Trommelwirbel und Fanfarenklänge: Joël Thüring hat es geschafft. Der SVP-Politiker ist auf Rang Eins gelandet – und das liegt nicht etwa nur daran, dass er im vergangenen Jahr den Basler Grossen Rat präsidiert hat. Auf den Rängen Zwei und Drei folgen ihm der Grüne Michael Wüthrich und der Liberale Heiner Vischer dicht auf den Fersen. Die beiden Widersacher in der Verkehrspolitik komplettieren das Podest der gewichtigsten Basler Parlamentarier. Zu diesem Ergebnis kommt das Grossrats-Ranking der «Schweiz am Wochenende».

Soeben hat der neu zusammengesetzte Grosse Rat das erste Amtsjahr der Legislaturperiode 2017 bis 2020 abgeschlossen. Das waren 23 Sitzungstage inklusive
10 Nachtsitzungen. Wer hatte in dieser Zeit im Kantonsparlament wirklich das Sagen? Wer zieht die Strippen? Wer gehört zu den Meinungsmachern? Es gibt keine Zauberformel, keine einfache mathematische Gleichung, mit der sich das nachweisen lässt. Und doch gibt es Anhaltspunkte. Bewertet wurde aufgrund von fünf verschiedenen Kriterien.

Selbstunkritische Grossräte

Ihren Einfluss machen die Ratsmitglieder in vielerlei Hinsicht geltend. In den Kommissionen, ihren Fraktionen, im Ratssaal oder auch mit ihren Auftritten in den Medien. Und besonders interessant: Sämtliche 100 Parlamentarier, die im Januar 2018 im Grossen Rat sassen, hatten die Gelegenheit, sich und ihre Ratskollegen auch selber einzuschätzen. So soll auch jenes politische Engagement einfliessen, das argwöhnischen Journalisten verborgen bleibt: das Lobbying, die Arbeit in der Kommission. Ein grosser Teil der Grossrätinnen und Grossräte nahm an der Umfrage teil: Rund ein Drittel, verteilt über die verschiedensten Fraktionen. Bis der Rücklauf plötzlich einbrach – gerüchtehalber sei es zu einem überparteilichen Boykott gekommen. Auch Politiker lassen sich und ihre Arbeit nicht sonderlich gerne bewerten.

Die erhaltenen Antworten sind dennoch ein interessanter Spiegel, wie sich die Grossräte gegenseitig sehen. Und auch sich selber: Nur gerade ein Grossrat verzichtete beim Ausfüllen auf eine Selbstbewertung. Die meisten gingen in diesem Punkt eher unkritisch zu Werke.

Alles in allem verdankt Joël Thüring seinen ersten Platz gleich mehreren Faktoren: So genoss er im vergangenen Jahr als Grossratspräsident natürlich eine ausserordentlich hohe Medienpräsenz. Gleichzeitig sitzt er aber neben dem Ratsbüro auch in der wichtigen Geschäftsprüfungs- sowie in der Bildungs- und Kulturkommission, wo er sich engagiert einbringt. Zugegeben: Als Quasi-Berufspolitiker fällt ihm das auch einfacher als anderen. Doch ist auch festzuhalten, dass Thüring von seinen Ratskollegen zumeist gute Noten erhält.

Auf ähnliche Faktoren dürfen sich die beiden Nächstrangierten abstützen: Der Grüne Michael Wüthrich präsidiert die Umwelt-, Verkehrs- und Energiekommission, welche in vielen umstrittenen Themen ein gewichtiges Wort mitzureden hat. In dieser sitzt auch Heiner Vischer. Der Liberale hat sich in den letzten Jahren zu einem der wichtigsten Verkehrspolitiker auf bürgerlicher Seite entwickelt. Mitte Januar ist er zudem vom Parlament zum Statthalter gewählt worden, womit er in einem Jahr das Ratspräsidium übernehmen dürfte. Wie Thüring und Wüthrich darf er sich zudem über gute Noten seiner Ratskollegen freuen. Viele schätzen ihn als «eher einflussreich» ein.

Das Podest wird also gleich von drei Männern besetzt. Betrachtet man sich aber das gesamte Ranking, fällt auf: Die Rangliste zeichnet ein bunt durchmischtes Bild. Das gilt nicht nur für die Fraktionszugehörigkeiten, sondern auch für die Geschlechter. Besonders auch der Fall von SP-Frau Salome Hofer: Auf sie trifft wohl das Prädikat einer stillen Schafferin zu, denn trotz wenig Redezeit und nicht besonders viel Medienpräsenz sehen sie ihre Kolleginnen und Kollegen als eine der einflussreichsten Politikerinnen. Interessant ist zudem, dass Parteipräsidenten oder Fraktionschefinnen nicht automatisch zu den einflussreichsten Parlamentariern zählen.

Immerhin aber rangieren die meisten von ihnen doch im vorderen Drittel. So hat es etwa LDP-Präsidentin Patricia von Falkenstein auf Platz 4 geschafft. Sie sitzt nicht nur in wichtigen Kommissionen, sondern wird gerade auch von den Parlamentariern selber hoch eingeschätzt.

Ihre Amtskollegen Pascal Pfister von der SP und Luca Urgese von der FDP stehen bereits nur noch auf den Plätzen 12 und 13. Noch weiter hinten liegen CVP-Präsident Balz Herter (19.) und sein Amtskollege Harald Friedl von den Grünen (25.). Mit Platz 47 tief im Mittelfeld dümpelt dagegen Beatriz Greuter, welche immerhin die mit Abstand grösste Fraktion der SP präsidiert. Wegen möglicher Interessenkonflikte mit ihrem Beruf musste sie die Gesundheitskommission verlassen und hat nun keinen wichtigen Kommissionssitz mehr inne. Ausserdem geniesst sie nur wenig Medienpräsenz.

Noch weiter hinten steht Andreas Ungricht. Der Basler SVP-Fraktionschef landet auf Platz 61. Bei ihm spielen ähnliche Gründe eine Rolle. Kommt hinzu: Selbst seine Ratskollegen stufen ihn nicht als sonderlich einflussreich ein.

Die Hinterbänkler

Zum unangenehmen Teil: die hinteren Gefilde der Rangliste. Hier sind keine prominenten Polit-Köpfe mehr zu finden – böse Zungen würden von «Hinterbänklern» sprechen. Diese Parlamentarier haben kaum noch wichtige Kommissionssitze erhalten. Sie haben in ihren Fraktionen wie auch im Plenum wenig zu sagen und erhalten entsprechend in den Medien ebenfalls wenig prominente Auftritte. Naturgemäss weit hinten rangieren beispielsweise die beiden SP-Parlamentarierinnen Nicole Amacher (96.) und Lisa Mathys (99.). Allerdings: Die beiden sind auch erst seit Anfang Jahr im Grossen Rat. Ergo können sie kaum Auftritte im Parlament oder in den Medien aufweisen. Dennoch sind auch sie nicht auf dem letzten Platz gelandet.

Mit diesem muss sich Rudolf Vogel abfinden. Zwar sitzt der SVP-Politiker in der wichtigen Gesundheitskommission – Einfluss hat er im Parlament dennoch nur wenig. Einer muss ja das Schlusslicht sein.