millionen. Damit wäre die Halle aufgrund der Eigennutzung zwar immer noch defizitär, aber immerhin erwirtschaftet sich der Kanton ein Zubrot durch die Vermietung. Mehr Besucher sollen in die neue Halle strömen; endlich präsentiere man eine «attraktive Alternative» zum Zürcher Hallenstadion. Wie hochtrabend die Erwartungen an die neue Halle waren, unterstreicht folgender Satz aus dem Ratschlag: «Es gilt auch zu beachten, dass durch attraktivere Veranstaltungen mit Weltstars in der St. Jakobshalle zahlreiche Übernachtungen, Restaurantbesuche usw. in Basel generiert werden können.»

Inzwischen weicht die Euphorie der Ernüchterung. Auch ohne die Blamage um das abgesagte Konzert muss man bilanzieren: Zürich hatte alle Grossen zu Gast. Ariana Grande und Rod Stewart, Muse und Mark Knopfler und Eros Ramazotti und viele andere. Basel hatte 2019 zwei Popkonzerte: Andrea Bocelli und Mumford & Sons.

Das führt dazu, dass das zuständige Erziehungsdepartement (ED) deutlich zurückbuchstabiert. Mehr noch: Die Sanierung der Joggelihalle entwickelt sich zum finanziellen Fiasko. Ohnehin schlug der Bau schon zehn Millionen Franken teurer als geplant zu Buche. Über die Einnahmen sagt Sprecher Simon Thiriet: «Wir müssen in Zukunft froh sein, wenn wir mit den Veranstaltungen die Ausgaben decken und allenfalls einen kleinen Beitrag an die Infrastrukturkosten erwirtschaften können.» Aus den erhofften 8,6 Millionen Franken sind sechs Millionen geworden, also gleich viel wie vor der Sanierung. Gestiegen sind hingegen die Ausgaben: Auf sechs Millionen Franken. Diese Zahlen beziehen sich auf das Budget für 2020, für das laufende Jahr lieferte das ED noch keine Zahlen.

Keine Besserung zu erwarten

Auch im nächsten Jahr dürfen Basler kaum auf grosse Namen hoffen. Im ersten Halbjahr wartet das Joggeli mit zwei Acts auf: Andrea Berg und die Kelly Family. Letztere gastieren allerdings nächsten Monat schon in Zürich. «Zudem wird am 12. Dezember noch der Auftritt eines grossen Künstlers angekündigt», sagt Simon Thiriet.

Das Erziehungsdepartement macht zwei Gründe für die Misere aus: Zum einen hätte sich das wirtschaftliche Klima «massiv verschärft». So habe das Hallenstadion seine Kapazität ebenfalls ausgebaut. «Zum anderen hören wir von sehr vielen Veranstaltern, dass Veranstaltungen in Basel gegenüber Zürich in vieler Hinsicht nicht so lukrativ aufgezogen werden können.» Das liege an den höheren Einwohnerzahlen und der «angeblich um ein Vielfaches höheren Event-Affinität des Zürcher Publikums». Unter diesem Licht sind die Vorgänge rund um die plötzliche Absage des ausverkauften Konzerts der Rapper Bonez MC und RAF Camora zu beurteilen: Just, als sich Basel aufmachte, Zürich Paroli zu bieten, kam es zum Desaster. Während sich die Baselbieter Gebäudeversicherung und die Basler Verwaltung gegenseitig den Schwarzen Peter zuschieben, treten die beiden Rapper in Zürich auf. Diese Woche sagte der Grossveranstalter Thomas Dürr gegenüber der bz: «Viele Kollegen machen jetzt schon einen grossen Bogen um Basel».

Noch jetzt scheint die Schuldfrage ungeklärt. Von 13 verschiedenen Veranstaltungsarten dürfen in Basel nur Konzerte und Tennisturniere durchgeführt werden. Immerhin, auch über den Rest dürften sich die beiden Parteien bald einigen. Wie ernst der Basler Regierung die Angelegenheit ist, unterstrich die Pressekonferenz am Mittwoch. An dieser musste sich auch Erziehungsdirektor Conradin Cramer unangenehmen Fragen stellen. Das Geschäft kennt er gut: 2015 stand er der Bau- und Raumplanungskommission vor.

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