Eigentlich war Basel nur eine Notlösung für die 1700 Chirurgen, die sich am kommenden Wochenende im Kongresszentrum treffen. Der alle zwei Jahre stattfindende Weltkongress der International Society of Surgery (ISS) sollte ursprünglich in Buenos Aires stattfinden, was aber an der politischen Situation in Argentinien scheiterte. So werden sich die Mitglieder der wichtigsten internationalen Chirurgenvereinigung am Rheinknie darüber unterhalten, wie man einen Meniskus am besten operiert.

Mit den Professoren Marcel Jakob (Universitätsspital Basel), Nicolas Demartines (Universitätsspital Lausanne) und Pierre-Alain Clavien (Universitätsspital Zürich) stellten drei der besten Chirurgen der Schweiz das Programm vor. Dieses umfasst zehn parallel laufende Veranstaltungsserien zu den verschiedensten Themen der Chirurgie. Dazu kommt ein Gedenksymposium zu Ehren von Martin Allgöwer, einem der Väter der modernen Chirurgie. Der Basler Professor und langjährige Leiter der Chirurgie am Kantonsspital wäre 2017 100 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass wird unter anderem auch der Schweizer Astronaut Claude Nicollier nach Basel kommen, um vor den Ärzten sprechen.

Trend zu mehr Spezialisierung

Deren Berufsbild befinde sich derzeit in einem Wandel, erklärten die Professoren. «Wir sind längst nicht mehr einfach nur die Techniker, für die uns immer noch viele Menschen halten», sagte Demartins.

Mittlerweile sei ein Chirurg von der Diagnose bis zur Nachbetreuung in den gesamten Behandlungsprozess eingebunden. Die Zeiten, in denen ein Chirurg seinen Patienten praktisch gar nie im Wachzustand sah, sind lange vorbei. «Der grosse Trend geht zudem immer weiter in Richtung der Spezialisierung», erklärt Clavien. «Die Ära der Allgemeinchirurgie ist je länger je mehr vorbei». Gerade darum sei es wichtig, dass sich die Spezialisten der verschiedenen Richtungen immer wieder mal persönlich treffen würden, so wie am kommenden Wochenende in Basel.

Für die Basler Bevölkerung dürfte vor allem der Samstag interessant werden. Hier präsentieren sich im Kongresszentrum Organisationen, die mit den Chirurgen verbunden sind. Vom Internationalen Komitee vom Roten Kreuz bis zur Blindenhundeschule Allschwil. Ebenfalls zu Gast in Basel werden rund fünfzig junge Chirurgen aus Entwicklungsländern sein.

Auf Einladung der ISS können sie hier in einem intensiven Kurs unter Anleitung von Spezialisten ihre Kenntnisse in der Bauchchirurgie verbessern. Dies in Zusammenarbeit mit der Davoser Stiftung für Gastroenterologische Chirurgie, die von oben erwähntem Martin Allgöwer gegründet wurde.

Wichtiger Austausch

«Egal wie viel man weiss, an einem solchen Kongress kann jeder etwas lernen», sagt Clavien. Gerade auch von Kollegen aus Ländern, deren Infrastruktur weitaus schlechter sei. Oder die aufgrund anderer Umstände wesentlich mehr Fälle einer bestimmten Art hätten und darum auch viel mehr Routine. Ein Chirurg in Südafrika oder Lateinamerika sehe beispielsweise wöchentlich mehr Schuss- oder Stichwunden als ein Schweizer Chirurg in seinem ganzen Leben. Und habe somit auch mehr Erfahrung in deren Behandlung.

Diese wird dann beispielsweise in Basel weitergegeben in einem Referat unter dem Titel «Das Spektrum von Verletzungen durch posteriore abdominale Stichwunden, eine südafrikanische Erfahrung». Demartines freut sich auf den Kongress und hebt die Bedeutung des Austauschs hervor. An solchen Treffen seien schon ganze Forschungsprogramme entworfen worden.