Sie wäre die jüngste Basler Grossratspräsidentin aller Zeiten. Und auch bei Berücksichtigung der Männer wäre sie seit mindestens hundert Jahren die jüngste Person mit dem Titel «höchster Basler» oder «höchste Baslerin». Doch von Statistik und Bauchpinseleien lässt sich Mirjam Ballmer nicht leiten: Die 30-Jährige tritt aus dem Büro des Grossen Rates aus und verzichtet damit vorzeitig auf das Ratspräsidium. Ballmer wäre höchstwahrscheinlich kommenden Januar zur Statthalterin gewählt worden; 2015 hätte sie die Ratsgeschäfte geleitet.

Der Verzicht von Polit-Talent Ballmer kommt überraschend. In den letzten Monaten habe sie gemerkt, dass sich das hohe Amt nicht mit ihren Zielen vereinbaren lasse. «Das Jahr würde mich stark eingrenzen, das möchte ich nicht», sagt Ballmer, die als Projektleiterin bei Pro Natura tätig ist. Als sie 2009 26-jährig ins Ratsbüro gewählt wurde, habe sie dies als grosse Ehre empfunden, sagt sie. Da habe sie allerdings nicht abschätzen können, wo sie viereinhalb Jahre später politisch, beruflich und privat stehe.

Elisabeth Ackermann übernimmt

Christian Egeler (FDP), der 2014 dem Parlament vorstehen wird, hätte Ballmer gerne an seiner Seite gesehen. Ihr Verzicht sei bedauerlich. Zugleich zeigt er Verständnis: «Ohne Entgegenkommen des privaten Umfelds und des Arbeitgebers ist das Amt kaum auszuführen», sagt Egeler. «Gegen 200 Anlässe pro Jahr zu besuchen – das setzt Druck auf», fügt Ballmer an.

Wird das Amt nicht herabgesetzt, wenn sich die Auserwählten dann doch zurückziehen? «Im Gegenteil», entgegnet Ballmer. «Es zeigt eher, dass ich grossen Respekt davor habe.» Christian Egeler sieht es ähnlich. Er lobt die offene und ehrliche Art, mit der Ballmer mit dem Thema umgehe. Am Freitag hat sie dem Ratsbüro ihren Verzicht mitgeteilt und begründet. Das Grüne Bündnis hat gestern Abend an ihrer Stelle Elisabeth Ackermann als neues Büromitglied nominiert; die Wahl wird voraussichtlich in der Oktober-Session traktandiert.

Ballmer liebäugelt mit Regierung

Mit der 50-Jährigen teilt Ballmer seit März 2012 das Präsidium der Basler Grünen. Dieses wird sie behalten. Und auch sonst ist ihr Verzicht aufs Parlamentspräsidium nicht als schrittweiser Rückzug aus der Politik zu verstehen: «Ich möchte meine Prioritäten auf die längerfristigen Ämter setzen, die ich bereits innehabe, und daneben gewisse Freiheiten behalten für weitere Engagements und Privates», sagt Ballmer.

Man könnte dies gezielte Karriereplanung nennen. Sie kandidiert bei den Wahlen morgen Mittwoch im Grossen Rat für einen Sitz im Verwaltungsrat der Basler Verkehrsbetriebe (BVB); dies anstelle ihres Parteikollegen Michael Wüthrich, der nach acht Jahren auf eine Wiederwahl verzichtet. Daneben bleibt Ballmer Mitglied der Bau- und Raumplanungskommission, die wichtige Weichenstellungen bei Bauvorhaben vornimmt.

Der ehrgeizigen Politikerin, die mit 30 mehr Erfahrungen gesammelt hat als andere mit 45, werden zudem Ambitionen für den Regierungsrat nachgesagt. «Eine Kandidatur schliesse ich nicht aus», sagt sie knapp. Ballmer befände sich nach dem Rücktritt von Regierungspräsident Guy Morin parteiintern in aussichtsreichster Position. Doch darüber muss sie sich den Kopf derzeit nicht zerbrechen. Sie kann bei den Regierungswahlen in drei oder auch erst in sieben Jahren antreten – und ist auch dann immer noch jung.